Bochum: Mehr als nur Starlight Express

Bochum: Industriekultur
Bochum: Industriekultur

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt – auch mehr als 30 Jahre, nachdem Herbert Grönemeyer den Song Bochum veröffentlicht hat, ist er das Erste, was mir zu der Stadt im Ruhrgebiet einfällt. Das Zweite, was vermutlich sehr viele Menschen mit Bochum verbinden, dürfte der Starlight Express sein, das Musical, das ebenfalls seit über 30 Jahren läuft. Bochum hat aber noch einiges mehr zu bieten. Da ist zum Beispiel eine gut belebte Innenstadt mit netten Geschäften und Cafés. Da ist das Bermuda3Eck, wo sich Kneipe an Kneipe reiht, und wo an einem warmen Wochenendabend draußen alle Tische besetzt sind – obwohl es überwiegend Convenience-Food gibt. Und dann gibt es noch spezielle Veranstaltungen, die die Stadt für Gäste attraktiv machen.

Ich war beispielsweise zur Extraschicht dort und habe noch recht spontan an der Abendkasse ein Ticket gekauft. Damit waren wir in der Jahrhunderthalle, die für Freunde der Industriekultur selbst dann schön anzuschauen ist, wenn es dort keine Konzerte gibt. Außerdem haben wir die Fiege-Brauerei besichtigt. Lohnt sich, wenn man die Möglichkeit hat.

Problem-Taxifahrer in Bochum

Allerdings kann man sich nicht auf die Taxifahrer in der Stadt verlassen: Ich musste kurz nach Mitternacht vom Hauptbahnhof in eine Notaufnahme in einem Krankenhaus – obwohl ich weder krank war, noch krank aussah. Erste Antwort eines Taxifahrers: “Die Strecke ist zu kurz, da fahre ich nicht hin”. Ich sagte ihm, dass das wohl ein Scherz sei. Zweite Antwort: “Nee, da fahre ich nicht hin, da komme ich nicht mehr weg”. ich sagte ihm, dass es ein Notfall sei, und ich ins Krankenhaus müsse. Dritte Antwort: “Wenn Sie krank sind, müssen Sie einen Rettungswagen rufen”. Ich sagte ihm, dass ich mich über ihn beschweren werde. Antwort: “Machen Sie das!” – dann habe ich mein Glück erst bei einer Bochumer Taxizentrale versucht, die mich ans Straßenverkehrsamt der Stadt verwiesen hat. Von dort bekam ich auf meine E-Mail leider nie eine Antwort. Übrigens: der nächste Taxifahrer hat mich übrigens ohne mit der Wimper zu zucken sofort gefahren.

Bochum: Über 30 Jahre Starlight Express

30 Jahre Starlight Express
30 Jahre Starlight Express

Starlight Express habe ich vor etwa 27 Jahren das erste Mal gesehen – und ich hatte überhaupt keine Erinnerung an das Musical auf Rollschuhen, die Veranstaltungshalle oder die Stadt. Nicht einmal die Geschichte hätte ich erzählen können. Darum, so beschloss ich, war es höchste Zeit, sich dieses Spektakel, ein zweites Mal anzusehen.

Um was geht’s bei Starlight Express?

Ein kleiner Junge ist alleine zuhause. Seine Spielzeugeisenbahnen tragen die Weltmeisterschaft im Schnellfahren aus. Dabei geht es aber nicht nur um Züge, sondern auch um Herz und Schmerz, um Intrigen und schließlich auch um Fragen der technischen Entwicklung: Dampf, Diesel oder doch der elektrische Antrieb? Wer wird das Rennen machen?

An der Meisterschaft nehmen Züge Teil aus Russland, den USA, Frankreich oder der britische „Zug nach nirgendwo“, der von der Lokomotive Brexit geführt wird, und sich selbst ins Aus manövriert. Dabei sind Bar- und Kofferwagen, Güterzüge für Steine und Stahl, und sie alle sind sich nicht immer wohlgesonnen.

Jeder Darsteller ist also ein Zug oder ein Wagen, und düst auf seinen Rollschuhen kreuz und quer über die Bühne, die sich über die gesamte Halle erstreckt. Übrigens darf man während der Show nicht fotografieren – erst ganz am Ende, wenn das Musical an sich vorbei ist.

Wie komme ich mit dem ÖPNV hin?

