Aktivwoche in Sankt Peter-Ording

Wo kommen die vielen Reifenspuren her, frage ich mich, als ich am breiten weißen Strand von Sankt Peter-Ording in Schleswig-Holstein entlanggehe. Autos sind ja zum Glück weit und breit keine zu sehen. Es dauert ein bisschen, bis mir klar wird, dass das Kite-Buggy-Fahrer sind. Ihre dreirädrigen Gefährte werden durch die bunten Drachen in der Luft vorwärtsbewegt. Sie stören hier niemanden, denn der Strand in Sankt Peter-Ording ist bis zu zwei Kilometer breit und gut zwölf Kilometer lang, da ist Platz für alle. Allerdings hat so ein breiter Strand auch einen Nachteil: Bis man am Wasser ist, dauert es ewig. Hinzu kommt, dass es nur wenige Übergänge durch die Dünen gibt. Man muss also schon gut zu Fuß sein.

Dafür ist es trotz der Menschenmassen, die sich bei gutem Wetter über die Holzbrücken schieben, erstaunlich ruhig am Strand und in den Dünen. Man hört nichts, außer ab und zu das Geschrei der Möwen oder eine leise Stimme von irgendwo. Das ändert sich allerdings schnell, wenn man am Platz an der Promenade ankommt. Hier ist nicht nur der Übergang zum Meer, sondern auch eines der Zentren des Ortes. Kleine Geschäfte, Restaurants und große Hotels stehen hier eng an eng. Es ist bunt, laut und ziemlich voll. Nicht mein Ding. Ich bin ganz froh, dass mein kleines Hotel Eulenhof etwas außerhalb ist. Nachteil: Egal, wohin ich möchte, ich muss immer lang laufen. Darum lautet mein erster Tipp für Sankt Peter-Ording: Ein Fahrrad ist hier eine gute Sache. Kann man auch leihen.

Da ich zur Aktivwoche hier bin, passt das mit den langen Strecken aber ganz gut. Auch, dass mein kleines Hotel ein Schwimmbad und eine Sauna hat – und Strandkörbe hinterm Haus in den Dünen. „Dort sind ab und zu mal Rehe oder ein Fuchs“, sagt der Hausherr. „Sonst aber nichts und niemand.“

Die Deichtour

Sankt Peter-Ording liegt langgezogen am Nationalpark Wattenmeer und besteht aus vier Ortsteilen: Böhl, Dorf, Bad und Ording. Von Böhl bis Bad kann man auf dem Deich entlang und durch die Orte zurück gehen. Eine Strecke soll etwa 15 Kilometer lang sein. An meinem ersten Tag gehe ich die Runde durch den Ortsteil Bad, am zweiten Tag in die andere Richtung: Am Deich entlang bis zum ersten Fußgängerweg zum Strand hinunter. Sonntagmorgens um halb neun gehört dieser Teil der Welt mir fast alleine. Kaum jemand ist unterwegs, die Vögel zwitschern, der Wind zerzaust mein Haar, aus dem grauen Himmel fallen einige Tröpfchen. So muss Nordsee sein. Lediglich das Wasser ist auch hier viel zu weit weg.

Am Strand studiere ich meinen Stadtplan: Ich möchte am Wasser entlang zum nächsten Übergang gehen, doch es scheint keinen Weg zu geben. Etwas versetzt ins Landesinnere gibt es aber einen Weg für Pferde. Wo die entlang dürfen, darf das auch der Mensch, denke ich. Und stehe bald schon an einem Wasserzufluss: Die Nordsee fließt hier manchmal als breiter und durchaus auch tiefer Strom ins Landesinnere. Darum sind die Salzwiesen das, was sie sind, und darum wachsen hier auch ganz eigene Pflanzen. Ein Pferd könnte hier locker durchmarschieren, ich kann es nur, wenn ich nasse Füße möchte, also gehe ich zurück. Mein zweiter Tipp für Sankt Peter-Ording: Haltet euch an die Fußgängerwege. Das hat schon seinen Grund – und ist besser für Natur und Umwelt, denn hier ist überall Naturschutzgebiet.

Am Leuchtturm gehe ich erneut zum Strand und auf dem versetzten Weg wieder zurück. Jetzt bin ich im Ort, die Straße führt eigentlich immer nur geradeaus zu meinem Hotel zurück. Unterwegs komme ich ins zweite Ortszentrum in Dorf: Hier gibt es auch einige Geschäfte, Restaurants, das Bernsteinmuseum, eine Touristeninformation und mehrere Geldautomaten.

Im Bernsteinmuseum

An der Küste von Sankt Peter-Ording hat man gute Chancen, Bernstein zu finden. Sie sind im Winter höher als im Sommer, und grundsätzlich ist abfließendes Wasser gut, um danach zu suchen. Das habe ich im Bernsteinmuseum erfahren. Dort wird auch erklärt, wo Bernstein herkommt: Sehr vereinfacht gesagt, ist es das Harz aus den Bäumen eines Waldes, den es vor sehr, sehr langer Zeit gegeben haben muss. Und dieses Harz wurde durch Eis und Flüsse transportiert und kommt noch heute in kleinen oder größeren Brocken an die Küste. Im Bernsteinmuseum werden Nordseefundstücke gezeigt und vor allem auch die so genannten Inklusionen. Das sind Bernsteinstücke, in denen Mücken oder andere Tiere eingeschlossen sind. Außerdem zeigt das Museum Bernsteinfälschungen. Ganz ehrlich: Ich kann keinen Unterschied zu den Originalen erkennen.

