Digital Detox in Bad Neualbenreuth

Bad Neualbenreuth: Viel Grün

Irgendwie ist es doch ganz beruhigend, dass man das Handy einfach in der Tasche oder in der Pension lassen kann, ohne etwas zu verpassen. Denn in Bad Neualbenreuth in der Oberpfalz in Bayern haben nur wenige Menschen mobilen Empfang. Dementsprechend geruhsam kann so ein Tag sein, an dem nicht ständig Mails, Nachrichten oder SMSen über einen der vielen Messenger hereinlaufen. Dafür kann sich die Großstadtseele am Grün der Wälder und Wiesen sattsehen, kann sich auf das Plätschern des Wasserfalls und das Rauschen der Bäume konzentrieren. Und entspannen. 

Ganz nah an der Tschechischen Republik

Genau darum kommen Touristen nach Neualbenreuth: Sie wollen ihre Ruhe. Und wenn sie davon genug haben, dann gehen sie auf Entdeckungstour in der Region. Die ist nämlich ziemlich spannend: Die Euregio Egrensis im Herzen Europas erstreckt sich nämlich nicht nur über die Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen, sondern auch über die Grenze zur Tschechischen Republik. Und so gibt es im Umland des Dorfes mit nicht einmal 1500 Einwohnern einiges zu entdecken. Da wäre tatsächlich zuerst einmal die Grenze zur Tschechischen Republik, die auch auf Straßenschildern angeschrieben ist. Mit dem Auto darf man sie nicht überqueren – aber zu Fuß. Und wer sich an die Zeiten des Kalten Kriegs und des eisernen Vorhangs erinnert, für den ist das schon etwas Besonderes. Heute sind übrigens zumindest in Neualbenreuth auch fast alle Schilder mit touristischem Sinn zweisprachig – tschechisch und deutsch. Und auch das ist ein Zeichen dafür, dass hier grenzüberschreitend Europa gelebt wird.

Wandern rund um Bad Neualbenreuth

Wer keine Lust hat, über die Grenze zu wandern, der kann zumindest zum Grenzlandturm gehen. Er sieht aus wie ein Grenzturm, hatte aber nie diese Funktion. Vielmehr ist er ein Aussichtsturm, von dem aus man in alle Richtungen, also auch über die Grenze einen weiten Blick hat. Allerdings sollte man kein Problem mit Fliegen lassen, denn diese haben sich schwarmweise in dem Turm eingenistet.

Wer dagegen gut zu Fuß ist, hat sehr viele Möglichkeiten. Wanderwege gibt es rund um Bad Neualbenreuth nämlich eine ganze Menge. Ich hatte in den wenigen Stunden, in denen ich dort war, leider nur Zeit für einen kurzen Spaziergang zum Wasserfall am Muglbach. Aber ich war fasziniert davon, wie ursprünglich der Wald dort war: Ein schmaler Weg, hohe, schlanke Baumstämme und das goldene Herbstlicht – perfekt.

Kirchen in und um Neualbenreuth

Dann gibt es rund um das Dorf einige sehenswerte Kirchen. Sie erreicht man entweder, wenn man ein guter Wanderer ist – oder man leiht sich eben Fahrräder, beispielsweise in der Touristeninformation am Marktplatz, die in einem für die Region typischen Fachwerkhaus untergebracht ist.  Und dann geht’s los – beispielsweise nach Leonberg. Dort in der Kirche gibt es einen so genannten Arkanthusaltar. Sie sind typisch für diese Region. Man erkennt sie daran, dass ein sehr filigraner Rahmen rund um das Altarbild geschnitzt wurde, das wie Zweige und Blätter aussieht. Die Leonberger Kirche feiert 2023 ihr 300-jähriges Jubiläum, und bis dahin wird sie noch renoviert, erzählt mir Johann Burger, der seit Mai 2014 Bürgermeister in dem Dorf ist. Eine weitere Besonderheit zumindest dieser Kirche: Vorne sitzen die Kinder, Frauen und Männer sitzen weiter hinten getrennt, auch den Bürgermeister trifft man hier regelmäßig. 

Zwischen Leonberg und Neualbenreuth gibt es noch die Allerheiligenkirche, eine Einsiedelei im Wald. Sie ist in der Regel geschlossen, aber durch ein Fensterchen hat man einen guten Blick in den Innenraum. In Wernersreuth gibt es außerdem die Dorfkirche mit ihrem trutzigen Turm. Sie war eine Wehrkirche, in der die Bevölkerung in schwierigen Zeiten Schutz bekam. Sehr interessant sind dort die Fenster mit abstrakten Motiven, die ich in der Oberpfalz eher nicht vermutet hätte. Gemacht wurden sie in der Glashütte Lamberts in Waldsassen. Von dort kam übrigens auch das Material für das Richter-Fenster im Kölner Dom. Und dann gibt es natürlich noch die Kirche am Marktplatz in Neualbenreuth mit der Lourdes-Grotte.

