Mit dem Mietwagen sechs Tage auf Mallorca

Mit dem Mietwagen unterwegs
Mit dem Mietwagen unterwegs

Vielen Deutschen fällt zu Mallorca noch immer nur der Ballermann und All Inclusive Urlaub ein. Meine Meinung dazu: vergeudete Urlaubszeit. Denn wer nicht aus seinem Hotel herauskommt, oder nur Party feiert und trinkt, der verpasst das Beste auf der Insel: ihre Vielfalt und Schönheit nämlich. Obwohl ich kein Fan von Ferienwohnungen bin, hatten wir eine auf Mallorca, und zwar im äußersten Osten, bei Cala Radjada, in einem kleinen Ort namens Sa Font de Sa Cala. Wer dort untergebracht ist, benötigt auf jeden Fall einen Mietwagen, wenn er die Insel erkunden möchte. Besonders viel gibt es hier nämlich nicht zu sehen: eine kleine Bucht, die an warmen Tagen schnell überlaufen ist, das war’s. Von hier fahren übrigens auch regelmäßig Busse für kleines Geld über die Insel. Allerdings ist man dann leider nicht besonders flexibel.

Logisch, dass man sich mit dem Mietwagen zunächst das nähere Umfeld ansieht: In Capdepera gibt es ein Schloss, das einige zu den Top 10 Sehenswürdigkeiten der Insel zählen. Viel zu sehen gibt es im Schloss selbst allerdings nicht. Aber man hat von hier einen guten Ausblick, und das Zentrum von Capdepera ist mit seinen engen Gassen sehr authentisch im Gegensatz zu den Touristenorten. Cala Radjada ist solch ein Touristenort. Allerdings ist die Uferpromenade ganz nett, und einige moderne Cafés sprechen nicht mehr nur die deutschen Gäste an. Allerdings gibt es hier auch einen Kölner Treff, alles ist zweisprachig, im Supermarkt führt man deutsche Produkte. Liebe Landsleute, mal ganz ehrlich: Das findet Ihr gut? Warum? Wenn im Urlaub alles wie zuhause ist, dann muss ich doch gar nicht erst wegfahren, oder? Ich finde das schrecklich.

  • Bei Cala Radjada ist der östlichste Punkt der Insel, mit dem Mietwagen kann man zum Leuchtturm hinauf fahren und hat auch von dort einen tollen Blick über die zerklüftete Landschaft. Geht man auf den Leuchtturm zu, führt rechts ein Weg über die Felsen auf einen Vorsprung hinunter. Ein kurzer, schöner Spaziergang.
  • Weiter geht unsere Erkundungstour nach Artà. Dort gibt es eine belebte Fußgängerzone, die mir aber zu touristisch ist. Viele Geschäfte bieten Souvenirs, die Restaurants haben höhere Preise als an Orten, in denen weniger Touristen unterwegs sind.
  • Alcudia, weiter im Norden, bietet eine schöne Fußgängerzone sowie eine gut erhaltene Stadtmauer mit einer hübschen Kirche. Ein Abstecher lohnt sich.
  • In Lloret de Vistalegre, im Landesinneren, gibt es die Kulturfinca Son Bauló. Wer den Cami Son Bauló 1 als Adresse ins Navi eingibt, wird über viele kleine Wege geführt, allerdings nicht ganz zum Ziel. Unser Tipp: Meldet das Navi am Cami Son Bauló, man sei am Ziel angekommen, es ist aber keine Finca weit und breit zu sehen, fährt man am besten die Straße entlang, bis man auf eine breite Querstraße kommt. Hier fährt man rechts, links ist der Friedhof, und nach wenigen Metern ist rechts die Einfahrt zum Hotel und Restaurant mit Kulturzentrum und einem tollen Programm. Als wir dort waren, hatte der deutsche Fotograf Arne Machel dort eine Fotoausstellung mit Bildern von Mallorca.
  • Nur noch knapp 20 Kilometer von dort ist dass Santuari de Nostra Senyora de Cura. Dazu muss man zwar lange auf engen Straßen den Berg hinauffahren, dafür hat man von dort einen großartigen Blick über die Insel. Auf dem Rückweg Richtung Capdepera fuhren wir über Felanitx, ein sehr authentischer, kleiner Ort mit lebhaftem Platz im Zentrum. Wer dort nach 19 Uhr ankommt, hat die Chance, gute Tapas für wenig Geld zu essen.