Die Aktivwoche

Die BKK-Aktivwoche ist natürlich immer von vielen Faktoren abhängig: Wetter, Gruppengröße und -zusammensetzung, Leiter – all das hat einen Einfluss darauf, wie die gesundheitsbewusste Woche wird. Was mir an der Woche in Sankt Peter-Ording gefällt: Die Gruppe ist sehr klein. Allerdings finden die meisten Termine in der DRK Klinik statt. Ich gebe zu, dass ich mich damit schwer tue: Schließlich bin ich nicht krank, sondern besuche diese Woche ja genau, um nicht krank zu werden. Die Krankenhausatmosphäre mit ihrem ganz eigenen Geruch und den vielen Patienten vermittelt mir hier den falschen Eindruck. Interessant finde ich auch, dass die Woche den Schwerpunkt Work-Life-Balance hat, sich bei der Vorstellungsrunde aber außer mir niemand zu diesem Thema geäußert hat. Das Programm entspricht der Basis-Aktivwoche mit einigen Abwandlungen: An einem Tag kochten wir beispielsweise selbst in der Lehrküche. Das finde ich gut, weil ich die Vorträge zur richtigen Ernährung sowieso schon in- und auswendig kenne. Ansonsten stehen auf dem Programm Nordic Walking, Stretch & Relax, Rücken- und Aquagymnastik sowie Strandwendern und zwei Einheiten zum Thema Stressbewältigung. Mir kommt das Kernthema ein wenig kurz. Ich ergänze das Programm übrigens noch um einige Lauf-, Schwimm- und Saunaeinheiten.

Laufstrecken in Sankt Peter-Ording

In Sankt Peter-Ording stehen an jeder Straßen- und Wegkreuzung Schilder, die Nordic Walking Strecken nach Nummern ausschildern. In der Tourismusbehörde bekommt man für 2,50 Euro eine Übersicht dieser 16 Strecken. Die längste ist 14 Kilometer und führt über den Deich und die Ortsteile. Die kürzeste Strecke ist nur etwas länger als einen Kilometer. Natürlich: Wo man Nordic Walking machen kann, kann man auch ohne Stöcke laufen. Ich hatte mich zunächst für Strecke 2 entschieden. Sie führte aus dem Ortsteil Bad durch den Wald am Bahnhof vorbei, parallel zur Waldstraße und zum Strandweg, und durch den Wald zurück auf die Straße Im Bad. Gerade als ich die Stadt dafür loben möchte, dass die Route 2 hervorragend ausgeschildert ist, fehlt an der Kreuzung an den Tennisplätzen ein wichtiges Schild. Schade.

Ähnlich ging es mir mit Strecke 9, der Backhus-Tour: Ich fand kein Schild für den Einstieg, lief also nach Plan los. Danach kamen Schilder, die aber entgegen der Textbeschreibung angebracht sind. Laut Broschüre läuft man von der Straße „Zum Südstrand“ los Richtung Deich, die Schilder sind jedoch so angebracht, dass die kurze Runde dort endet. Mein nächster Tipp darum: Besorgt Euch die kleine Übersicht mit den Laufstrecken im Touristenbüro, dann könnt Ihr Euch auch bei fehlender Beschilderung nicht verlaufen.

Und direkt noch ein Tipp: Entfernungen sind in Sankt Peter-Ording weiter, als sie scheinen. Man kann hier kilometerweit übers platte Land sehen: Den Leuchtturm in Böhl, die Brücken zum Strand, die Pfahlbauten. Aber Achtung: Man läuft lange dorthin – und man muss auch wieder zurück. Auch darum ist der Routenführer ganz gut, dort stehen nämlich Kilometerangaben.

In den Dünen Thermen

Nach einem langen Tag im Wind ist ein Besuch in den Dünen Thermen besonders schön. Dort gibt es ein Meerwasser-Erlebnisbad und eine Saunalandschaft: Dampfbad, Bio-Sauna, Birkensauna und draußen in den Dünen noch eine richtig heiße Sauna in der Blockhütte, 90 bis 100 Grad Celsius. Außerdem gibt es in einem Pfahlhaus eine 70 Grad-Sauna mit Kaminfeuer und großen Fenstern mit Blick auf den Strand. Zusätzlich kann man in einem Wasserbecken sehr kaltes Wasser treten und seine Fußsohlen mit den dicken weißen Steinen am Boden massieren. Es gibt auch künstliche Wasserfälle und Becken zum Abkühlen. Nachmittags muss man allerdings damit rechnen, dass es voll wird: Denn zu dieser Zeit sind auch viele Familien in den Dünen. Ab 17 Uhr, so ist meine Erfahrung, wird es ruhiger.

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