Warum ich mich auf der Wewelsburg wie ein Staubkorn fühlte

Burginnenhof
Burginnenhof

Zugegeben, der Name klingt totlangweilig: „Historisches Museum des Hochstifts Paderborn“. Aber alleine das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, ist ein wahres Schmuckstück. Die Wewelsburg in Nordrhein-Westfalen ist nämlich die einzig geschlossene Dreiecksburg in Deutschland, gebaut wurde sie im 17. Jahrhundert. Ihre dicken Mauern und die trutzigen Türme haben viele Geschichten erlebt, und Gleiches gilt für die Ausstellungsgegenstände im zugehörigen Museum: Stiefel, Jacken, dicke Bücher, Schränke – sie alle sind so viel älter als wir es jemals werden können. 300 Jahre, 400 Jahre, was sind das für lange Zeiten. Wie viele Hände mögen diese Gegenstände schon berührt haben? Wie viele Unruhen und Kriege haben sie überdauert? Und: Wie wenig hat sich bei vielen Alltagsgegenständen in dieser langen Zeit verändert: Knöpfe, Hose, Kamm, Bibel – all dies ist einfach wiederzuerkennen, selbst die Schrift in den Büchern kann man mit etwas Anstrengung noch entziffern.

Ich werde keine 300 Jahre alt werden, und von mir wird auch nichts übrig bleiben, was so lange überdauert. Darum fühlte ich mich klein und unbedeutend, als ich aus dem Museum wieder in den sonnigen Burghof trat. Dort stößt man auf eine gelungene Kombination von Vergangenheit und Gegenwart. Denn neben dem Museum ist eine Jugendherberge untergebracht: Fröhliches Lachen, Hüpfen und Springen hallt durch das Haus. Zu den Essenszeiten hört man ein unendlich scheinendes Tapsen auf den vielen Treppenstufen, die nach unten führen, in einen Speisesaal mit gewölbter Decke und doch ganz modernem Essen.

In der Jugendherberge

222 Betten in 46 Zimmern gibt es hier, Schulklassen und Familien sind die Hauptzielgruppe. Aber auch Sportler kommen regelmäßig in die Burg, denn oben im Turm gibt es einen großen Raum mit Schwingboden, auf dem Vereine gerne Judo machen oder tanzen. Chöre gehören ebenso zum Stammpublikum, denn die Burg bietet zwei Musikräume. „Auch Fahrradfahrer übernachten gerne bei uns“, sagt Frank Piontek, Herbergsvater, „denn wir liegen genau am Radfernwanderweg Amsterdam – Prag.“ Willkommen sind natürlich auch Paare, doch unter den gut 13.000 Gästen im Jahr sind sie eher die Minderheit.

In der Jugendherberge

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Und dann gibt es noch eine Gruppe Besucher, die auf der Wewelsburg nicht willkommen ist: Für Anhänger der Nazi-Ideologie ist die Burg nämlich ein Kultort. In der Zeit des Nationalsozialismus sollte dort eine Versammlungsstätte für Gruppenführer in den üblichen größenwahnsinnigen Dimensionen und unter Einbeziehung des Dorfes und seiner Bevölkerung entstehen. Darum baute man auch den durch einen Blitzschlag zerstörten Nordturm wieder auf. Oder besser gesagt: Man ließ ihn aufbauen von Gefangenen aus dem zugehörigen Konzentrationslager. Das alles kann man nachlesen und sich anhand von Zeitdokumenten ansehen, denn im ehemaligen Wachgebäude ist die Erinnerungs- und Gedenkstätte untergebracht.

Nazis sind nicht willkommen

Von dort führt ein Weg durch den Garten zum Nordturm, in dem es noch einen Obergruppenführersaal und eine Gruft gibt. Schilder verdeutlichen den Besuchern, dass man dort nicht fotografieren darf, auch am Eingang wurden wir darauf hingewiesen – und trotzdem ist zeitgleich mit uns ein junger Mann dort, der fast jeden Zentimeter mit dem Handy aufzeichnet. „Anhänger dieser politischen Richtung wollen glücklicherweise selten bei uns übernachten“, sagt Piontek, „und wenn es doch passiert, kann man die Buchung ablehnen“.

Wer sich für das Museum und die Erinnerungsstätte Zeit nimmt, ist während seines Aufenthalts schon gut beschäftigt. Der Eintritt ins Museum ist übrigens sehr günstig, wenn man als Gast in der Jugendherberge übernachtet. Geschichtsinteressierte können außerdem einen Rundgang durch das Dorf machen, vorbei am Mahnmal am ehemaligen KZ-Appellhofplatz und dem NS Dorfgemeindehaus. Wir waren außerdem in Paderborn, und haben dort festgestellt, dass man in der sehr lebendigen Fußgängerzone hervorragend einkaufen kann. Leider hatte das Nixdorf Computermuseum, dass ich mir schon so lange einmal ansehen möchte, wegen Sommerpause geschlossen. Außerdem sind wir nach Büren gefahren, und haben dort einen Ortsrundgang anhand eines Flyers gemacht – vorbei an historischen Bauten und Brunnen.

Wir haben auf Einladung des Deutschen Jugendherbergswerks Westfalen-Lippe in der Wewelsburg übernachtet, gefrühstückt und zu Abend gegessen. Am Vortag haben wir übrigens im Jugendgästehaus in Dortmund übernachtet.

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