Griechenland und Portugal: Olivenöl dreimal ganz anders

Erstaunlich goldene Augen hat das Schaf auf dem Bild, denke ich, während Adam Karamanlis sich auf einer Pressekonferenz im Dreischeibenhaus in Düsseldorf vorstellt. Er ist griechisch-deutscher Künstler – und das Schaf ist sein Thema. Er malte Kiss, Sisi, den Denver Clan und viele andere als Schaf. Und das war der Grund, warum Bastian Jordan von Jordan Olivenöl ihn anrief.

Bastian Jordan und Adam Karamanlis vor dem "Schäfer von Lesbos"
Bastian Jordan und Adam Karamanlis vor dem „Schäfer von Lesbos“

Bastian ist Olivenbauer und leitet den Familienbetrieb Jordan Olivenöl. Seine Mutter und Großmutter sind nämlich in den 1970er Jahren nach Lesbos gefahren – quasi als die ersten Touristen dort überhaupt. Irgendwann nahmen sie die Männer mit, Ende der 1980er kaufte die Familie dann ein Grundstück mit 100 Olivenhainen und zog um. Der Großvater begann Olivenöl zu machen – für den Eigenbedarf. Enkel Bastian machte daraus ein Geschäft. In Köln kann man Jordan Olivenöl beispielsweise in der Weinhandlung kaufen, die zum Sternerestaurant Maximilian Lorenz gehört.

Hilfe für Lesbos mit Olivenöl

Die Jordans fühlen sich als Deutsch-Griechen ihrer Wahlheimat verpflichtet – und leiden und litten mit dem Land und der Insel – zunächst in der Euro-, dann in der Flüchtlings-, zuletzt in der Coronakrise. Also überlegte man, wie Hilfe aussehen könnte. Und mit den Bildern von Adam Karamanlis kam ein Sozialprojekt zustande: Adam malte den „Schäfer von Lesbos“ – ein Schaf – natürlich – in der traditionellen Tracht der Insel, mit einem Olivenzweig in der Hand und der Friedenstaube auf der Schulter.

Lesbos liegt näher an der türkischen als an der griechischen Küste. Traurige Bekanntheit hat die Insel in den vergangenen Jahren dadurch gemacht, dass dort seit 2015 immer mehr geflüchtete Menschen ankamen: Laut UNHCR waren es allein 2018 bis September 2020 mehr 188.000. Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt über eine Million Migrantin*nen, die in der Hochphase der Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 nach und durch ganz Griechenland gekommen sind.  Als im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos im September 2020 ein Feuer ausbrach, flohen 12.000 Menschen ins Umland. Lesbos hat nach einer Volkszählung von 2011 rund 90.000 Einwohner.

Dieses Bild ließen die beiden bei 200 Grad Celsius auf 5400 Keramikflaschen brennen. Bestellen kann man diese über den Onlineshop für 50 Euro das Stück. 20 Euro pro Flasche gehen über den Verein Solingen hilft direkt ins Lager auf Lesbos. Jordan Olivenöl ist als Solinger Unternehmen ein Partner des Vereins.

Vor einigen Jahren hat Bastian Jordan mir bei einer Veranstaltung im Kölner Weinkeller die geschmacklichen Unterschiede zwischen griechischen Oliven nähergebracht. Ich habe dort erfahren, dass viele der schwarzen Oliven, die wir in Deutschland kaufen können, nicht von Natur aus schwarz, sondern gefärbt sind.

Olivenöl vom Festland

Weiter aus dem Norden Griechenlands, aus Kavala auf dem Festland, und nicht mehr sehr weit von der bulgarischen Grenze entfernt, kommt ein anderes Olivenöl: Pangaea . Es wird von der Familien Lakirdakis produziert. Deren Geschichte klingt ähnlich wie die der Jordans. Allerdings hatten die Lakirdakis lange in Deutschland gelebt, bevor sie wieder nach Griechenland zurückkehrten. Dort haben sie sich ihren Traum erfüllt – und Oliven angebaut und mit dem daraus gepressten Öl den Eigenbedarf gedeckt.

In Deutschland sprach sich das bald im näheren Freundeskreis herum, und so wuchs die Produktion. Das Familienunternehmen hat mir zwei Flaschen Olivenöl kostenlos geschickt: eine Flasche ist mit Öl aus der Früh- eine mit Öl aus der Haupternte. Ich habe beide Öle zunächst mit Baguette aus der IDA und mit Salz probiert – und ich hatte nicht erwartet, einen Unterschied zu schmecken. Tatsächlich ist das Agoureleo Öl aus der Frühernte aber fruchtiger als das Olivenöl nativ extra. Julia Lakirdakis-Stefanou, die die Direktvermarktung übernommen hat, erklärt mir den Unterschied: „Das frühe Olivenöl hat einen niedrigeren Rauchpunkt. Deswegen raten wir davon ab, es zu erhitzen“. Also habe ich es für Salatdressing benutzt und für ein Mangold-Kürbiskern-Pesto, das wir zu Pasta gegessen haben. Es hat sich in beidem hervorragend gemacht. 

Gutes Öl erkennen

Da ich schon einmal Kontakt zu einer Olivenölexpertin hatte, fragte ich per Mail nach, woran man eigentlich ein gutes Olivenöl erkennt. Im Supermarkt kann man es schließlich schlecht probieren, bevor man es kauft. Die Antwort kam ebenfalls per Mail: „Auf dem Etikett sollte ‚extra nativ‘ stehen, das bedeutet rein mechanisch, also ohne Lösungsmittel und Wärmezufuhr hergestellt“. Außerdem sei es wichtig, dass die genaue Herkunft auf dem Etikett angegeben ist, und zwar das Ursprungsland und der Abfüllort. „Eine ungenaue Herkunft bedeutet, dass der Inhalt der Flasche in der Regel gemischt wird, zum Beispiel also Olivenöle aus der europäischen Union mit denen aus Drittländern. Diese Information steht für weniger gute Qualität, die sich in der Regel im Preis spiegelt.“

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Interessant fand ich auch, dass Trübungen im Olivenöl vollkommen natürlich zu sein scheinen. Das erinnert mich an den Weinstein in manchen guten Weinen. Und noch ein Tipp von der Expertin: Die Flaschen sollten immer kühl und dunkel lagern und unbedingt vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, denn „sonst altert das Olivenöl“.

Mit diesem neugewonnen Wissen bin ich direkt zu meiner Holzkiste mit Ölen und Essig gegangen. Dort steht nämlich eine kleine Flasche Noan Olivenöl, die neulich in meiner Foodist Abo-Box (Werbe-Link) war. Ich gestehe, dass ich sie mir nicht richtig angeschaut hatte. Jetzt sehe ich mit Schrecken, dass dieses Öl aus dem Douro-Tal in Portugal ebenfalls eine frühe Ernte ist. Ich werde es also besser nicht mehr erhitzen, sondern künftig auch eher für Salate und ähnliches benutzen. Aber mich erfreut natürlich, dass ich der Flasche entnehmen kann, woher es kommt, und auch, dass es natives Olivenöl ist. Noan spendet seinen Gewinn übrigens bedürftigen Kindern, hatte ich bisher auch noch nicht gesehen. 

Mein Fazit: Da hatte ich also in kurzer Zeit die Möglichkeit, vier unterschiedliche Olivenöle zu probieren. Sie sind alle ein Genuss. Mein Vorsatz für künftige Ölkäufe: Mal genauer nachschauen, was eigentlich auf der Flasche steht! 

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