Mit dem Auto in den Westen

Mallorca ist klein genug, um mit dem Auto in einer Woche alle Ecken zu erkunden. Wir haben einen Halbtagsausflug in den Westen gemacht. Geplant war er als Ganztagsausflug, aber es kam anders: Zum Sanctuari de Lluc, einem Kloster in im Transmontana Gebirge, fährt man eine gute Stunde, wenn man aus dem Osten kommt. Rund um das Gebirge gibt es viele Wanderwege. Aber wie so oft war der Einstieg nicht einfach: Der Müller Wanderführer (Werbelink zu Amazon) sagte uns, man müsse vom Klostervorplatz durch den Botanischen Garten und am Fußballfeld vorbei. Schon alleine hier kommt es zu Missverständnissen: Der Klostervorplatz ist nämlich genau vorm Klostergebäude, das heißt, man muss die Anlage schon betreten. Ein Eintrittsticket braucht man dafür nicht. Von dort gibt es Schilder Richtung Botanischen Garten, doch den lässt man links liegen. Den ersten Fußballplatz, den man sehen könnte, wenn man sich an die Beschilderung zum Botanischen Garten hält, gehört zu einer Schule und ist nicht der richtige. Erst einige Meter weiter geradeaus steht dann eine Tafel mit Wanderwegen. Geht man hier links, kommt man auf den besagten Fußballplatz und hinten links in der Ecke zu weiterführenden Informationen.

Unsere Wander-App Mallorca Kompass (Werbelink zu Apple) nannte uns hier eine Elf-Kilometerrunde, zu lang an einem Regentag. Der Wanderführer kannte eine kürzere Route, die jedoch auf dem Wanderschild so nicht eingetragen war. Zusätzlich war die Wegbeschreibung zu Beginn so vage, dass wir ihr für den Rest nicht vertrauten. Wir folgen darum Route 4 auf der Wanderwegtafel, sie ist pink eingezeichnet, führt zunächst eher willkürlich über einen Felsen nach oben. Irgendwann erreicht man gut geh- und sichtbare Wege, die sich durch die Felsenwand schlängeln. Außer uns waren hier nur Olivenbäume und Steine. Dann erreichen wir eine Straße, und für die Route 4 endet die Wegbeschreibung. Wir gingen auf gut Glück nach rechts, denn dort sollte das Kloster sein. Nach einigen Metern wies links ein Schild die längeren Strecken aus, etwas weiter sind rechts Wege ausgeschildert, aber Nummer 4 gibt es hier nicht mehr. Wir folgten einem Schild zum Kloster durch ein knarzendes Holzgitter. Schilder gab es dann keine mehr. Dank unserer Wander-App konnten wir uns aber orten und sehen, in welche Richtung wir weiter gehen mussten.

Etwa eine Stunde fuhren wir danach durchs Gebirge auf teilweise abenteuerlichen Serpentinen bis nach Deia. Die Häuser kleben hier wie Vogelnester am Berg, es sieht sehr hübsch aus. Das fanden außer uns auch andere Touristen, denn Deia war so voll, dass wir keinen Parkplatz fanden. Also fuhren wir weiter nach Valldemossa – und erlebten dort das Gleiche: hübsches Örtchen, völlig überlaufen, keine Parkplätze.

Unser Tipp darum: Früh am Morgen oder spät am Abend nach Deia und Valldemossa fahren, am besten, wenn die Sonne richtig vom Himmel knallt, denn dann sind hoffentlich viele andere am Strand.

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