The Bär: Ehrenfelds Ginbar hat mehr als 200 Gins im Angebot

Gin-Garten im The Bär

Wenn weiße Kunststofflatten und eine künstliche Blumenranke eine parkplatzgroße Fläche einzäunen, davor und dahinter Autos und Fahrräder eine großstädtische Dekoration liefern, und auf der anderen Straßenseite ein Bauschrottcontainer mit Baustellenzäunen steht, dann bist du in Ehrenfeld. Genauer: in der Thebäerstraße in Köln-Ehrenfeld. Dort gibt es schon seit 2016 The Bär, die Ginbar von Marcos Rivas. Marcos lebt seit 13 Jahren in Köln, gebürtig ist er aus Buenos Aires, Argentinien.

Kein Whiskey, kein Rum – einfach nur Gin in der Bar in Ehrenfeld

The Bär hat im Sommer die Terrassentüren zur Straße geöffnet. Wer zuerst kommt, kann dort in den Liegestühlen fläzen. Nach hinten ist der Thekenraum schmal, allerdings schließt sich noch ein Kneipenraum an mit Tischen, Stühlen und einem gemütlichen Sofa. Auf den ersten Blick eine Kneipe wie viele andere in Ehrenfeld. Und doch gibt es einen Unterschied: „Wir servieren ausschließlich Gin“, sagt Marcos. Etwa 220 verschiedene Sorten gibt es im The Bär, 400 oder 500 sind Marcos Ziel. Und, ganz wichtig, im The Baer gibt’s den one and only Ehrenfeld Mule: „Du kannst nicht sagen, dass du in Ehrenfeld warst, bevor du ihn nicht getrunken hast.“

Nach welchen Kriterien kaufst du Gins ein?

Das kann ich gar nicht so genau sagen. Manche lasse ich mir empfehlen. Manchmal finde ich die Zutaten interessant. Vielleicht gefällt mir auch nur die Flasche oder das Etikett. Ich kaufe also ein, was mir irgendwie gefällt.

Hast du Lieblingsgins?

Mehrere. Im Moment mag ich besonders gerne den Napure Rye aus Finnland. Er wurde vor einigen Jahren zum besten Gin der Welt gewählt – zurecht, finde ich. Außerdem bin ich gerade sehr begeistert von einem argentinischen Gin, Fuerza Goucha. Ich bin stolz, dass wir eine der ersten Bars weltweit sind, die diesen Gin anbieten können. Er schmeckt nach argentinischen Kräutern, etwas nach Minze, nach Mate, nicht nach Wacholder.

Welcher deiner Gins ist besonders ungewöhnlich?

Wir haben einige aus den 1960er Jahren, sie sind also sehr alt – und sie stehen nicht auf der Karte. Außerdem haben wir einen Monkey 47 Distillers Cut. Diesen Gin gibt es nur in limitierter Abfüllung. Es gehört großes Glück dazu, eine Flasche zu bekommen. Der Preis für einen halben Liter steigt schnell auf bis zu 200 Euro.

Gin-Tasting im The Bär

Fingerfood im The Bär

An jedem dritten Samstag im Monat gibt es ein Gin-Tasting mit bis zu 16 Leuten. Dabei werden fünf verschiedene Gins probiert, also jeweils 2 cl. Außerdem sind Wasser und Fingerfood im Preis enthalten. Das Tasting dauert zweieinhalb Stunden, und Marcos erzählt einiges zur Geschichte des Gins und der vorgestellten Gins. Zum Abschluss bekommt jeder Teilnehmer einen Gin Tonic. Preis: 49 Euro pro Person.

Wie trinkst du Gin?

Ich trinke grundsätzlich eher wenig. Das ist als Barbesitzer auch sinnvoll. Früher habe ich gerne Gin Tonic getrunken, aber irgendwann kommt einem Tonic-Geschmack auch zu den Ohren raus. Cocktails kann man auch nicht immer trinken. Am liebsten trinke ich Gin pur auf Eis. Oder vielleicht als Negroni, also mit Martini oder Campari – gerne mit einem Schuss Olivensaft, damit er nicht ganz so trocken ist.

Warum eigentlich Gin? Warum nicht Whiskey, Wodka oder Rum?

Whiskey mag ich nicht. Wie soll ich etwas verkaufen, das ich nicht mag? Wodka finde ich langweilig. Wodka ist nur ein Geschmacksträger. Als Wodka vor 15 Jahren angesagt war, kam niemand auf die Idee, eine Wodkabar aufzumachen, und das mit gutem Grund. Eine Rumbar kann ich mir vorstellen. Aber es ist eben Gin geworden.

Und was, wenn der Gin-Trend irgendwann vorbei ist?

Marcos hinter der Theke

Du meinst, es wird dann in einer Millionenstadt überhaupt niemand mehr Gin trinken? Keiner? Glaube ich nicht. Darum mache ich mir keine Gedanken. Wir haben ja auch keine Konkurrenz. Es gibt zwar viele Bars und Kneipen in Köln, und speziell natürlich in Ehrenfeld. Aber keine mit unserem Angebot. Trotzdem glaube ich, dass viele kleine Destillerien schließen werden müssen, wenn der Gin-Trend irgendwann wieder abflaut.

Ihr habt ja auch home infused Gin. Was muss man sich darunter vorstellen?

Ja, wie haben ungefähr 14 Gins, in die wir Botanicals gegeben haben, um einen eigenen Geschmack zu kreieren. Dazu habe ich viel experimentiert. Es ist nicht so einfach, wie es klingt, denn manche Botanicals muss man länger einlegen als andere, um einen ausgewogenen Geschmack zu bekommen. Wir haben beispielsweise Erdbeer-Minze oder Erdbeer-Kakao, Basilikum-Ingwer oder Lavendel.

Gewusst? Ins The Bär kommen mehr Frauen als Männer. Außerdem läuft die Bar im Winter besser als im Sommer. Auch darum hat Marcos jetzt den Gingarten vor der Tür eröffnet: Hier kann man ab dem späten Nachmittag ein kühles Getränk genießen – und sogar sein eigenes Essen verzehren. Besteck und Teller gibt es von The Bär. Direkt nebenan ist übrigens die Cocktailbar Königsblut. Als Konkurrenz sehen sich die beiden nicht. Manchmal leiht man sich sogar eine Gurke oder Eis – mit unterschiedlichen Zielgruppen kommt man sich eben nicht ins Gehege.

Nächste Woche ist übrigens Negroni-Week. Daran beteiligt sich auch die Gin-Bar The Bär. Das heißt: Wenn Ihr dann einen Negroni im The Bär bestellt, ist ein Teil des Preises für einen guten Zweck.

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