Vergesst Reiseführer!

Screenshot Hongkong App
Screenshot Hongkong App

Gehört ihr zu denen, die sich vor dem Urlaub nicht für einen Reiseführer entscheiden können, und darum lieber zwei oder drei kaufen? Die viel Geld für dicke Bücher bezahlen – und nach dem Urlaub feststellen, dass Sie nicht einmal hineingeschaut haben? Dann könnten Euch Apps von Tourismus-Behörden gefallen.

Mir passiert das unterwegs ständig: Im Reiseführer wird ein Restaurant gelobt – doch wenn ich an die angegebene Adresse komme, existiert es nicht mehr. Zuletzt in China war es besonders schlimm: Eine Straße, die ein gedruckter Reiseführer im Rahmen eines vorgeschlagenen Spaziergangs nannte, gab es einfach nicht. Bei einem anderen Spaziergang stimmte die genannte Entfernung überhaupt. Und auch das Ticket-Büro der Bahn war nicht da, wo es laut Reiseführer sein sollte. Ärgerlich – und irgendwie auch nervig. Man vergeudet wertvolle Urlaubszeit damit, Ziele zu finden, die vielleicht nie da waren, vielleicht ihren Ort verlegt haben.

Hinzu kommt: Wer mit einem dicken Reiseführer unter dem Arm durch den Urlaubsort läuft, bekommt nicht nur irgendwann muskuläre Verspannungen. Er ist auch von weitem schon als Tourist zu erkennen. Taschendiebe beispielsweise mögen Touristen besonders gerne. Schließlich sind sie oft leichte Opfer.

Wo Apps Reiseführer ersetzen

Die Technik macht es erfreulicherweise möglich, auch dicke Bücher aufs Tablet oder aufs Smartphone zu laden. Ein Handy hat heutzutage jeder in der Hand, so fällt es kaum auf, wenn man am Straßenrand stehen bleibt und sich mit einem Blick auf den Bildschirm orientiert. Allerdings unterscheiden sich die digitalen Reiseführer der Verlage oft kaum von den Printausgaben, ist meine Erfahrung. Sie sind also häufig nicht unbedingt aktueller.

Sehr spannend finde ich darum, was die offiziellen Tourismusbehörden von Ländern, Regionen und Orten an immer aktuellem, digitalem Material anbieten. Hier einige Beispiele:

  • Die Stadt Köln beispielsweise bietet Apps für Rundgänge durch den Dom und den Zoo an.
  • Auf der Tourismusseite von Ibiza kann man unter anderem Wanderrouten herunterladen.
  • Die Schweizer Tourismusbehörde bietet zum Beispiel für Genf einen Plan für ein perfektes Wochenende sowie eine App mit einem Stadtplan, den man offline nutzen kann. Der Stadtplan hat uns gute Dienste erwiesen.
  • Für Hongkong gibt es nicht nur Apps, die zu verschiedenen Themen durch die Stadt führen, es gibt auch eine spezielle Touristen-SIM-Karte, die besonders günstig ist. Wir haben in Hongkong ziemlich schnell den Reiseführer im Hotel gelassen und unser Programm mithilfe der Apps gestaltet.

Die Touristen-SIM-Karte für Hang Kong, kann man für fünf oder acht Tage kaufen kann. Sie kostet unter zehn Euro und ermöglicht es, das Smartphone unterwegs wie Zuhause zu nutzen. Das ist besonders praktisch, wenn man sich mit Google Maps oder Apples Karten orientieren will. Der einzige Haken an der Karte: Man soll sie zwar in sehr vielen Supermärkten kaufen können. Wir haben unser Glück bei drei verschiedenen Stellen versucht, und immer andere Karten angeboten bekommen. Darum sind wir direkt zu einem Büro des Hong Kong Tourism Board gegangen – und dort bekamen wir die SIM-Karte problemlos.

