Köln: Genuss und Kultur in Zeiten von Corona

Abstand halten in Zeiten von Corona

Es gibt solche und solche. So war das schon immer, und so ist es eben auch jetzt: Restaurants, Cafés und Bars, aber auch Museen dürfen wieder öffnen – müssen allerdings strenge Hygienemaßnahmen beachten. Die Umsetzung dieser Regeln nehmen die Gastronomen unterschiedlich ernst. So hatte ich mich beispielsweise sehr auf meinen ersten Restaurantbesuch nach der langen Pause gefreut. Wir hatten das Lokal mit viel Bedacht ausgesucht: Es ist sehr groß, die Inhaber machten auf uns bisher einen ernsthaften und vertrauenswürdigen Eindruck. Doch am Eingang stand kein Desinfektionsmittel für die Hände, mein Mann hat auch auf der Herrentoilette keines gefunden, die beiden Gasträume waren nicht gut belüftet. Was an frischer Luft durch die geöffnete Restauranttür kam, hat uns um die Ecke in Raum 2 nicht erreicht. Dass die großen, leeren Tische das Restaurant nicht gerade gemütlicher machten, ist ein anderes Thema.

Aber auch vor einigen Cafés in Ehrenfeld sieht man Tische so nah zusammenstehen, dass man kein Metermaß braucht, um zu wissen, dass der Abstand geringer als 1,50 Meter ist. Anderswo tragen die Inhaber oder das Servicepersonal keinen Mundschutz. Vor einer dritten Kneipe standen fünf Männer eng zusammen. Ob sie Arbeitskollegen waren oder in zwei Haushalten leben – ich bezweifle es einfach mal. Zum Glück gibt es aber auch Gastronomen, die die Hygieneregeln ernst nehmen. Nicht einfach, weil es Vorschriften sind, sondern weil sie das Problem verstanden haben: Zuviel Nähe und zu wenig Hygiene lässt die Zahl der Infizierten steigen, im schlimmsten Fall so weit, dass irgendwann eben doch noch das Gesundheitssystem kollabiert. Denn nur, weil wir bisher gut durch diese Zeit gekommen sind, heißt das noch lange nicht, dass es so bleiben wird. Das Virus ist noch da.

In Zeiten von Corona in der Kölner Ginbar The Bär

Hygienevorschriften beachtet

Marcos und Judith von der Kölner Ginbar The Bär ticken diesbezüglich erfreulich ähnlich wie ich. Darum hatte ich auch überhaupt keine Bedenken, sofort wieder bei ihnen einzukehren, nachdem sie öffnen durften. Ich wusste, dass sie Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen würden. Und so wurden wir an der Tür nicht wie früher mit einer herzlichen Umarmung, sondern einer Portion Desinfektionsmittel für die Hände empfangen. Natürlich tragen beide einen Mund-Nasen-Schutz, und auch die Gäste müssen ihn aufsetzen, wenn sie vom zugewiesenen Tisch weggehen – zum Rauchen oder auf die Toilette beispielsweise.

Im Gastraum sind einige Tische und Stühle mit rot-weißem Absperrband gekennzeichnet – dort darf man eben nicht sitzen. Außerdem ist der Laufweg ausgewiesen, an der Toilette hängt ein Schild mit Regeln, einige mehr stehen auch auf jedem Tisch. Natürlich werden auch die Kontaktdaten der Gäste abgefragt – und ich hoffe, nicht irgendwann einen Anruf zu bekommen, dass ich mit jemandem zeitgleich dort war, der positiv getestet wurde. Damit Judith und Marcos nicht ständig durch den Raum laufen müssen, gibt es außerdem eine Gin-Klingel: Drückt der Gast sie, kommt Judith angedüst. Bezahlt wird ausschließlich am Tisch – und gut ist.

Mein Fazit: Trotz aller notwendigen Regeln hatten wir im The Bär einen schönen Abend. Fast so wie immer.

Corona-Hygieneregeln: Jeder Jeck es anders

Ich werde die Cafés, Bars und Restaurants, die die Hygieneregeln nicht ausreichend umsetzen, nicht namentlich nennen. Aber ich werde sie auch nicht weiter unterstützen. Weder finanziell – ich kehre dort einfach nicht mehr ein. Und dadurch auch nicht mehr kommunikativ. Denn wo ich nicht bin, kann ich keine Fotos machen, die ich später irgendwo posten könnte. Vermutlich wird das diese Gastronomen gar nicht so sehr treffen, denn sie sind, wie ich immer wieder aus dem Augenwinkel feststelle, erstaunlich voll. Aber auch hier gilt: Jeder Jeck es anders. Wer es gut findet, dass die Corona-Hygieneregeln nicht ausreichend berücksichtigt werden, wer damit leben kann, dass das eigene Verhalten im Zweifel nicht nur einem selbst, sondern der Gemeinschaft schadet, der wird dort weiterhin einkehren. Es gibt eben solche und solche.

Wo ich mich in Zeiten von Corona in Köln wohlfühle

  • Im Frittenwerk in der Nähe des Friesenplatzes trugen die Mitarbeiter bei meinem Besuch konsequent Mund-Nasen-Schutz. Es gibt draußen kleine Tische in ausreichendem Abstand. Wir mussten unsere Kontaktdaten angeben.
  • Die Bar Zwei hat neuerdings schon mittags geöffnet und auf dem Bürgersteig kleine Tische stehen. Der junge Mann an der Theke setzte seinen Gesichtsschutz auf, bevor er unsere Drinks anrichtete. Unsere Kontaktdaten wurden aufgeschrieben. Übrigens gibt es dort neuerdings auch Kaffee und Kuchen.
  • Das Deutsche Sport- und Olympiamuseum im Rheinauhafen hat ein kleines Café. Am Eingang steht Desinfektionsmittel, man wird zum Tisch gebracht, die Service-Leute tragen Mund-Nasen-Schutz. Alles gut.
  • Im Kölnischen Stadtmuseum läuft noch bis September die Ausstellung zu 50 Johr Bläck Fööss. Die Monitore und Kopfhörer an den Multimediastationen wurden direkt nach unserem Besuch desinfiziert.

Dieser Text von Mitte Mai 2020 wurde wenige Tage nach der ersten Veröffentlichung aktualisiert.

Auf der folgenden Seite lest Ihr einen Kommentar von Judith von The Bär. Sie hat ihn mir per E-Mail geschickt.

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