Bad Steben: Wellness und Natur im Frankenwald

Staatsbad Bad Steben – vor dem Kurhaus

Wir sind nur noch zu viert, als der grüne Agilis im Bahnhof von Bad Steben einfährt. Der Zug besteht aus einem Wagen, das Unternehmen, das dahinter steht, deckt in Bayern jedoch zehn Prozent des Schienenverkehrs ab. 2018 wurde der Agilis mit dem Bayrischen Eisenbahn Preis ausgezeichnet, weil er seit acht Jahren eine gleichbleibend hohe Qualität biete – auch wenn es ab und zu Zugausfälle gebe. Mich zumindest hat das grüne Züglein problemlos von Hof nach Bad Steben gebracht, durch Wälder, Wiesen und Felder führt der Weg, bis er im bayrischem Staatsbad mit knapp 3500 Einwohnern ankommt. Bad Steben liegt im Prinzip zwischen Leipzig und Nürnberg an der Grenze zu Thüringen.

Bad Steben: Lebhaftes Städtchen

Wie sich das für Bayern gehört, steigen die Straßen gleich steil an, wenn man den Bahnhof verlassen hat. Mein Weg führt mich vorbei an einem Haushaltswarenladen, einer Metzgerei und einem Bäcker, einem griechischen Restaurant, Pensionen, Banken – und ich bin überrascht, wie viel Infrastruktur der oberfränkische Ort seinen Bewohnern bietet. Das kenne ich auch anders. Zwar gibt es auch Leerstand, aber man muss schon genauer hinsehen, um zu entdecken, dass Edeka weg ist und mehrere Restaurants oder ehemaligen Pensionen leer stehen. Das wird jedoch bei einigen Gebäuden nicht so bleiben: Manche ehemalige Pensionen werden derzeit zu Wohnhäusern umgebaut, erzählt mir Bert Horn, Bürgermeister von Bad Steben. Schließlich gebe es eine steigende Nachfrage nach Wohnraum. Zwar habe es auch einige Jahre Abwanderung gegeben, aber diese Zeit sei im ganzen Landkreis Hof vorbei. „Das hängt“, so Horn, „auch mit der Umsiedlung einiger Behörden durch die bayrische Landesregierung zusammen“. Damit soll der ländliche Raum gestärkt werden. In der Zwischenzeit kommen die Behördenmitarbeiter sogar gerne aufs Land, heißt es, denn hier könne man sich im Gegensatz zu München und Umland noch Immobilien leisten: Im Kreis Hof gibt es bei Immobilienscout24 noch Wohnungen mit 150 Quadratmetern, die unter 150.000 Euro kosten. Davon kann man in München, aber auch in Köln nur träumen.

Aber zurück nach Bad Steben: Mein Lieblingsgeschäft ist der Blumenladen in der Badstraße. Als ich dort am frühen Abend nach Geschäftsschluss vorbeikomme, stehen noch glasierte Töpfe mit Pflanzen zur Deko vor dem Laden. Sie sind wohlgemerkt nicht angekettet. Unvorstellbar in Köln, dass sie am nächsten Morgen noch stünden. 

Bad Steben: Entspannen in den Thermen

In Bad Steben gibt es übrigens fünf Kliniken. Hierher kommen Rheumapatienten, Menschen in Reha, aber auch psychosomatisch Erkrankte. Hauptattraktion des Ortes sind, wie sich das für ein Staatsbad gehört, die Therme. Sie liegen im Kurpark, dort, wo auch die Wandelhalle und die Bühnen für Kurparkkonzerte sind. 

Tipp: In den Thermen bekommt man übrigens auch montags und dienstags Kaffee und Kuchen, dann also, wenn das Café im Kurhaus geschlossen ist. 

