Pferderennbahn in Köln-Weidenpesch: Wie Formel 1 ohne Motor

Pferderennen

Dass es irgendwo im Norden Köln eine Pferderennbahn gibt, war für mich nichts Neues. Aber irgendwie hatte ich so gar keinen Bezug dazu. Pferderennen – das war für mich etwas aus der Zeit und dem Milieu von Downton Abbey oder schillernden deutschen Serien aus den Achtzigern. Und selbstverständlich tragen da alle Frauen riesige Hüte.

Von jung bis alt: Auf der Pferderennbahn in Weidenpesch trifft man alle

Doch genau in diesem Punkt wurde ich direkt enttäuscht: Niemand hatte einen Hut auf, auch Bettina nicht, mit der ich neulich zum ersten Mal auf der Pferderennbahn war. Umso erstaunter war ich über den Altersdurchschnitt, denn das Publikum setzte sich aus Menschen jeden Alters zusammen. Jugendliche, junge Familien mit Kindern, „Best Ager“ und alles dazwischen bevölkerte das große, grüne Areal. Man kann auf den Wiesen sitzen oder gemütlich eine Decke zum Picknick ausbreiten, auf der denkmalgeschützten Haupttribüne von 1897 die Rennen verfolgen oder unter der Tribüne in einem kleinen Saal an Tischen sitzen. Da drin wirkte es im Vergleich zum Rest der Anlage allerdings etwas trostlos. Ich vermute, dass da vorrangig Leute sitzen, deren Hauptleidenschaft nicht die Pferde, sondern das Wetten an sich ist. Draußen finde ich es einfach viel schöner, und die 55 Hektar große Anlage ist im von Industrie und Hafen geprägten Norden der Stadt die größte Grünanlage. 

Ein Nachmittag auf der Pferderennbahn in Weidenpesch

Wir haben den After-Work-Renntag unter der Woche auf der Rennbahn in Weidenpesch besucht, zu dem wir im Rahmen eines Pressetermins eingeladen waren. Der reguläre Eintrittspreis für diese Veranstaltung beträgt 13 Euro, für Familien gibt es Familienkarten. Von 17 Uhr bis 20.30 Uhr fanden dann verschiedene Rennen statt. Jedes Rennen hat eine andere Distanz, und es treten unterschiedliche Pferde an. Bei einer kleinen Führung wurden wir als absolute Anfänger ein bisschen über die Gepflogenheiten der Rennen aufgeklärt: Grundsätzlich geht es bei den Rennen natürlich darum, welches Pferd das schnellste ist, logisch. Doch manchmal soll ein Pferd gar nicht gewinnen. Denn dann müsste es beim nächsten Mal mehr Gewicht tragen, sprich neben dem Jockey bekommt es Zusatzgewichte. Daher lassen die Besitzer das Pferd manchmal eher zum Training teilnehmen und erst in einem späteren Rennen soll es nach Möglichkeit siegen. 

Und was passiert zwischen den Pferderennen?

Zwischen den Rennen passiert kaum etwas. Auf der Rennbahn fährt ein Traktor die Startboxen hin und her, aber für rund 20 Minuten gibt es nichts zu sehen. Außer den anderen Gästen natürlich.

Die Rennpausen können die Besucher nutzen, um etwas zu essen oder zu trinken. Zwischen der Rennbahn und dem Platz für die Siegerehrung gibt es nämlich viele kleine Fressbüdchen mit den üblichen Leckereien. Zu ihnen kommen neuerdings immer häufiger Food Trucks: Dort gibt es Eis aus Berlin, Pulled Pork Burger oder Falafel. Letztere kamen bei unserem Rennbahnbesuch vom Berliner Koch Björn Moschinski. Er kocht vegan und hat mehrere Kochbücher herausgebracht. (bbl)

Dann kommen kurz vor Rennbeginn die Pferde auf die Bahn und machen schon einen sehr bewegungsfreudigen Eindruck. Kaum werden sie losgelassen, preschen sie auf die Bahn, und die Jockeys machen ein paar kurze Läufe mit ihnen. Kaum stehen sie in der Startbox, geht es auch schon los. Und wenn man ganz vorne am Geländer steht, sausen die Pferde binnen Sekunden an einem vorbei und nach wenigen Minuten ist das Ganze schon wieder vorbei. Eben so wie bei der Formel 1 – nur dass hier statt vieler PS nur jeweils ein PS unterwegs ist.

Siegerehrung auf der Pferderennbahn
Siegerehrung auf der Pferderennbahn

Nach jedem Rennen gibt es eine Siegerehrung, bei der der Jockey, der Besitzer und der Trainer geehrt werden. Da gibt es dann einen Pokal, in unserem Fall – es war der Sion-Cup – ein Fässchen Kölsch, Blumen, Fresskörbe und so weiter. Nur das Pferd kriegt davon nichts mit: Es wird nochmal gewogen und kommt wieder in den Stall.

