Wandern auf Jersey

Wanderung im Norden von Jersey

Wer auf der größten der Kanalinseln zwischen Frankreich und England nicht wandern geht, der verpasst das Beste. Denn die Landschaft ist außerhalb der Inselhauptstadt St. Helier bezaubernd: grün, blühend, zerklüftet – je nachdem, wo man unterwegs ist. Wir haben in einer Woche zwei kürzere und zwei längere Wanderungen gemacht, im Prinzip sind wir einmal in jeder Himmelsrichtung unterwegs gewesen. Die Wanderungen kann eigentlich jeder machen, wobei die beiden längeren schon anstrengend sind. 

Zwei kürzere Wanderungen auf Jersey im Südosten und im Südwesten

Wer sich möglichst wenig anstrengen möchte beim Wandern, der wählt zwei kürzere Wanderungen. Beide sind im Süden, eine ist im Osten bei Gorey, eine im Westen bei St. Aubin. Beide Wanderungen sind überwiegend flach und einfach zu gehen. Sie haben jeweils eine Länge von etwa sieben Kilometern.

Im Osten von Jersey: Von Gorey nach La Rocque

Von St. Helier kommt man recht einfach mit dem Bus nach Gorey. Dort sollte man nicht sofort loswandern, denn der kleine Fischerort hat zweieinhalb Highlights, die man nicht verpassen sollte. Das eine ist unübersehbar: Mont Orgueil heißt die Burg, die über dem Ort thront. Es lohnt sich, für ein Pfund ein Infoblatt am Eingang zu kaufen, denn die Burg ist ziemlich labyrinthisch. Den Hexenkeller beispielsweise hätten wir ohne diesen Flyer sicher nicht gefunden. Vom Ort kommend geht man hinter dem Café Louise den Berg nach oben. Wer dort nicht direkt rechts auf die Burg zusteuert, kann die halbe Sehenswürdigkeit noch mitnehmen. Dazu geht man eher nach links, überquert die Straße und geht weiter den sehr steilen Berg nach oben. Dort überquert man nochmals die Straße, geht ein Stück geradeaus, dann rechts und gleich wieder links, bis links ein Pfeil in einen Weg zum Dolmen de Faldouet weist. Das ist eine Megalithanlage, die einige Jahrtausende vor Christus aufgestellt wurde. Um ehrlich zu sein: Eigentlich sind es nur einige Steine. Darum finde ich, dass es auch nur eine halbe Sehenswürdigkeit ist. Aber wenn man sich vorstellt, dass damals schon Menschen hier lebten, und dass diese Steine schon soviel erlebt haben, ist es eben doch beeindruckend.

In Gorey Hummer essen

Hummer-Lunch
Hummer-Lunch

Zurück auf der Straße geht man einfach geradeaus den Berg hinunter. Dort hat man einen schönen Blick auf die Küste und geht in großem Bogen zur Burg zurück. Nach der Burgbesichtigung wieder unten im Ort, sollte man sich nicht den Hummer-Lunch entgehen lassen. Er wird von mehreren Restaurants in verschiedenen Varianten angeboten. In unserem Reisepaket, das wir über Secret Escapes bei Maris Reisen gebucht hatten, war ein Lunch im Dolphin Restaurant dabei. Ich war überrascht, wie viel Hummerfleisch sich noch unter dem dicken Panzer in den Armen versteckt. Für mich war es das erste Mal, dass ich ihn mit einer Hummerzange geknackt habe – und das war gar nicht so einfach. Hat sich aber gelohnt.

So gestärkt beginnt nun die eigentliche Wanderung: Man geht immer an der Küste entlang weiter gen Süden. Bei Ebbe geht das auf dem Strand, der erstaunlich hart ist. An manchen Stellen mussten wir auf die Mauer ausweichen –  so kamen wir an den Rand eines Golfplatzes. Wem das komisch vorkommt: Einfach immer weiter gehen. Irgendwann führt eine Rampe vom Strand in den Ort. Dort kommt man an einem Pub mit dem Namen Seymour Inn an. Und hier fährt auch der Bus zurück nach St. Helier.

Strandwandern

Tipp: Auf dieser Strecke gibt es keinen Schatten. Sonnenschutz ist also Pflicht

Im Osten von Jersey: Gorey

Im Westen von Jersey: Von St. Aubin nach La Corbière

St. Aubin ist von St. Helier getrennt durch die langgezogene Bucht. Auch hierhin kommt man sehr leicht mit dem Bus. Der Weg nach La Corbière ist mit einem Holzschild ausgewiesen. Eigentlich geht man nach der Bushaltestelle aber nur rechts und sofort schräg links auf den Fahrradverleih zu. Tatsächlich könnte man die Strecke auf diesem Weg sehr gut mit dem Fahrrad zurücklegen, man muss nur ab und zu eine Straße überqueren. Wir sind sie allerdings zu Fuß gegangen, weil wir zurück mit dem Bus fahren wollten. Außerdem wussten wir zu Beginn natürlich nicht, dass diese Strecke angenehmer zu fahren ist, als die vielen engen Straßen auf der Insel vermuten lassen. Wer die Kilometer bis zum Leuchtturm zu Fuß geht, wird sich vielleicht sogar langweilen, denn sie sind nicht besonders spektakulär. Sie führen unter einem Blätterdach durch einen Wald, im Prinzip bis man die Küste erreicht. An einer Kreuzung gibt es einen Umweg zur Lavendel-Farm. Der Eintritt dort kostet Geld. Es muss also jeder selbst wissen, ob es ihm das wert ist. Denn tatsächlich sieht man dort nicht sehr viel mehr als Lavendelfelder und die Destillerie. In das Café und in den Shop kann man natürlich auch ohne Eintritt zu bezahlen. Kurz vor dem Leuchtturm gibt es übrigens einen der vielen Jersey Ice Cream Verkaufsstände. Ich finde, jede Sorte, die ich gegessen habe, war ihr Geld wert. Zum Leuchtturm kann man bei Ebbe zu Fuß gehen. Es gibt am Ziel nicht viel zu sehen, aber es ist einfach ein witziges Gefühl, quasi auf dem Meeresgrund zu laufen. Außerdem hat man von dort natürlich einen anderen Blick auf die Insel.

