Köln: Im Heizkraftwerk in Niehl

Heizkraftwerk in Köln-Niehl

Das erste, was ich wahrnehme, sind die Vibrationen. Der gesamte Boden vibriert so stark, dass ich es in den Knien spüre. Dieses Gefühl ist gekoppelt mit einem Brummen, das alle anderen Geräusche und leider auch die Erklärungen des Öffentlichkeitsmitarbeiters zu absorbieren scheint. Ich bin im Heizkraftwerk der Stadtwerke Köln, in Niehl am Hafen, etwa zehn Minuten zu Fuß von der Haltestelle Slabystraße entfernt. Der Fuß- und Fahrradweg hier führt eigentlich ganz idyllisch unter den Bäumen entlang. Doch links von mir donnern die LKWs, manche hupen, geben mir ein Lichtzeichen. Wahrscheinlich sehen die Fahrer zumindest hier Frauen nicht allzu oft. 

Von außen ist das Heizkraftwerk unspektakulär

Links kommt dann irgendwann ein Tor, hinter dem das Heizkraftwerk liegt. So richtig viel kann man hier nicht sehen. Das liegt auch daran, dass man die Produkte Strom und Wärme eben nicht erkennen an. Es ist hier also anders als beispielsweise am Fließband eines Autoherstellers. Dementsprechend erfahren wir auch das Meiste über das Heizkraftwerk in einem einfachen Konferenzraum:

Zahlen, Daten und Fakten zum Heizkraftwerk

Besucher müssen Helm und Weste tragen
  • Zu den Stadtwerken Köln gehören die KVB, also die Kölner Verkehrsbetriebe. Und die RheinEnergie. Sie hieß bis 2005 GEW, also Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerke. 
  • Köln ist bekannt für die Härte seines Wassers: Toilettenspülungen und Teekocher verkalken rechtsrheinisch besonders schnell. Und Köln ist die Stadt, in der man bundesweit die meisten Rohrbrüche hat, wie der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft herausgefunden hat. Schuld daran ist, was man im Volksmund „zuviel Kalk“ nennt. In der Fachsprache geht es um die Härte des Wassers. Das liegt linksrheinisch bei 19 Grad Härte, jedoch rechtsrheinisch bei etwa 14 Grad. So schlecht Kalk für alles ist, was regelmäßig mit Wasser in Verbindung kommt, so gut ist es für Knochen und Zähne. Oder um es mit den Bläck Föös zu sagen: Dat Wasser von Kölle es jot.
  • In Köln gibt es bisher 340 Kilometer Fernwärme. Um einen Kilometer Fernwärme zu verlegen, müssen 1000 Euro gezahlt werden. In den kommenden Jahren sollen 150 weitere Kilometer hinzukommen. Die Leitungen sind übrigens so teuer, weil sie es aushalten müssen, dass das Wasser mit hohem Druck und ebensolcher Temperatur durch sie hindurchgepumpt wird. 
  • In Köln gibt es gut 3000 Kilometer Wasserleitungen. Manche sind schon gut 100 Jahre alt. Sie liegen beispielsweise unter der Inneren Kanalstraße. Fahren dort immer mehr und immer schwerere Lastwagen darüber, kann das für die Rohre zum Problem werden – so wie 2013, als ein Rohr am Gleisdreieck gebrochen war.
  • Im Heizkraftwerk arbeiten etwa 80 Mitarbeiter. Allerdings werden Strom und Wärme elektronisch erzeugt. Darum braucht man für diese Produkte eigentlich gar keine Mitarbeiter. Aber: Die gesamte Infrastruktur und der Ablauf an sich müssen reibungslos funktionieren. Und dazu braucht man beispielsweise Schlosser, Elektriker oder Notdienste.

Herzstück des Heizkraftwerks: der Generator

Aber zurück zur Vibration: Sie kommt vom Generator. Und er ist quasi das Herzstück des Heizkraftwerks. Er kann in 15 Minuten aus dem Stand-by-Betrieb auf 100 Prozent hochfahren. Ganz wichtig: Um Wärme zu produzieren, benötigt man Kühlwasser. Das kommt – wie könnte es anders sein – aus dem Rhein. Dorthin werden die 26.0000 Kubikmeter Wasser pro Stunde übrigens auch wieder zurückgeleitet. Das Interessante daran: Das Wasser wird einmal gereinigt, bevor es wieder im Fluss landet. Dazu gibt es einen großen Rechen im Heizkraftwerk, der zum Beispiel Tüten oder große Pappstücke aus dem Rheinwasser zurückhält. Natürlich landen bei ihm auch Fische. Diese werden jedoch sofort ins Flusswasser zurückgeleitet. 

Wenn Ihr eine Führung durch das Heizkraftwerk Niehl 3 machen wollt, kontaktiert die Rheinenergie. Ich war dort bei einem Vor Ort Termin mit der Kölner Journalisten-Vereinigung.

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