Kirche und Kreuzfahrtschiff: Zwei ungewöhnliche Entdeckungstouren in Rotterdam

Kaffee am ehemaligen Schwimmbecken
Kaffee am ehemaligen Schwimmbecken

Ihr kennt das: Man bekommt einen Audioguide, um mehr über eine Ausstellung oder ein Museum zu erfahren. Dann funktioniert die Technik nicht richtig. Oder die Erklärungen sind so lang und langweilig, dass Ihr sie irgendwann gar nicht mehr nutzt. Frustrierend also. Dass es auch ganz anders geht, habe ich jetzt gleich zweimal in Rotterdam festgestellt. Dort habe ich eine Audiotour durch ein ehemaliges Kreuzfahrtschiff und eine Kirche gemacht. Und beides war ganz wunderbar.

Nun bin ich als Kölnerin natürlich immer der Meinung, dass der Dom die schönste Kirche der Welt ist. Überhaupt interessieren mich Kirchen ganz oft nicht. Bei der Laurentiuskirche in Rotterdam, Sint Laurenskerk, war das anders. Ich hatte für meinen verlängerten Wochenendausflug nach Rotterdam nämlich die WelcomeCard für drei Tage gekauft. Dort gab es einen Rabatt auf die Audiotour durch die Kirche. Nach dem Lesen der Beschreibung wusste ich zwar noch immer nicht so richtig, was mich erwarten würde, aber das abgedruckte Foto sah so interessant aus, dass ich mich für den Besuch entschied.

Kreative Besucherführung

Wie ungewöhnlich diese Kirche und die Audiotour sind, erfährt man schon an der Rezeption: Dort bekommen die Besucher nämlich ein Gebetsbuch, in dem die Technik steckt. Um die Hörstücke in der Kirche zu aktivieren, presst man es einfach an die schwarzen runden Scheiben an den Wänden. Im Buch selbst gibt es noch viele weitere Infos mit Bildern und Text.

Während man durch die Kirche geht, stellt man sich seine Tour nach eigenem Interesse zusammen. Alle Stationen abzuspielen, würde wohl sehr, sehr lange dauern. Ich höre ein wenig in die Geschichte hinein, bevor ich weitergehe zu den aufklappbaren Triptychons: Auf der Vorderseite sieht man jeweils ein Foto einer zelebrierten Religion, innen gibt es Details zur Messe – und über den Audioguide hört man die passenden gesungenen Lieder der Gläubigen.

Opferkerzen mit Gesang

Etwas weiter, in einer Kapelle stehen dachhoch auf Metallgerüsten orangefarbene Behälter mit elektronischem Licht. Wer 50 Cent einwirft, entzündet eine dieser Opferkerzen. Dazu gibt es das Weltgebet zu hören: Aus ganz vielen Religionen hintereinander weg Lieder und Gebete. Ganz wunderbar. Oder im Mittelschiff, in den hohen Holzstühlen: Dort hört man sich Kirchenmusik aus den verschiedenen Jahrhunderten an. Von gregorianischen Gesängen bis zu Johan Sebastian Bach. Ich habe noch nie eine so innovative Kirche besucht. Und noch nie so viel Spaß dabei gehabt, mich mit den Religionen dieser Welt zu beschäftigen.

Besuch eines ehemaligen Luxusliners

Ganz anders ist die Audiotour auf der SS Rotterdam. Auch dafür gab es einen Rabatt mit der WelcomeCard. Ausgestattet mit einem Gerät, das an ein altmodisches Handy erinnert, können die Besucher das Dampfschiff selbst erkunden. Auch hier erfährt man einiges zur Geschichte. Besonders spannend sind die Einspielungen von ehemaligen Passagieren und Seemännern, die die Überfahrten in die USA lebendig werden lassen. Der Weg führt hier zur Brücke, vorbei an der Kapitänskabine und bis ganz nach Vorne auf das Boot, bis dorthin also, wo die schwere Ankerkette liegt. Nach der etwa einstündigen Erkundung, bietet es sich bei gutem Wetter an, auf der Terrasse neben dem ehemaligen Schwimmbecken, einen Kaffee zu trinken. Die SS Rotterdam ist übrigens heute nicht nur ein Museumsschiff, sondern auch ein Hotel.

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