Jersey: zwei längere Wanderungen

Die beiden längeren Wanderungen führen zumindest teilweise über die Klippen. Ich habe mich dort nie unwohl gefühlt, aber das stetige Auf und Ab ist anstrengend. Besonders auf der Route im Norden gibt es außerdem viele Stufen, die die steilsten Stücke gehbarer machen. Beide Strecken sind ungefähr zwölf Kilometer lang.

Im Norden von Jersey von der Bonne Nuit Bay nach Rozel Bay wandern

Wer den Beschreibungen zum Wanderweg aus dem Buch “Reise Know How Insel Trip Kanalinsel Jersey” folgt, wird ihn nicht finden. Möglicherweise wurde die Bushaltestelle verlegt, seit das Buch geschrieben wurde, eventuell hat es auch andere Gründe. Fakt ist auf jeden Fall: Wenn Ihr aus dem Bus gestiegen seid, müsst Ihr, anders als im Buch beschrieben, in Fahrtrichtung weitergehen. Dann führt eine Straße bald nach links weg, dieser folgt ihr. Bei der Festungsruine beginnt dann der eigentliche, sehr schmale Wanderweg. Zauberhafterweise geht man stellenweise durch brusthohes Farn. Es ist ein bisschen wie im Märchen.

Man hat an mehreren Gabelungen die Möglichkeit, den oberen oder den unteren Weg zu wählen. Wir haben uns immer für den unteren entschieden. In Bouley Bay hat man das längste Stück hinter sich. Hier gibt es eine einfache Bude am Wasser, in der man ein kühles Getränk, Pommes oder Eis bekommen kann. Danach geht der Weg weiter Richtung Rozel Bay. Jetzt hat man das steilste Stück noch vor sich, aber wenn man hier oben ankommt, geht es fast eben weiter bis in den kleinen Ort. Um zur Bushaltestelle zu gelangen, geht man im Prinzip einfach geradeaus weiter. Dann ist sie hinter einer scharfen Linkskurve. Alternativ kann man beispielsweise im Rozel Bay Tea Room noch Scones oder ein Eis essen. Für mich war das die schönste, aber auch die anstrengendste Wanderung. Achtung, auch hier knallt die Sonne!

Von Nord nach Süd: Einmal entlang der Küste

Wer mit dem Bus bis zur Plemont Bay fährt, hat eine sehr lange Wanderung vor sich, die aber auch ziemlich abwechslungsreich ist. Um auf den Wanderweg zu kommen, folgt man dem schmalen Pfad von der Bushaltestelle zunächst nach unten. Dann ist man auf der Straße, die zum Strand führt. Auf ihrer anderen Seite beginnt der eigentliche Wanderweg, der zuerst bis zur Ruine von Grosnez Castle geht. Von hier hat man einen tollen Blick über die Küste. Jetzt gibt es mehrere Wege, die über die nächste Klippe führen, vorbei am ehemaligen Wachturm, den die Deutschen im zweiten Weltkrieg dort gebaut hatten.

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Sieht frisch aus
Sieht frisch aus

Das nächste Ziel ist eine Kanone, die ebenfalls die Deutschen dort aufgestellt hatten. Ich glaube, dass wir kurz vorher vom im Reiseführer beschriebenen Weg abgekommen sind: Vermutlich führte der richtige Weg zwischen Kanone und Wasser entlang. Wir sind aber zwischen Kanone und Landesinneren angekommen, und zwar über einen Parkplatz. Das war blöd, weil wir so den Weg in den kleinen Ort L’Etacq verpassten, und auf der Straße gegangen sind. Sie führt jedoch auch in den Ort. Dort gibt es Faulkner’s Fisheries, das sich für einen kurzen Rast anbietet. Ob der dort verkaufte Fisch, die Muscheln und Krabben aber aus dem Meer vor der Haustür kommen, bezweifle ich.

Nach diesem Stopp geht die Wanderung bei Ebbe immer über den harten Sandstrand Richtung Leuchtturm La Corbière, also Süden. Das mag eintönig klingen, wir haben aber die Weite genossen. An einer Stelle kam uns das Wasser in die Quere, dann sind wir auf einer Rampe nach oben, und ein Stück über einen betonierten Weg gegangen. Im Prinzip geht man so weit, bis man nicht weiterkommt. Dort führen Treppen und eine weitere Rampe in den kleinen Ort hinein. Und dort fährt auch ein Bus. Wer nach diesem Schlenker weiter über die Klippen geht, kommt automatisch zum Leuchtturm. Das zieht sich allerdings noch ein gutes Stück.

Wie viel CO2 wird bei einem Flug nach Jersey freigesetzt?

Kompensation über Atmosfair für zwei Personen = 20 Euro.

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