Ein Regentag in Genf

Vereinte Nationen in Genf
Vereinte Nationen in Genf

Der erste Eindruck von Genf: Wo bin ich denn da gelandet? Irgendwie will das alles nicht zusammenpassen. Der kleine Flieger auf dem Rollfeld, man steigt aus, darf zu Fuß ins Gebäude gehen. Dann im Flughafen: Werbung von Luxusuhren, Luxusautos und für private Vermögensverwaltung. Schließlich der Bahnhof, der zu klein wirkt und etwas abgelebt, die ersten Schritte in einer verwinkelten Stadt mit schmutzigen Markisen und klobigen Neonschildern aus dem letzten Jahrhundert über den Ladenlokalen. Dazu kommt ein fieser Regen von allen Seiten – und ich habe drei ganze Tage in der Stadt am Genfer See, Nähe der französischen Grenze.

Tatsächlich ist Genf entzückend, wenn man die Altstadt erreicht hat. Und auch für Regentage gibt es ein spannendes Programm. Angefangen mit dem CERN, der Europäischen Organisation für Kernforschung, die auch an der Entstehung des Internets beteiligt war. Sie liegt ein wenig außerhalb, und an einem schönen Tag lohnt sich die Anfahrt mit der Straßenbahn nicht, finde ich. Bei Regen schon: in einer großen Kugel stehen viele Kleine Kugeln, deren Oberfläche Touchscreens sind. Wer auf die dort gezeigten Module klickt, bekommt jede Menge Informationen darüber, was genau in dieser Organisation gemacht wird. Da es im CERN-Museum ziemlich voll ist, ist es aber nicht einfach, an einen solchen Kugel-Monitor heran zu kommen. Man könnte auch das CERN selbst besichtigen. Dazu muss man sich aber lange im Voraus anmelden.

Gegen Mittag hat sich das Wetter in Genf verschlechtert, also auf zum Museum des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds. Dort bekommt man einen Audioguide und kann danach auf eigene Faust die Räumlichkeiten erkunden. Ich hatte mit verstaubten Ausstellungsstücken gerechnet und bin hoch erfreut, dass ich damit daneben lag. Das Museum versteht es prima, die Besucher mit Audioguide einzubeziehen und ich verbringe eine spannende Stunde dort.

Noch immer regnet es, darum fahre ich direkt ins nächste Museum, das Patek Philippe Museum, in dem es um die Geschichte der Uhr geht. Tausende von Exemplaren sind hier zu sehen, in Kreuz- und Fischform, als Totenkopf oder als bunt bemalte Taschenuhr. Es gibt Fingeruhren und Zifferblätter in Pistolen, Taschenmessern oder goldenen Vogelkäfigen. Manche Uhren drehen sich an C-förmigen Haken um sich selbst, so dass man sie von allen Seiten bewundern kann. Andere sind unter Vergrößerungsglas und lassen so den detaillierten Blick in Ihr Innenleben zu. Nach zweieinhalb Stockwerken ist man schließlich bei den Armbanduhren angelangt und bekommt dann noch Einblick in die Werkstatt von Uhrmachern. Dieses Museum ist sicher nicht jedermanns Sache.

Ganz in der Nähe ist das letzte Museum für heute: Das Espace Rousseau, gewidmet dem großen Philosophen, der in Genf geboren wurde. Auch hier bekommt der Besucher einen Audioguide und kann an sechs Stationen in das Leben Jean-Jacques eintauchen: Wie wurde er zum Star seiner Zeit? Und warum starb er trotzdem vereinsamt? Mit dem Besuch von Rousseaus Geburtshaus ist man übrigens in der Altstadt Genfs angekommen, und erfreulicherweise hat bei meinem Besuch jetzt der Regen aufgehört. Was darum folgt, ist ein Bummel durch die engen Gassen mit Kopfsteinpflaster, ein Blick in die kleinen Lädchen – und natürlich die Suche nach einem Restaurant, in dem es Käsefondue gibt. Wie sonst sollte man einen Abend in der Schweiz besser beenden?

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