Nürnberger Whiskey aus der Hausbrauerei Altstadthof

Lager in den Felsengängen
Lager in den Felsengängen

Dass in Bayern gutes Bier gebraut wird, weiß jeder. Manchmal ist es aber besser als gut – und manchmal kommen aus Bierbrauereien auch noch andere Spirituosen. So ist es beispielsweise in der Hausbrauerei Altstadthof in Nürnberg. Reinhard Engel, Inhaber, braut nämlich nur mit Biogerste, -malz und –hopfen aus der Region. Diese Rohstoffe sind jedoch gar nicht so einfach in Bioqualität zu bekommen, denn besonders der Hopfen ist sehr anfällig für Pilze und Krankheiten. „Darum wird Hopfen auch zu gut 99 Prozent konventionell angepflanzt“, erklärt Engel. Er musste bei einigen Landwirten Überzeugungsarbeit leisten, bis sie sich auf seinen Wunsch einließen.

Engel braut jedoch nicht nur Biobier, sondern unter anderem auch das Nürnberger Rotbier, das man in der Stadt bereits im Mittelalter getrunken hat. 1305 soll das malzbetonte kupferfarbene Bier das erste Mal erwähnt worden sein. Im Laufe der Jahrhunderte war es jedoch in der Region fast vom Markt verschwunden, bis Reinhard Engel 1984 das Spezialbier wieder braute. Acht Wochen reift das Bier, bevor es in der Bügelflasche oder im Fass abgefüllt und dann im zugehörigen Brauhaus ausgeschenkt wird. Kaufen können es Interessierte im hauseigenen Brauereiladen. „Unser Bier ist ein Frischeprodukt“, sagt Engel. Nur zwei Monate sei es haltbar und darum für den Handel nicht geeignet.

Bierbrand und Whiskey

Reinhard Engel macht aber nicht nur Bier in seiner Brauerei: Seit 1999 hat er auch Bierbrände im Angebot und seit 2003 sogar Whiskey. Tatsächlich sind speziell beim Whiskey die Produktionsschritte gar nicht so unterschiedlich zum Bier: Im Single Malt Whiskey ist auch Malz, der geschrotet, gemaischt und geläutert wird wie beim Bier. Allerdings muss die Maischwürze nicht kochen, und Hopfen fügt man beim Whiskey auch nicht hinzu. Dafür wird nach der ersten Gärung destilliert. Was am Ende herauskommt, lagert Engel erst in neuen US-amerikanischen Weißeichefässern im Felsenkeller unter dem Gebäude. Die Nachreife bekommt sein Whiskey in Fässern, die schon einmal benutzt worden sind, beispielsweise für die Lagerung von Cognac oder Portwein. Dadurch bekommt der Whiskey eine ganz eigene Note. Dann verkauft er seinen Organic Single Malt Whiskey, den ersten dieser Art in Deutschland. Er nennt ihn Ayrer’s, denn der Altstadthof hieß früher Ayrershof. Auch Privatleute lassen hier übrigens ihren eigenen Whiskey reifen. Dazu kaufen sie eines der 30 oder 50 Liter Fässer für die Nachreifung – je nach Geschmack. Manche bevorzugen eine Sherrynote, andere Bordeaux oder Rum.

Das Lager im Felsenkeller

Wer Bier brauen will, brauchte einen kühlen Keller zum Lagern. Das war schon immer so. Und darum ist es auch kein Wunder, dass unter der Hausbrauerei und einem Großteil des Nürnberger Burgbergs Felsengänge sind, die zwischen 1500 und 1700 angelegt wurden. Je nachdem, auf welcher Ebene man ist, hat es dort zwischen null und zwölf Grad Celsius – hervorragend, um Bier zu lagern. Einige Felsgänge nutzt Reinhard Engel noch heute, um seine Produkte reifen zu lassen.

Wer sich dort umschauen möchte, nimmt am besten an einer Führung durch die Felsgänge teil. Diese Führungen scheinen sehr beliebt bei Nürnberg-Touristen zu sein: Während ich in der Hausbrauerei Altstadthof war, fanden einige Führungen statt, und immer standen viele Menschen in der Schlange für die Karten an. Während der Führungen bekommt man übrigens auch Einblick in die Brauerei.

Ich besuchte die Hausbrauerei Altstadt während einer Bloggerreise nach Nürnberg, finanziert von der Congress- und Tourismuszentrale Nürnberg.

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