Tempel und Gräber: Sehenswürdigkeiten auf einer Nilkreuzfahrt

Wie ein Staubkorn in der Geschichte der Menschheit kam ich mir während meiner Kreuzfahrt über den Nil vor. Die Tempel und Gräber, die man dabei besichtigt, sind nämlich verdammt alt. Manche gibt es seit 2000 Jahren, andere seit fast 5000 Jahren. Sollte ich 100 werden, ist das viel. Wie viele Menschen haben vor mir die Tempel am Nilufer schon besucht, und wie viele werden es nach mir noch sein? Welche Geschichten würden die Steine erzählen? Und: Wie konnten die alten Ägypter sie überhaupt bauen?

Eine Reise auf dem Nil ist eine erlebte Geschichtsstunde – ganz abgesehen davon, dass man natürlich viel vom Leben der Menschen im Nildelta mitbekommt, wenn man auf einem Schiff auf dem längsten Fluss der Welt unterwegs ist. Manche nennen, was man dort sieht, „traditionelles Leben“. Ich gehe davon aus, dass die Bauern in Ägypten lieber einen Traktor statt eines Eselkarren hätten. Aber den können sie sich nicht leisten. Heißt: Wer nach Ägypten reist, muss wissen, dass er in Nordafrika unterwegs ist. Und dass das Land nicht so wohlhabend ist wie Deutschland. Darum kann man es den Ägyptern auch nicht verübeln, wenn sie mit den Touristen Geschäfte machen wollen. Allerdings finde ich, dass sie manchmal über das Ziel hinausschießen.

Die Kreuzfahrtschiffe auf dem Nil legen im Prinzip alle an den gleichen Orten an. So sehen auch alle Touristen im Grunde dasselbe. Je nach Reisedauer hat man allerdings mehr oder weniger Zeit für Besichtigungen. Wir waren von Dienstagabend bis Samstagmorgen mit einer über Voyage Privé bei BigXtra gebuchten Pauschalreise auf dem Nil unterwegs. Und haben bei dieser Reise sehr viel gesehen:

Nilkreuzfahrt: Große und kleine Tempel

Komb Ombo. Hier gibt es einen Tempel, der gleich zwei Gottheiten gewidmet ist. Für mich ist das die erste Begegnung mit den ägyptischen Hieroglyphen, und ich lerne, dass sie eine Art früher Comics sind. Ich frage mich, wie der Tempel damals vor 2000 Jahren ausgesehen hat: Heute ist er nur noch bräunlich, damals war er wohl bunt, wie man an einigen wenigen Stellen sieht. Ich lerne außerdem viel über Gebräuche: Der Pharao fragte seine Ärzte um Rat. Die holten sich Hintergrundinformationen von einer der Frauen des Pharao. Und dann quetschte sich einer der Ärzte in eine Nische hoch über dem Boden, beleuchtet nur durch eine Kerze. So wirkte er wie eine Gold-Statue, die dem Pharao weissagte. Auch damals wurde also nur mit Wasser gekocht. Das Museum neben dem Tempel, in dem mumifizierte Krokodile gezeigt werden, fand ich übrigens wenig beeindruckend.

Esna. Hier ist der Tempel nur eine kurze Strecke zu Fuß vom Bootsanleger entfernt. Allerdings war bei uns der Aufenthalt dort auch nur eine knappe Stunde. Der Tempel wird gerade entstaubt, und es ist erstaunlich, was unter dem viele Jahren alten Dreck noch zum Vorschein kommt. Außerdem wird hier weiter ausgegraben. In einigen Jahren könnte also ziemlich beeindruckend sein, was man dort sehen wird. Für den Ort selbst bleibt allerdings wenig Zeit, man läuft im Prinzip einmal über den Markt. Es lohnt sich durchaus, einen Blick in die Seitenstraßen zu werfen. Und man sollte sich keinesfalls von den Verkäufern irre machen lassen.

Luxor: Wenn Ihr Pech habt, liegt Euer Boot nicht in der Stadt. Bei uns waren es elf Kilometer bis ins Zentrum. Am Ableger warten zwar einige Taxen, aber wir wurden mehrfach gewarnt, dass Taxifahren in diesem Fall zu einer großen Abzocke führen kann. Dabei liegt das Problem nicht darin, nach Luxor zu kommen, sondern viel mehr auf dem Rückweg: Hier fahren die Taxifahrer angeblich beliebig Anlegestellen an, um die Kosten für die Fahrt in die Höhe zu treiben. Den Taxidienst Uber gab es bei unserem Aufenthalt in Luxor noch nicht, der Reiseveranstalter stellte leider auch keinen Shuttle zur Verfügung, und auch eine Leihfarradstation ist nicht vor Ort. Luxor konnten wir also nicht individuell entdecken, und das finde ich sehr schade. Dafür hatten wir einen halben Tag auf der Ost- und auf der Westseite des Nil. Im Karnaktempel in der Stadt sind besonders die Reste der Säulenhalle beeindruckend sowie die Obelisken, die aus einem Stein gehauen sind. Wie sie an Ort und Stelle kamen, weiß kein Mensch. Der Luxortempel unterscheidet sich aus meiner laienhaften Sicht nicht sehr vom Karnaktempel.

Auf dem Weg zum Luxortempel waren wir noch in einer Papyruswerkstatt – oder anders gesagt: in einer Verkaufsveranstaltung. Da ich die Pflanze noch nie gesehen habe, war das trotzdem ganz interessant.

