Kunst- und Kulturwochenende in Antwerpen

Antwerpen abends
Antwerpen abends

Nein, Antwerpen ist nicht lieblich wie Brügge oder Gent. Antwerpen ist unerwartet vielfältig: eine Kathedrale, die gleichzeitig eine Kunstsammlung ist, ein Museum, das UNESCO Weltkulturerbe ist, ein jüdisches Viertel mit vielen Diamantenläden und dann auch noch das Thema Mode. Kurz gesagt: Antwerpen bietet mehr als genug, um ein Wochenende dort zu verbringen.

Wir hatten überlegt, ob sich die Antwerp City Card für unseren zweitägigen Besuch lohnen würde, und uns schließlich dafür entschieden: 3 Euro kostet nämlich eine Fahrt mit Bus und Bahn, ab der dritten Fahrt würde sich ein Tagesticket lohnen. In der City Card ist die Fahrt mit dem ÖPNV jedoch enthalten. Die City Card kostet im August 2017 35 Euro für 48-Stunden, zwei Tagestickets fürs Bus und Bahn schon 12 Euro. Bleiben also 27 Euro übrig. Der Eintritt in Museen oder Kirchen kostet zwischen 6 und 8 Euro, so dass man grob gerechnet beim Besuch von zwei Museen pro Tag schon ganz gut liegt. Wir haben außerdem einen Rabattgutschein eingesetzt, um Schokolade zu kaufen.

Museumsbesuch in Antwerpen

Eigentlich hatte ich kein großes Interesse daran, das Red Star Line Museum zu besuchen, schließlich kenne ich das Auswandererhaus in Bremerhaven. Zugegeben, ganz so schön ist das Pendant in Antwerpen nicht, aber auch dort wird erzählt, welchen Weg europäische Auswanderer früher gehen mussten, um Armut und Verfolgung hinter sich zu lassen, und um in einem neuen Land ein anderes Leben zu beginnen. Ich bin sehr froh, dass wir dort waren, denn das Museum geht unter die Haut und vermittelt ein ganz aktuelles Thema mit modernster Technik. Man sollte allerdings dafür Zeit einplanen, denn das Museum kann nur dann Wissen vermitteln, wenn man sich Videos ansieht, Tonfragmente anhört oder sich an interaktiven Terminals seine eigene Auswandereroute zusammenstellt.

Auch das Museum Plantin-Moretus ist toll: Dort spaziert man durch das Wohnhaus des Druckers, bestaunt seine wunderschöne Bibliothek mit Büchern, die so viel älter sind, als wir je werden werden. Und man lernt viel über die Kunst des Druckens. Das Museum wurde meiner Meinung nach zurecht von der UNESCO ausgezeichnet. Wer die Besichtigung etwas lebhafter gestalten will, lädt sich die Antwerp Museums App herunter. Dort gibt es einen etwa einstündigen Rundgang, in dem auch Tonaufnahmen eingearbeitet sind. Hat man also Kopfhörer dabei, bekommt man einen recht guten Einblick in das Leben und Arbeiten in dieser Zeit. Allerdings sollte man dann auch auf genügend Akku achten: Bei meinem alten Smartphone war der Akku schnell leer, aber die Führung noch nicht zu Ende.

Ähnlich ist das Rubens-Haus, aber deutlich voller. Dort erfahren Besucher viel über das Leben des bekannten Malers. Natürlich hängen hier auch viele seiner Bilder – wie übrigens auch in der Liebfrauenkathedrale, die eine gelungene Mischung aus Gotteshaus und Kunstausstellung ist. Wir waren außerdem im Musikinstrumentemuseum in der ehemaligen Fleischhalle – ein tolles Gebäude. Die Ausstellung selbst finde ich etwas speziell. Mit dem Modemuseum der Stadt konnte ich mich nicht wirklich anfreunden: Dort gab es eine Ausstellung zu Hermès – nicht mein Geschmack. Aber da der Preis mit der City Card frei war, bin ich zumindest kurz durchgegangen.

Ganz verschiedene Stadtviertel

Auch wenn man sich nicht für die Museen der Stadt begeistern kann, ist Antwerpen einen Besuch wert: Da ist das Hafenviertel mit einigen modernen Gebäuden. Im MAS Museum übrigens kann man ohne Eintritt zu bezahlen bis auf die Dachterrasse fahren und hat von dort einen guten Blick über die Stadt. Rund um das Rathaus am Grote Markt und in den Seitenstraßen ist Belgien so pittoresk, wie man es auch von anderen Touristenstädten kennt. Die Fahrt zum Theaterplein ist an einem Samstag auf jeden Fall empfehlenswert, denn dort gibt es den Exotic Markt. Würstchen, Käse, Waffeln, Gemüse oder kleine asiatische Speisen – hier gibt es alles zu fairen Preisen, und satt wird man auch. Die Haltestelle Meir führt direkt in die Einkaufsmeile in Antwerpen: In der Fußgängerzone reihen sich hier die üblichen Geschäfte aneinander. Das ist nicht so mein Ding. Ich war aber dort, um Schokolade von The Chocolate Line zu kaufen. Außerdem ist hier das Rubenshaus.

Am Hauptbahnhof, der an sich schon eine Attraktion ist, kommt man dann ins Diamantenviertel. Dass hier wertvolle Ware verkauft wird, sieht man den Häusern über ganze Straßenzüge nicht an. Wir hatten in dieser Gegend trotzdem hervorragendes Essen, und zwar im Hoffy’s. Dort kann man sich jüdische Speisen mitnehmen – oder man setzt sich im hinteren Teil des Geschäftes an einen eingedeckten Tisch. Wir hatten uns einen großen Teller mit vielen Happen bestellt, so dass wir den Geschmack der traditionellen Speisen testen konnten: Fischterrine, Hühnchen, Gemüsepastete und Kalbsröllchen. Lecker war’s!

Spartipps für Antwerpen

Wer mit dem Auto kommt, sollte sich ein Parkhaus am Stadtrand suchen. Im Parkhaus Centraal spart man ordentlich Geld, wenn man seinen Stellplatz schon von zuhause über das Internet reserviert. Direkt am Parkhaus ist ein Zugang zum Hauptbahnhof. Dort gibt es eine Touristeninformation. Wer sich hier die Antwerp City Card kauft, hat schon die erste Fahrt in die Stadt kostenlos.

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