Riga: Städtetrip durch die Geschichte

Die drei Brüder
Die drei Brüder

Wer Jugendstil mag, ist in Riga am richtigen Ort: die Elizabetes Iela, die ungefähr vom Tallink Hotel bis zum Fährhafen führt, ist über ein weites Stück rechts und links gesäumt von Häusern in Pastellfarben, die mit aufwändiger Steinmetzarbeit verziert sind: Blumen, Frauenköpfe, Schleifen und Ranken – ich weiß gar nicht, welche Fassade die schönste ist. In vielen dieser Häuser sind Botschaften anderer Länder: Griechenland zum Beispiel hat hier seine Vertretung, Spanien, aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate.

In der Alberta Iela, die mehr oder weniger parallel zur Elizabetes Iela läuft, gibt es sogar ein Jugendstilmuseum: Man beginnt mit der Besichtigung im Untergeschoss und kann sich dort am Bildschirm sein Traumhaus zusammenstellen und ein Bild davon ausdrucken lassen. Außerdem bekommen Besucher an einem Bildschirm auf deutsch viele Infos rund um die Geschichte Rigas und zum Jugendstil – eine gute Einführung für den anschließenden Gang durch die Jugendstilwohnung im Stockwerk darüber. Das Museum ist nur wenige Fußminuten entfernt vom Fährhafen, und darum auch für Touristen geeignet, die nur einige Stunden in der Stadt sind – zum Beispiel während einer Mini-Kreuzfahrt von Stockholm kommend. Der Eingang zum Museum ist übrigens in der Strelnieku Iela.

Vom Fährhafen in die Altstadt von Riga

Wer am Fährhafen ankommt, erreicht auch die Altstadt der lettischen Hauptstadt recht bequem zu Fuß: Immer am Wasser entlang, bis man auf der linken Seite das Schloss mit dem trutzigen Turm entdeckt. Heute ist es der Sitz des Staatspräsidenten. Davor gehen Wachposten in Uniform und mit Bajonett auf und ab. In der Altstadt sehenswert ist die ehemalige Börse, ein Haus aus rotem Stein mit reichlich verzierter Fassade, das gegenüber des Doms steht. Wer hinter der Kirche entlang geht, kommt bald zum eher nüchternen Rathaus. Gegenüber ist das Schwarzhäupterhaus, in dem Versammlungshaus der Kaufleute im Jahr 1334. Es wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut. Heute kann man den Keller besichtigen, zwei Zimmer im Erdgeschoss und die beiden Festsäle. Im Keller wurden früher Waren gelagert. Darum steht hier auch eine alte Waage. Damit Leder, Honig oder Wachs nicht verdarben, gab es ein Heizsystem, das für eine gleichmäßige Temperatur sorgte. Während man im Keller erahnen kann, das hier einst gearbeitet wurde, sind die anderen Räume eher dem Vergnügen gewidmet: große Spiegel, schwere Holzmöbel, Deckenmalereien und – nun ja, viele schwarzen Häupter, die in Form von Statuen die Räume schmücken oder unter der Decke selbige zu tragen scheinen.

Weiter geht der Spaziergang zur Petri-Kirche. Der Blick vom Turm soll toll sein, aber für den Aufstieg werden 9 Euro verlangt. Das ist mir ganz ehrlich gesagt zu viel, darum verzichte ich auf den Blick aus der Vogelperspektive. Stattdessen gehe ich bei meiner Städtereise weiter zum Freiheitsdenkmal, das sich spitz gen Himmel reckt. Von hier ist es nicht mehr weit bis zu den so genannten drei Brüdern, drei Häuser, von denen das älteste aus dem 15. Jahrhundert stammt, und die gegenseitig zu stützen scheinen.

Kein Riga-Besuch ohne Latvijas Balzam

In Rigas Altstadt gibt es übrigens viele Cafés, Bars und Restaurants. Ich habe die Stadt als sehr jung erlebt. Wer keine Lust auf Burger und Fritten und Hipster mit Bart hat, muss ein wenig suchen. Doch es gibt in der Stadt auch einige gemütliche Cafés mit großer Kuchenauswahl, in denen das Publikum etwas älter sein kann. Besonders nett fand ich das Café Parunasim, das sich selbst als das romantischste in der Stadt beschreibt. Es ist ziemlich genau gegenüber von den drei Brüdern.

Ganz wichtig in Riga ist außerdem der Latvija Balzam den es in vier unterschiedlichen Varianten gibt, und der auch Black Balsam genannt wird. Er soll eine verdauungsfördernde Wirkung haben, findet sich aber auch in vielen Getränken und Speisen, die eher schwierig zu verdauen sein könnten, zum Beispiel als Füllung in Pralinen oder in Cocktails. Ich hatte im Tallink Hotel einen Drink mit Namen Schwarzwald, in dem außer Latvija Balzam Kirsche zum Beispiel auch Vanilleeis war. Die Preise in Riga sind vergleichbar zu Deutschland.