Die Therme bestehen aus drei Abteilungen: Wasserwelt, Sauna und Wellness Dome. Letzterer interessiert mich am meisten, denn hier wurde Schiefer aus der Region verarbeitet. Um hineinzukommen, muss man die höchste Preisklasse nehmen und mindestens drei Stunden bleiben. Das kostet 29 Euro. Zum Vergleich: Vier Stunden im Neptunbad in Köln kosten 26,50 Euro, im Mediterana in Refrath zahlt man unter der Woche für vier Stunden 29,50 Euro. Ich bin skeptisch, ob sich der Preis in Bad Steben lohnt, dann aber überrascht, wie schnell die Zeit vergeht: Ich beginne im Wellness Dome und treibe zunächst im Sole-Bad mit 12 Prozent Salzlösung. Dann lege ich mich in die Sand und Licht Lounge – der künstliche Sonnenaufgang überzeugt mich ehrlich gesagt nicht. Ich plätschere im kohlensäurehaltigen Wasser, liege an einem künstlichen Strand, schaue den Wellen beim Sonnenuntergang auf der Leinwand zu – und finde danach den Gang über die Steine im Kneippbecken eher unangenehm. Aber: Das soll die Durchblutung verbessern. Dann bin ich im Schieferdampfbad, lasse mich später durch den Strömungskanal treiben, und komme in den Pavillon des Fühlens und Hörens. Dort gibt es Klangduschen und ein Light und Sound Becken, in dem ich mich wie im Aquarium fühle. Den Resonanzturm mag ich nicht, weil sich ein Paar pausenlos unterhält, so dass dort keine Entspannung möglich ist. Auch im Wellness Dome sind mir zugegebenermaßen zu viele kreischende Kinder, und in der Sauna scheint es normal zu sein, dass sich Paare unterhalten. Das kenne ich so nicht. 

In der Saunenwelt gibt es natürlich auch mehrere Angebote: die Feuersauna aus dicken Holzstämmen zum Beispiel, die an eine Berghütte erinnert. Besser gefällt mir die Panoramasauna mit dem riesigen Fenster, das in den Steingarten mit Schiefer und Bambus hinausgeht. Alles in allem sind die Therme viel größer und innovativer als ich erwartet hatte. Ihr solltet sie Euch bei einem Besuch in Bad Steben oder im Umland trotz meiner kleinen Kritikpunkte nicht entgehen lassen. Ich habe sie nämlich ziemlich entspannt verlassen.

Tipp: Wenn Ihr am späteren Abend in die Therme geht, oder während der Schulzeit, solltet Ihr weniger Kinder antreffen. Aber Achtung, die Therme schließen um 22 Uhr. Wollt Ihr in den Wellness Dome, müsst Ihr also spätestens um 19 Uhr dort sein, sonst bekommt Ihr das Drei-Stunden-Ticket nicht mehr, das Ihr braucht, um im Schiefer-Entspannungs-Dome zu relaxen.

Laufen in Bad Steben

Im Kurpark findet Ihr auch einen Wegweiser mit Wander- und Spazierstrecken. Ich entscheide mich am frühen Morgen für eine Runde auf dem Weg US 33 beziehungsweise dem dunklen Terrainweg. Ausgeschrieben ist die Strecke als „Schöne Aussicht“ – und Nomen es Omen: Für eine schöne Aussicht geht es eben den Berg hoch. Und zwar recht steil. Zu meiner Verblüffung habe ich oben angekommen jedoch leider keinen Blick in die Weite. Oder ich habe ihn verpasst. Die Strecke führt mich übrigens mitten durch den Wald. Und zwischendurch frage ich mich, ob ich eigentlich hier Angst haben müsste, entscheide mich dann aber dagegen: Was soll hier schon passieren? Bevor ich wirklich anfangen kann, mich zu fürchten, bin ich schon wieder im Kurpark. Dort kann ich mich mit dem etwas streng schmeckenden Radon-Quellwasser aus dem Brunnen erfrischen. Was mir besonders gut gefällt, sind die Kraftorte und das Gesundheitswandern: Wer auf der von mir gewählten und anderen Strecken läuft, kommt nämlich automatisch an Hinweisschildern vorbei, die einem anleiten, die Beine auszuschütteln, die Wadenmuskulatur zu dehnen oder im Kreis von Bäumen und Steinen zu meditieren. Mag ich.

