Silvester auf Ibiza

Glückstrauben auf Ibiza
Glückstrauben auf Ibiza

Noch eine Minute bis Mitternacht. Im Hard Rock Café auf Ibiza herrscht Stille. Gebannt starren die etwa einhundert Gäste auf die im Raum verteilten Fernseher. Dort sieht man eine Frau und einen Mann, im Hintergrund das Rathaus in Madrid. Vor sich haben die Moderatoren je zwölf Trauben. Dann wird unten im Bild ein Countdown angezeigt: eins bis zwölf. Es sind noch 36 Sekunden bis Mitternacht. Nach drei Sekunden verschwindet die Eins vom Bildschirm, nach sechs Sekunden die Zwei und so weiter. In der Zwischenzeit bleiben also drei Sekunden, um eine Traube zu essen und sich etwas zu wünschen.

Ich stecke die erste Traube in den Mund, beiße hastig und drücke sie mit der Zunge gegen den Gaumen. Schnell den ersten Wunsch denken. Schon ist die zweite dran. Ich bin erleichtert, drei Sekunden sind länger, als gedacht. Früher mussten die Trauben in zwölf Sekunden gegessen werden, doch nachdem Menschen bei der Zeremonie erstickten, hat man den Countdown verlängert. Schlag Mitternacht sollten alle zwölf Trauben gegessen sein, zu meiner Überraschung habe ich noch drei übrig. Ich weiß nicht, wann ich aus dem Rhythmus gekommen bin, aber ich stecke mir hastig alle drei in den Mund, wünsche mir nichts mehr und setze das Sektglas an, um rechtzeitig mit den anderen anzustoßen. Traubenpüree und Sekt vermischen sich im Mund, bevor ich schlucken kann. Feliz año, wünschen sich die Leute, und öffnen das so genannte Party-Bag: eine Tüte aus silberfarbener Folie. Darin ein spitzer Papierhut mit Gummizug, eine Tröte, Luftschlangen, eine Augenmaske und einige Plastikinstrumente, die Lärm machen sollen. Sie funktionieren nicht richtig, Made in China steht darauf.

Partytüte
Partytüte

Nach einigen Minuten kehrt Ruhe ein, die Gäste essen weiter. Manche sind erst beim ersten Gang, andere schon beim Dessert, je nachdem, wann sie gekommen sind. Gegen ein Uhr gehen wir, ein DJ sorgt mittlerweile für laute Musik. Draußen, auf dem Passeig Vara Del Rey, sollen sich ab halb zwölf die Inselbewohner treffen, um gemeinsam ins neue Jahr zu kommen. Das hatte uns die Tourismusbehörde für die balearischen Inseln über Twitter mitgeteilt. Allerdings ist auf der breiten Straße kaum jemand. In der Mitte des Passeig steht ein kleines Festzelt, dort hört man Musik. Von der Decke des Zeltes baumeln silberne und rote Kugeln, innen tanzen etwa einhundert Leute. Wir gehen Richtung Figueretes, uns kommen aus allen Straßen junge Menschen entgegen: Männer im Sakko, mit Hemd, Krawatte oder Schlips. Frauen, die in ihren hohen Schuhen oft größer als die Männer sind. Sie tragen Festkleider, so kurz, dass ich schon beim Ansehen einen Blasenfips bekomme, denn es ist kalt auf Ibiza in der Neujahrsnacht. Sie alle strömen Richtung Zentrum, wahrscheinlich fängt die Party gleich erst richtig an. Wir fallen in unsere Betten und schlafen tief in der ersten Nacht des neuen Jahres – bis um halb acht. Dann kommen unsere Nachbarn nach Hause. Sie scheinen feuchtfröhlich gefeiert zu haben, schließen wir aus den Geräuschen aus der Nachbarswohnung. Wir dagegen starten gut ausgeruht in den neuen tag und ins neue Jahr.

Dieser Artikel beschreibt den Jahreswechsel 2014/2015.

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