Gelesen: Der Künstlerinnen Klub

Künstlerinnen Klub

Ein „Künstlerinnen Klub“ in Köln? Ich war überrascht, als ich das Buch mit dem gleichnamigen Titel aus dem Kuvert nahm. Der Emons Verlag hatte mir ein Rezensionsexemplar geschickt. Und obwohl ich eigentlich gerade zu wenig Zeit habe, haben mich das Thema und das bunte Cover neugierig gemacht. Mein Eindruck: Das Buch von Hanka Meves liest sich leicht. Es geht um zwei Frauen, die Anfang des letzten Jahrhunderts in Köln einen Künstlerinnen Klub gegründet haben. Das ist insofern erstaunlich, als dass Frauen zu dieser Zeit eine andere gesellschaftliche Rolle spielten als heute. Es war schlichtweg ungewöhnlich.

Hanka Meves hat auch das Buch „Die Komponistin von Köln: Maria Herz und ihr Leben geschrieben. An einigen Stellen im Künstlerinnen Klub wird Maria Herz ebenfalls erwähnt. Die Klammer für beide Bücher ist die weibliche Rolle zur Zeit der Geschichte und natürlich unser aller Lieblingsstadt. Allerdings ist der große Unterschied, dass es beim Künstlerinnen Klub eben um Bilder, und nicht um Musik geht. Eine der Protagonistinnen ist Olga Oppenheimer, die 1941 von den Nationalsozialisten in Hadamar getötet wurde. Anlässlich ihres 140. Geburtstages gibt es aktuell im Kölnischen Stadtmuseum eine Ausstellung und dort am 4. September eine Lesung von Hanna Meves.

Große Namen im Umfeld des Künstlerinnen Klub

Zugegeben: Olga Oppenheimer war mir bisher kein Begriff. Ich freue mich, von ihr durch dieses Buch erfahren zu haben. Andere Namen, die im Roman auftauchen, gehören heute zu den ganz Großen: Franz Marc, Picasso, August Macke. Interessanterweise scheinen sie, als die Geschichte geschrieben wurde, höchst umstritten gewesen zu sein. So wie auch heute noch das Neue von vielen Menschen abgelehnt wird. Wie traurig

Auch Murnau in Bayern spielt als Ort eine wichtige Rolle im Buch. Dort wurde nämlich Kunstgeschichte geschrieben: Murnau war ein zentraler Inspirationsort für den „Blauen Reiter“ und den Expressionismus. Die Landschaft rund um Staffelsee und Murnauer Moos zog Künstler*innen wie Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Franz Marc an. Genau darum waren wir vor einigen Jahren bei einer Fahrt durch Bayern für einige Stunden dort.

Interessant finde ich auch, dass es Themen gibt, die sich über ein Jahrhundert ziehen: So war die Kölner Lokalzeitung ein eher konservatives Blatt, dass es vielen Leser*innen nicht recht machen konnte. Auch heute höre ich im Bekanntenkreis kaum Gutes über den Kölner Stadtanzeiger. In Frankreich war es scheinbar damals bei Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius kaum aushaltbar – 110 Jahre später müssen die Franzosen und Französinnen durch den Klimawandel Temperaturen ertragen, die locker zehn Grad höher liegen. Und natürlich hatten Frauen damals nicht die gleichen Rechte wie Männer. Da hat sich zwar viel gebessert – aber sie verdienen noch immer weniger, und es gibt Parteien, die sie lieber wieder hinterm Herd und als Gebärmaschinen sehen würden ,als als gleichwertigen Teil der Gesellschaft.

Mein Eindruck: lesenswert, leicht zu lesen, historisch anregend. Nur das Ende ist für meinen Geschmack zu plötzlich und zu offen.

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