Humboldt in Bad Steben

Dann wird in Bad Steben noch einem ganz Großen gedacht. Denn hier hat für vier Jahre Alexander von Humboldt gelebt. Er hat dort eine Bergschule gegründet, nachdem er feststellte, dass die Arbeiter in der Region nicht besonders gebildet waren. Sie gilt heute als die erste Berufsschule Bayerns. Heute gibt es in Bad Steben eine Humboldt-Straße und -Klinik. Im Kurpark steht eine Büste des Naturwissenschaftlers. Und dann gibt es noch das Humboldthaus. Das allerdings ist in Privatbesitz. Wenn die Fassade in naher Zukunft renoviert ist, wird dort also jemand einziehen.

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Übernachten und Essen in Bad Steben

Im Rahmen einer Pressereise hat mich der Veranstalter, Geopark Schieferland -Naturpark Frankenwald in Kooperation mit dem Tourismus Service Center Frankenwald, im Relaxa Hotel untergebracht, das nur wenige Meter vom Kurpark entfernt ist. Das Hotel ist solide mit großen Zimmern und zumindest kleinen Balkonen. Sehr schön ist der Wintergarten am Frühstücksraum mit Blick ins Grüne. Das Frühstück selbst ist typisch für ein Hotel: Wurst, Käse, Müsli, Joghurt. Mir ist im Gedächtnis geblieben, dass es – typisch Bayern – Laugengebäck und fränkische Wurst gab. Außerdem fand ich den Käse schmackhaft.

Tipp: Bucht möglichst ein Zimmer, das nicht über dem Eingang liegt. Dort stehen nämlich die Raucher. Je später der Abend, desto geselliger die Menschen. Außerdem zieht bei geöffnetem Fenster der Zigarettenrauch ins Zimmer. Und am frühen Morgen hört Ihr jedes an- und abfahrende Auto. 

An einem Abend war ich außerdem im Akropolis essen, einem griechischen Restaurant zwischen Relaxa Hotel und Bahnhof. Die Inneneinrichtung ist eher überladen, das Essen bodenständig. Wer auf Bio, vegetarisch, fine dining oder extravagant steht, sollte seine Erwartungen herunterschrauben oder sich ein anderes Lokal suchen.

Bad Steben: An- und Abreise

Bad Steben hat einen Bahnhof. Von Köln fährt man mit dem Zug gut sieben Stunden, mit der BahnCard 50 zahlt man pro Strecke trotzdem über 60 Euro ohne Reservierung. Günstiger mag es gehen, wenn Ihr früh genug einen Sparpreis bucht. Davon rate ich aber ab: Wenn man so oft umsteigen muss, ist es besser, flexibel zu bleiben. Mit dem Sparpeis hat man aber Zugbindung. Ich habe auf dem Hinweg dreimal meine Reiseroute geändert, auf dem Rückweg zweimal. Dazu behalte ich immer etwa 15 Minuten vor einem Zugwechsel über die Bahn-App im Blick, wie pünktlich die Züge sind. Manchmal ist dann eine Alternativstrecke einfach sinnvoller. Auf dem Rückweg kam ich dadurch statt um halb ein Uhr nachts um Viertel nach zehn abends an.

Wenn Ihr einige Tage in Bad Steben bleibt, und dort auf den Wanderwegen unterwegs seid, funktioniert das gut ohne eigenes Auto. Wollt Ihr aber das Umland, also die Ausflugsziele im Geopark Schieferland entdecken, werdet Ihr kaum ohne Auto auskommen. Zu den Sehenswürdigkeiten habe ich einen weiteren Artikel geschrieben. Einen Ort, den Ihr auf keinen Fall verpassen solltet, ist übrigens Mödlareuth. Das Dorf war Jahrzehnte von der innerdeutschen Grenze geteilt. Heute könnt Ihr Euch noch ansehen, wie das damals war. Alternativ könnt Ihr natürlich mit dem Fahrrad anreisen und ausgedehnte Touren unternehmen.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Ich war von Geopark Schieferland -Naturpark Frankenwald in Kooperation mit dem Tourismus Service Center Frankenwald, zu dieser Pressereise eingeladen. Die Agentur hat die Kosten für die Unterkunft und Verpflegung am zweiten und dritten Tag übernommen sowie die Kosten für die Durchführung des Programms. Die Reisekosten, die Verpflegung am ersten Tag und den Eintritt in die Therme habe ich selbst getragen. 

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