Tolles Angebot in Hong Kong

Tourismus-Informationszentren gibt es in Hongkong an mehreren Knotenpunkten in der Stadt, beispielsweise im Star Ferry Gebäude. Bei unserem Besuch war der Mitarbeiter dort ausgesprochen hilfsbereit und hat uns mit einer Fülle von Informationen eingedeckt. Mein Tipp ist darum: Wer nach Hongkong fliegen möchte, sollte sich zuerst auf der Seite der Tourismusbehörde umsehen oder eventuell vor Ort direkt dort vorbeigehen. Von der deutschen Seite gelangt man zu den Apps und eBooks auf der englischen Seite.

Die SIM-Karte ist übrigens auch praktisch, um die Apps zu nutzen, die das Hong Kong Tourism Board kostenlos anbietet: Stadtspaziergänge, Informationen zu den Inseln oder zu Heritage Trails gibt es hier. Einige Apps haben sogar eine Augmented Reality Funktion, mit der man sein Umfeld nach Restaurants und ähnlichem absuchen kann. Außerdem gibt es Wegbeschreibungen und Informationen zu den Sehenswürdigkeiten. Noch mehr Informationen bietet die Tourismusbehörde in den eBooks, die man sich kostenlos herunterladen und auf den mobilen Geräten jederzeit bei sich haben kann.

Interessant sind auch digitale Anwendungen zu Museumsausstellungen – beispielsweise von der Frankfurter Schirn für Mirós Bilder. Allerdings ist leider nicht alles gut, was Besuchern angeboten wird, wie das Beispiel aus dem Prager Apple-Museum zeigt.

Frankreich digital

Für meinen Kunden Wirtschaftszeitung AKTIV habe ich außerdem die Digital-Angebote der 28 EU-Länder und ihrer Hauptstädte zusammengetragen. Dabei hat sich herausgestellt, dass es für Frankreich sehr viel mehr Angebote gibt, als in einen Artikel passen. Ich habe darum die Rechercheergebnisse hier alphabetisch zusammengefasst. Allerdings sind nicht alle Angebote auf Deutsch beziehungsweise Englisch verfügbar:

Auvergne: Die Vulkane der Region kann man mit einer App entdecken.

Chambord: Wer dort das Schloss besucht, kann mit dem so genannten HistoPad eine digitale Zeitreise antreten.

Chateau de Létoing: Das Schloss in der Region Pays de Blesle kann man mit einer App besichtigen.

Côte d´Azur: Nizza, Cannes, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen – für die Côte d´Azur gibt es gleich eine ganze Hand voll praktischer Apps.

Les Alpes de Haute-Provence: Mit der App lassen sich Natur, Kultur und touristische Ziele gleichermaßen entdecken.

Loire: Für den Loire-Radweg gibt es eine eigene App, die dabei hilft, die Orientierung zu behalten und unterwegs keine wichtigen Sehenswürdigkeiten zu verpassen. Außerdem lassen sich spielerisch digitale Trophäen sammeln.

Lothringen: Verschiedene Städte in Lothringen bieten Apps, mit denen man Sehenswürdigkeiten, Restaurants oder Hotels entdecken kann.

Maringues: Die Gemeinde kann man mithilfe von QR-Codes erkunden.

Midi-Pyrénées: Lourdes, das Millau Viadukt oder der Jakobsweg – eine ganze reihe von Apps gibt es für die Region Midi-Pyrénées.

Nizza: Für Nizza gibt es beispielsweise Apps für den öffentlichen Personennahverkehr, aber auch für das Marc Chagall Museum.

Nord-Pas de Calais: Je nach Zeit und Interesse kann man sich mithilfe der App eine individuelle Route anzeigen lassen.

Provence-Alpes-Cote d’Azur: Ob legendäre Kinofilme, große Künstler oder wichtige Sehenswürdigkeiten. Es gibt für alles eine App.

Provence: Wer die Provence besucht, bekommt mit den Apps hilfreiche Tipps beispielsweise für Touren und Restaurants. Die Provence Gallery App hilft dabei, die Landschaften zu finden, die große Maler wie Matisse oder Van Gogh in ihren Bildern festgehalten haben. Die App gibt es für Android oder iOS.

Das Bambooblog Hamburg sammelt übrigens im Rahmen einer Blogparade Stimmen pro und kontra Reiseführer. Falls ihr also noch unentschieden seid, könnt ihr dort noch mehr Argumente finden.

10 Gedanken zu „Vergesst Reiseführer!

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