Auf Nilkreuzfahrt ins Tal der Könige

Das Tal der Könige auf der anderen Nilseite ist natürlich ein echtes Highlight in Ägypten. Dementsprechend voll ist es dort auch. Wichtig zu wissen: Wer in den Gräbern fotografieren will, braucht eine Fotogenehmigung für etwa 15 Euro, und die gibt es nur am Eingang. Außerhalb der Gräber gibt es nicht viel zu sehen, dementsprechend macht es also wenig Sinn ohne Fotogenehmigung das Tal zu besuchen. Ich habe leider gedacht, die Gräber wären innen weniger bunt und opulent, und habe darauf verzichtet, eine solche Fotoerlaubnis zu kaufen. Und ich habe es bereut. In den Gräbern ist es übrigens ziemlich warm und stickig. Und in manche geht es recht steil hinein – und dementsprechend auch wieder hinaus.

Achtung! In den Gräbern hängen viele Überwachungskameras. Eine Frau und ein Mann aus meiner Reisegruppe wurden ohne Genehmigung dabei erwischt, wie sie Bilder gemacht haben. Sie musste mit dem Securitymann zurück zum Eingang, um eine Fotogenehmigung zu kaufen. Erst danach haben sie ihre Eintrittskarte wiederbekommen. Die braucht man, um weitere Gräber besichtigen zu können. Man muss sie also mehrfach vorzeigen. Zwei Männer mussten sogar bei einer Stichprobenkontrolle ihre Handys vorzeigen. Beide hatten aber keine Fotos gemacht. Also: Genehmigung kaufen – oder keine Fotos machen.

Den Tempel der Hatschepsut und die Kolosse von Memnon darf man auch ohne Fotoerlaubnis fotografieren. Der Hatschepsut-Tempel wird von polnischen Archäologen restauriert. Es sieht natürlich toll aus, wie er so aus dem Fels herausgehauen wurde. Allerdings fand ich ihn weniger beeindruckend als die Tempel in Luxor oder die Gräber im Tal der Könige. Eher überflüssig fand ich eine weitere Verkaufsveranstaltung. Dieses Mal ging es um überteuerte Steinmetzarbeiten.

Auf Nilkreuzfahrt in Assuan und am Nasser-See

In Ausflugspaket der Flussfahrten ist in Assuan eine Fahrt über den alten und den neuen Staudamm enthalten. Durch den neuen Damm wird soviel Elektrizität produziert, dass sie in andere Länder exportiert werden kann. Die Fahrt mit einem Boot zu einer Insel mit einem versetzten Tempel ist Massentourismus. Trotzdem ist es ganz nett. Ich muss aber zugeben, dass ich keinen großen Unterschied zum Tempel in Kom Ombo gesehen habe. Die Felukkenfahrt auf dem Nil ist sicherlich höchst romantisch – wenn man denn zu zweit auf einem Boot ist, und nicht mit 40 anderen Mitreisenden. Trotzdem ist spannend, wie ein Mann mit Muskelkraft und einem Segel ein solch großes Boot über den Fluss steuert. Gerne verzichtet hätte ich auf den Ausflug zum Duftheiler, bei dem unter anderem medizinische Öle für 18 Euro pro 50 Milliliter-Flasche angeboten werden – für mich so weit von einem realistischen Preis entfernt, dass ich gar nicht erst auf die Idee komme, zu handeln.
Da die meisten Boote in Assuan länger als eine Nacht liegen, empfehle ich, sich die Stadt auf eigene Faust anzusehen. Was Ihr dafür wissen solltet, lest Ihr in einem anderen Artikel.

Was man sonst bei einer Nilkreuzfahrt noch machen kann und sollte

Wir haben zusätzlich die Fahrt nach Abu Simbel gebucht. Lohnt sich das, haben sich viele meiner Mitreisenden gefragt. Ich würde behaupten ja. Zwar fährt man zweimal gute dreieinhalb Stunden bis zur Tempelanlage. Dementsprechend früh geht morgens der Ausflug los: Abfahrt war um 4:20 Uhr. Dafür kann man die Sonne in der Sahara aufgehen sehen. Und auf dem Rückweg sieht man mit etwas Glück eine Fata Morgana.

Wer in den Tempeln Fotos machen möchte, braucht auch eine Genehmigung für 15 Euro. Bei meinem Besuch ist das Fotografierverbot allerdings nicht wirklich streng kontrolliert worden. Den Friedenstempel, der Ramses Lieblingsfrau gewidmet ist, fand ich nicht ganz so beeindruckend, den Haupttempel dagegen schon. Die vier Ramsesstatuen sollen eine Schulterbreite von sechs Metern und eine Lippenbreite von zwei Metern haben. Daneben kommt man sich im wahrsten Sinne des Wortes klein vor. Innen stehen weitere Kolosse, an der Decke sind schwarze Flügel und an den Wänden Kriegs- und Siegesszenen zu sehen. Und dann kommt noch hinzu, dass dieser Tempel bei der Anstauung des Nassersees einige Meter nach oben verlegt werden musste. Sonst wäre er heute unter Wasser. Was für eine Meisterleistung, diese riesigen Tempel in Quader zu schneiden und 1:1 neu aufzubauen. Und wie irre das ist, diese Steine anfassen zu können, die vor mehreren 1000 Jahren durch Menschenhand geformt wurden. Was sie alles erzählen könnten!

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