Köln: Der Besuch im EL DE Haus berührt das Herz

Das EL DE Haus
Das EL DE Haus

Es gibt kaum einen traurigeren Ort in Köln als das EL DE Haus am Appellhofplatz. Dort ist, auch wenn es der Name nicht vermuten lässt, das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln untergebracht. Und das mit gutem Grund: Leopold Dahmen, Gold- und Uhrengroßhändler, vermietete das Haus seinerzeit nämlich an die Gestapo. Aus den Initialen des ehemaligen Hausbesitzers leitet sich übrigens der Name des Hauses ab.

Dass Besucher heute sehen können, welche schrecklichen Dinge im Keller des Hauses passierten, ist der Hartnäckigkeit zweier Männer zu verdanken: Ein Lehrer und ein Fotograf stiegen 1979 heimlich in den Keller ein, indem in der Zwischenzeit Gerümpel und Akten lagerten. Sie fotografierten die flämischen, polnischen, russischen, spanischen oder französischen Inschriften an den Wänden, die Gefangene während ihrer Haft hinterlassen hatten. Durch diese Bilder machten sie die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass mitten in ihrer geliebten Stadt im zweiten Weltkrieg gefoltert und gemordet worden war. Statt der geplanten Garagen waren im Keller des EL DE Hauses nämlich zehn Gefängniszellen untergebracht, die etwa fünf bis neun Quadratmeter groß sind. Sie sind seit den 80er-Jahren für die Öffentlichkeit zugänglich, seit gut 20 Jahren gibt es in einigen Stockwerken die Ausstellung zum Nationalsozialismus in Köln. Künftig soll sie auf das gesamte Gebäude ausgeweitet werden.

In der Ausstellung

Wer durch die Ausstellung in den oberen Räumen geht, dem fallen die Mauern auf. Sie sehen alt aus, und sie vermitteln die Atmosphäre, die zu Zeiten der Geheimen Staatspolizei in Köln herrschte. Die Ausstellung ist nicht chronologisch organisiert, sondern nach Blöcken: Jugend, Religion oder beispielsweise Propaganda sind die Themen der Räume. In einem Raum, der heller ist als die anderen, liegen in einer Vitrine letzte Grüße derer, die von Köln aus deportiert worden waren, an ihre Familien. Heller ist dieser Raum, so erfahre ich bei einer Führung mit der Kölner Journalisten-Vereinigung, weil keiner der Besucher die Augen verschließen können soll vor dem, was hier gezeigt wird. Es gibt übrigens auch einen sehr dunklen Raum in der Ausstellung: Er steht für den Krieg an sich, für die Verdunklung der Häuser, für die Rationierung der Lebensmittel, dafür, dass die Männer als Soldaten an die Front und in den Kampf mussten.

Tipp: Alleine für die Ausstellung sollte man mehr als eine Stunde einplanen. Es gibt viele Möglichkeiten, an interaktiven Stationen tiefer in die damalige Zeit einzusteigen.

Im Folterkeller

Wer nach dem Besuch der Ausstellung in den ehemaligen Folterkeller hinuntersteigt, braucht gute Nerven. Es tut weh, zu sehen, was dort einst passiert sein muss. Eingesperrt waren in den Zellen damals mit großer Wahrscheinlichkeit Zwangsarbeiter und beispielsweise spanische Widerstandskämpfer. Manche Gefangenen saßen hier mehrere Wochen, aus einigen Wandinschriften kann man schließen, dass Menschen auch 43 Tage und länger dort eingepfercht waren. Die Zellen hatten weder Pritschen noch Toiletten, nur zweimal am Tag durften die Gefangenen in den Waschraum. Während unserer Führung sind wir knapp 16 Leute in Zelle 6, mir ist das zu voll. Die Dame, die uns führt, erzählt, dass zu Kriegszeiten hier 33 Menschen untergebracht waren. Nachts schliefen in der Regel acht bis 20 Menschen pro Zelle auf dem Boden, es konnte also nicht jeder liegen.

An einen der Räume ist eine Dunkelzelle angeschlossen, sie ist kaum groß genug für einen Menschen und komplett ohne Licht. In vielen Zellen sieht man an der Wand kurze oder längere Texte, mal in rot – mit Lippenstift – oder mit Kohle in schwarz geschrieben. Wer ein Stück Metall fand, ritzte seine Botschaft in die Mauer, manchmal nutzten die Gefangenen auch die Fingernägel, um Nachrichten im Putz zu hinterlassen.

Gefoltert wurde übrigens im Luftschutzkeller, damit keine Geräusche nach draußen drangen. Und im Hinterhof wurden Gefangene am Ende des Krieges in der Mittagszeit erhängt. Rund 400 Leichen wurden von hier mit der Müllabfuhr zum Friedhof gebracht. Fliehen konnten aus diesem Folterkeller nur zwei.

Gräueltaten in Köln dokumentiert in Berlin

Im Berliner Dokumentationszentrum Topographie des Terrors gibt es viele Beispiele für das, was in Deutschland mit unliebsamen Gegnern des NS-Regimes passierte. Das alles hat man schon oft gehört und gesehen. Aber als ich dort plötzlich ein Bild aus Köln-Ehrenfeld sehe, auf dem Menschen gehängt werden, direkt in meiner Nachbarschaft, da gewinnt das Ganze plötzlich eine andere Dimension. Mir läuft es kalt den Rücken hinab, als ich die Verhörprotokolle lese, die 1966 mit Blick auf das Verbrechen von 1944 angefertigt wurden, und als ich die schrecklichen Fotos sehe, die an der Ecke Hüttenstraße/Schönsteinstraße aufgenommen worden waren. Der Besuch von Topographie des Terrors ist übrigens kostenlos.

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