Das Sibyllenbad

Hauptattraktion des Ortes ist jedoch das Sibyllenbad. Und nicht nur das: Aufgrund des Heilbades darf sich das Dorf seit November auch Bad Neualbenreuth nennen. Das Besondere am Sibyllenbad sind die vielen medizinischen Anwendungen und die Radonbäder. Übrigens gibt es hier auch die Aktivwochen der Betriebskrankenkassen. Allerdings kommen auch Touristen zur Wellness ins Sibyllenbad. Denn sie finden dort eine ganze Menge Entspannungsmöglichkeiten. So ist bei jedem Besuch der Eintritt in den orientalischen Tempel enthalten. Dort folgt der Ablauf einer strengen Zeremonie: Aufwärmen und aufweichen, sich mit einem speziellen Handschuh abrubbeln, danach einseifen und ausruhen. Zwischen den drei Stufen nimmt man sich ebenfalls Zeit, um zu ruhen und sich mit lauwarmem Wasser zu begießen. Dabei wird die Temperatur des Körpers erhöht, und dadurch wird das Immunsystem angekurbelt, erklärt mir Barbara Bannert, die im Sibyllenbad für Marketing zuständig ist. 

Doch es gibt noch mehr zu entdecken: Ruheräume, die nur wenigen Leuten Raum gewähren – somit ist dafür gesorgt, dass es wirklich ruhig bleibt. In einem dieser Räume riecht es sogar nach frischgebackenem Brot – weil im Ofen in der Ecke ein Laib langsam erwärmt wird. Es gibt acht Saunen – unter anderem eine wohlriechende Heusauna, einen Kneipp-Kieselgang und ein Teehaus. Bannerts Tipp: „Kommen Sie besser nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, da ist es bei uns sehr voll. In der Adventszeit hat man von Montag bis Donnerstag die meiste Ruhe.“ 

Essen und übernachten in Bad Neualbenreuth

Oft ist es ja so, dass man in kleinen Orten nicht ausreichend Auswahl hat, wenn es ums Essen geht. In Bad Neualbenreuth ist das nicht so. Das Dorf ist auch aufgrund der vielen Touristen ziemlich lebhaft. Ich hatte beispielsweise tschechische Küche im Restaurant Im Grünen Tal, und zwar Rinderbraten mit Semmelknödeln. Im Gasthof zum Tillenblick gab’s frischen Fisch, der aus der Zucht im Wald stammt.  Hier gibt es außerdem regelmäßig Abende mit Heimatmusik. Und in der Pension Zum Egerländer Fachwerkhof Kaffee und Kuchen. Dort waren wir übrigens bei unserer Bloggerreise auch einquartiert. Unsere Ferienwohnung in dem denkmalgeschützten Haus war super-sauber, ganz modern, und gleichzeitig im Stil der Region. In Bad Neualbenreuth gibt es auch zwei Hotels in der Nähe des Sibyllenbads oder für Selbstversorger einen Bäcker und einen Metzger.

Wie kommt man nach Bad Neualbenreuth?

Wie fast immer war ich ohne Auto unterwegs. Von Köln aus ist es sehr weit nach Bad Neualbenreuth. Da ich aber in Bayreuth war, habe ich einfach einen Tag ans Wochenende angehängt. Von Bayreuth fährt man in etwa einer Stunde mit dem Zug nach Marktredwitz. Von dort geht es mit dem Baxi weiter, das ist ein Rufbussystem, mit man auch bequem die Umgebung erkunden kann. Bahncard-Inhaber bekommen Rabatt auf die Fahrt. Die muss übrigens vorher telefonisch angemeldet werden, somit ist man natürlich nicht ganz so flexibel wie mit dem Auto. Aber: Man kommt auch so ganz gut rum.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann natürlich auch Tagesausflüge ins Umland machen: Neben Bayreuth ist auch Bad Steben ganz interessant – dort gibt es ebenfalls ganz erholsame Therme. Mödlareuth ist spannend, weil das Dorf früher durch die innerdeutsche Grenze getrennt war. Die Grenzanlagen kann man sich heute noch ansehen. Etwas länger dauert die Fahrt nach Neumarkt in der Oberpfalz. Dort gibt es jedoch auch schöne Wanderwege und einen hübschen Stadtkern. Was es noch alles zu entdecken gibt in der Region könnt Ihr im Buch Neualbenreuth und die Euregio Egrensis nachlesen, das Susanne Wenzel geschrieben hat. Sie hält Euch außerdem in ihrem Blog auf dem Laufenden.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Ich war auf Einladung von Bad Neualbenreuth in dem Ort. Die Kosten für die Übernachtung und Verpflegung sowie der Eintritt ins Sibyllenbad wurden vom Veranstalter und seinen Kooperationspartnern getragen. Die Reisekosten habe ich übernommen.

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