In Bochum halten auch ICEs. Die Anreise mit dem Zug ist also nicht besonders schwierig. Vom Hauptbahnhof fährt man eine oder zwei Stationen Richtung Stadion. Dann steigt man entweder am Planetarium oder am Stadion aus. In beiden Fällen geht man etwa zehn Minuten zu Fuß zum Veranstaltungsort. Ich finde die Strecke zur Haltestelle Planetarium vor allem am späten Abend angenehmer. Allerdings fahren nach der Abendshow nicht mehr so oft Bahnen wie tagsüber. Darum sollte man vorher schauen, wann die Bahnen zurück ins Zentrum fahren, oder man muss im Zweifelsfall relativ lange warten, oder man nimmt direkt am Ausgang ein Taxi oder geht zu Fuß, was sich etwas zieht.

Was kosten Tickets?

Die günstigen Tickets starten bei etwa 80 Euro. Ich gebe zu, dass wir ein totales Schnäppchen gemacht haben. Wir haben nämlich über Vente privée gebucht und für zwei Tickets insgesamt 100 Euro bezahlt. Wir haben nicht wirklich mit besonders guten Plätzen gerechnet, saßen aber auf der Tribüne in Reihe 2 – und das ist verdammt nah dran am Geschehen. Allerdings gibt es natürlich keine Garantie dafür, dass es bei Vente privée demnächst wieder eine solche Aktion geben wird. Wenn Ihr also ganz unbedingt in den Starlight Express wollt, solltet Ihr lieber Tickets für das gewünschte Datum über den normalen Weg kaufen.

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Wo kann man in der Nähe essen und was gibt’s vor Ort?

Cordon Bleu mit Möhren und Kartoffel-Sellerie-Stampf
Cordon Bleu mit Möhren und Kartoffel-Sellerie-Stampf

Im Veranstaltungstheater selbst gibt es nicht viel zu essen: Brezeln und Waffeln. Habt Ihr also Hunger, solltet Ihr vorher gegessen haben. In der Stadt gibt es in Bahnhofsnähe viele Döner-, Falafel- und Lahmacun-Angebote. Wir haben etwa einen Kilometer vom Starlight Express entfernt bei Franz Ferdinand gegessen. Das ist ein österreichisches Restaurant mit lecker-aussehenden Torten und typischen Gerichten: Knödel, Wiener Schnitzel oder Kartoffel-Feldsalat.

Wo kann man übernachten?

Es gibt direkt neben dem Starlight Express ein Hotel. Das bietet sich natürlich für eine Nacht an. Weil wir aber an einem Sonntagabend im Musical waren, und beide Montagmorgen zur Arbeit mussten, war uns die Bahnhofsnähe wichtig. Darum haben wir im Ibis Styles übernachtet, das im Bahnhof ist. Von außen sieht es nicht besonders nach „Styles“ aus, innen ist es aber ganz chic. Allerdings sind die Wände etwas dünn. Sind die Zimmernachbarn also laut, bekommt man quasi jedes Wort mit. Frühstück war in unserem Fall inklusive.

Mein Fazit zum Starlight Express

Die Geschichte des Starlight Express finde ich persönlich etwas kitschig. Dafür sind die Kostüme liebevoll gestaltet: Der Gepäckwagen zum Beispiel hat kleine Köfferchen am Hut, den Barwagen erkennt man an den Drinks auf der Kopfbedeckung. Die Vorstellung wird nicht langweilig, weil man ständig damit beschäftigt ist, zu sehen, was um einen herum so alles passiert. Leider kann man die Texte nicht so gut verstehen, obwohl sie auf deutsch gesungen werden. Kleines Anekdötchen: Weil eine Brücke klemmte, musste die Show für etwa eine Viertelstunde unterbrochen werden, um dieses technische Problem zu lösen. Mir fiel dazu ein:“Wegen Störungen im Betriebsablauf kommt es zu Verspätungen“.

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Was ich nicht verstanden habe:

  • Warum fährt der ICE in den Farben der Niederlande?
  • Warum ist „Elektra“ männlich?
  • Weswegen führt keine Frau einen Zug an, der im Finale mitfährt?

Falls Ihr darauf Antworten habt: Gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Dieser Artikel ist ursprünglich vom Januar 2019. Er wurde im August 2019 aktualisiert.

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