„Pferderennen ohne Wetten ist wie Angeln ohne Köder“

Diese Weisheit gab man uns bei der Führung mit. Wetten kann man schon mit einem Einsatz von 1 Euro. Dazu füllt man einen Wettschein aus, alle Infos zu den Pferden gibt es im Rennprogramm. Aber für Anfänger ist das alles etwas schwierig zu begreifen, fand ich. Am einfachsten ist die Siegwette. Man sucht sich den Gaul aus, von dem man denkt, dass er gewinnt und setzt auf Sieg. Oder man sucht sich zwei aus, von denen man denkt, dass sie die ersten beiden sind. Oder drei oder oder oder – wie gesagt, das las sich am Anfang alles sehr kompliziert. Dafür gibt es auf dem Gelände die Wettschule, in der einem die vielen Möglichkeiten, sein Geld loszuwerden, erklärt werden. Übrigens: Wetten ist wie alle Arten von Glücksspiel grundsätzlich erst ab 18 Jahren erlaubt.

Pferderennbahn digital

Der Wettbetrieb ist übrigens bereits vollends in der Moderne angekommen: Man kann seine Wetten per App absetzen, dazu gibt es auf der Rennbahn ein eigenes WLAN. Natürlich kann man auch ganz klassisch seinen Wettschein am Schalter abgeben oder bei einem der Mitarbeiter, die mit einem Tablet bewaffnet die Wett- und Euroscheine annehmen.  (Timo Stoppacher)

Spaß auf der Rennbahn auch ohne Pferde

Tatsächlich kann man auf der Galopprennbahn Weidenpesch auch eine gute Zeit verbringen, ohne sich für Pferde zu interessieren. Neben den typischen Rennterminen, die es noch bis Oktober etwa ein bis drei Mal im Monat gibt, findet dort auch ein Loss mer singe im Sommer und zu Weihnachten statt, es gibt ein Ford US-Car Meeting oder eine Pferdemesse. Davon abgesehen gibt es in der Arena Weidenpesch, wie die Rennbahn offiziell heißt, das Restaurant Tattersaal, dazu gehört ein Biergarten, der auch im Winter geöffnet ist. Die Europabar und die Almhütte kann man für Gesellschaften bis zu etwa 100 Personen mieten. Und dann ist da noch das Hippodrom, in dem sonntags gebruncht wird. Timo und ich waren im Rahmen des Cologne Genuss Derby dort als Gäste eingeladen. Ich gebe zu, dass ich überrascht war, wie originell manche Kombinationen waren. So gab es zum Beispiel beim Flying Buffet zu Beginn kleine Hörnchen mit Currycrème oder scharfer Guacamole. Auf dem anschließenden Buffet stand ein Couscous Salat mit Minze und Paprika oder Rote Beete, die mit Ziegenkäsekrümeln serviert wurde. Wir hatten Hühnchen, Steak und Fisch – und schließlich das Dessert. Mein Highlight: Topfencrème mit Kalamansi-Kokos. Außerdem gab es von Björn Moschinski einen veganen Eiersalat aus Nudeln und einem speziellen Gewürz. Der Kaviar oben auf war aus Algen. Ich gebe zu, dass ich nicht bemerkt habe, dass es kein echter Eiersalat ist – Timo schon. Bei der veganen Mousse au Chocolat bin ich nicht hinter das Geheimnis gekommen. Aber mit tierischen Produkten oder ohne: Sie hat auf jeden Fall nach mehr geschmeckt.

Der Wein kam beim Cologne Genuss Derby von der Nahe, und zwar vom Winzer Tobias Rickes. Den weißen Wein Anpfiff fand ich sehr passend zum heißen Sommertag – sehr spritzig. Rickes beschrieb ihn selbst als „Spaßwein, der nicht so schwer ist, ein guter Einstieg in den Abend“. Auch für den Rickes Rosé konnte ich mich begeistern: „Er hat wenig Säure und ist sehr elegant“, so Rickes. Einzig mit dem Rotwein „Der Kosmopolit“ habe ich mich schwer getan. Zwar beschreibt Tobias Rickes ihn als „ausgewogen, gibt kein pelziges Gefühl“. Aber ich glaube, mir war er irgendwie zu geschmacklos. Aber das ist ja auch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks.

(Bettina Blaß)

Als Journalisten halten wir uns an den Pressekodex des Presserats. Wir waren von Sion zum Cologne Genuss Derby eingeladen.

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