Riga: Gedenkstätte auf der anderen Flussseite


Etwas weiter entfernt ist die Gedenkstätte Zanis Lipkes, die man auch am besten zu Fuß erreicht. Dazu geht man über die Vansu Tilts-Brücke und folgt dann den Schildern. Am Museum selbst muss man klingeln, und geht dann durch einen dunklen Gang ins Innere. Im Obergeschoss lernt man viel über die Familie, die während des zweiten Weltkriegs rund 60 Juden das Leben gerettet hat. Dazu ist diese Zeit in unterschiedliche Holzkästen gegliedert, in denen Bilder und Zeitdokumente liegen. Über den Audioguides bekommt der Besucher zu jedem Kasten die notwendigen Infos auf Deutsch erzählt. Im Keller war bei unserem Besuch eine Ausstellung mit Gemälden, die ebenfalls die Geschichte dokumentierten. Man sollte mindestens eine Stunde Zeit mitbringen. Zur Ausstellung gibt es auch eine App. Als Eintritt gibt man eine Spende.

Auf Mini-Kreuzfahrt über die Ostsee

Riga erreicht man mit Flugzeugen: Ryanair beispielsweise fliegt direkt von Köln aus in die lettische Hauptstadt. Alternativ könnt Ihr die Stadt mit der Fähre von Stockholm kommend ansteuern. Bei der Mini-Kreuzfahrt mit der Tallink Silja könnt Ihr entweder am Buffet frühstücken und zu Abend essen, oder im Restaurant. Die Auswahl am Buffet ist groß – aber deutlich gemütlicher ist es tatsächlich im Restaurant. Auf allen Tallink Silja Fähren sind der Lachs und der Kaviar immer hervorragend. Als Digestif bietet sich Vana an, das ist der traditionelle estnische Likör, den es übrigens im Duty Free Shop in unterschiedlichen Varianten gibt.

Falls Ihr nicht Anfang 20 seid, vermeidet es, an einem ESN Sea Battle-Tag zu reisen. Davon gibt es mehrere im April und November jeden Jahres. Dabei treffen sich internationale Studierende aus mehreren Ländern, um auf den Fähren zu feiern. Davon abgesehen müssen es aber gar nicht die Studierenden sein, die einem die Nacht verkürzen: Neben uns feierten acht russische Passagiere ausgesprochen lautstark und mit viel Alkohol sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt. Da steckt man eben nie drin. Darum lautet mein Tipp: Immer Ohropax dabei haben!

Grundsätzlich finde ich die Mini-Kreuzfahrten aber super, weil man zwei europäische Hauptstädte in kurzer Zeit kennenlernen kann. Und da die Fahrten von Helsinki, Tallinn und Riga immer mit Stockholm verknüpft sind, kommt man jedes Mal durch den schwedischen Schärengarten, an dem ich mich nie sattsehen werde.

Schärengärten bei Stockholm
Schärengärten bei Stockholm

Praktische Tipps für die Städtereise nach Riga

  • Ihr kommt spät am Flughafen an? Grundsätzlich fahren die Busse lang. Aber wenn‘s schneller gehen soll, kann man sich zum Beispiel bei Baltic Taxi einen Voucher für 15 Euro kaufen und wird dann für diesen Preis ins Stadtzentrum gebracht. Die Fahrt mit dem Bus dauert nur unwesentlich länger, kostet aber nur etwa ein Zehntel. Wir haben ihn genommen, um aus der Stadt zum Flughafen zu kommen.
  • Ihr kommt mit der Fähre in Riga an, und wollt das Gepäck loswerden? Im Fährterminal gibt es Schließfächer, in denen man für einen Euro Koffer einschließen kann.
  • Ihr macht einenFährtrip von Riga nach Stockholm? In der schwedischen Stadt kommt Ihr gut mit Kredit- oder Girokarte klar. So spart Ihr Euch den lästigen Währungsumtausch von Euro in schwedische kronen. Für den ÖPNV gibt es die SL-App. Wenn Ihr dort schon zuhause die Kreditkarte hinterlegt, könnt ihr ein mobiles Ticket kaufen. Im Vergleich zu Deutschland ist die Fahrt aber ziemlich teuer. Absurderweise muss man das mobile Ticket am Schalter vorzeigen. Hat man einen Kunden vor sich, der dort ganz analog ein Ticket kauft, kann das mit längerer Wartezeit verbunden sein.


Tallink Silja hat unsere Nacht im Tallink Hotel in Riga sowie die Überfahrt mit der Fähre nach Stockholm und zurück inklusive Frühstück und Abendessen bezahlt. Wir haben die Flüge von Köln nach Riga und zurück, die Kosten fürs Flughafenparkhaus, die Kosten fürs Auto von zuhause zum Flughafen und zurück, den Eintritt in die Museen, Ausgaben für den ÖPNV in Stockholm und Riga, eine Taxifahrt, Kaffee und Kuchen sowie Cocktails natürlich selbst bezahlt.

2 Kommentare auch kommentieren

  1. Heike sagt:

    Für mich geht es im Juni nach Riga. Viele. Dank fuder den schönen Artikel und die tollen Tipps. Jetzt freue ich mich noch mehr.
    Viele Grüße, Heike

  2. BettinaBlass sagt:

    Oh, schön! Ich wünsche dir sehr viel Spaß! Und danke, ich freue mich, dass dir der Artikel gefällt!

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