München: Staunen in der Residenz

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Blick auf die Feldherrenhalle und Theatinerkirche
Blick auf die Feldherrenhalle und Theatinerkirche

37 Millionen Euro hat die Sanierung des Königsbaus in der Residenz in München gekostet. Gedauert hat sie zehn Jahre – und seit Anfang Juli können jetzt die Prunk- und Sammlungsräume besichtigt werden. Durch die Sanierung hat die Residenz München 20 ganz neue Ausstellungsräume bekommen. Neben der Königswohnung gibt es dort auch eine Porzellansammlung, die beispielsweise Menschen aus ihrer Zeit in traditioneller Kleidung zeigt. Eine Frau stillt ein Baby, ein junges Mädchen und ein Mann stehen Wange an Wange und teilen sich Trauben aus einem Korb. Auch Tafelsilber und gedeckte Tische sind zu sehen, so beladen mit Platten, Schüsseln und Tellern, das man meint, sie müssten sich eigentlich unter dem Gewicht biegen. Hinzu kommen die anderen Sehenswürdigkeiten in dem verschachtelten Komplex in der Innenstadt: das Cuvilliés-Theater zum Beispiel mit den prunkvollen Dekorationen und roten Sitzen, die Höfe und die Schatzkammer, in der es von Schwertern, Orden und Schmuckstücken funkelt. Kurz gesagt: Wer das Schloss besuchen will, sollte ausreichend Zeit einplanen. Wir waren dort gut drei Stunden unterwegs. Allerdings haben wir uns in den labyrinthischen Gängen und Treppen ein wenig verlaufen, so dass wir die hochgelobten Miniaturgemälde im obersten Stock des Königsbaus leider verpasst haben.

Nach drei Stunden in der Residenz bin ich übersättigt

Dafür sind wir durch das Trierzimmer mit der anschließenden Flucht an Räumen gegangen, durch die Kurfürstenzimmer und durch das tunnelartige Antiquarium, das das älteste erhaltene Zimmer in der Residenz ist. Sie war übrigens ab 1508 Wohn- und Regierungssitz vieler bayrischer Herzöge, Kurfürsten und Könige. Zugegebenermaßen waren wir nach drei Stunden aber so gefüllt vom Anblick mit Marmor und Gold verzierter Wänden, bunt bemalter Decken und aufwändig gearbeiteter Holzmöbel mit Schnitzereien und Intarsien, dass wir kaum noch in der Lage waren, mehr Schönes auf- und wahrzunehmen und uns für die Fülle der gezeigten Schätze weiter zu begeistern. Für das Theater, das Museum und die Schatzkammer gibt es ein kombiniertes Eintrittsticket. In die Höfe kommt man zumindest teilweise kostenlos. Der hübsche Kabinettgarten mit dem Wasserbecken und den Rosen sowie der Mauer zur Allerheiligen-Hofkirche hat mir besonders gut gefallen. Er ist eine kleine Oase der Ruhe. Der Eingang ist beim Instituto Cervantes, und erinnert nicht nur deswegen an einen Platz irgendwo in Südspanien.

Kabinettsgarten
Kabinettsgarten

Mitten in der Stadt: die Residenz

Wie es für einen Regierungssitz sinnvoll ist, liegt das Schloss mitten in der Stadt. Direkt vor ihr ist die Feldherrenhalle und die Theatinerkirche, um die Ecke ist der Hofgarten. Wer also in München ist, kann ganz spontan entscheiden, ob er dort einige Stunden verbringen will. Und andersrum: Besucher, die irgendwann genug gesehen haben, sind schnell in der Stadtmitte, um dort ein Kontrastprogramm zu starten. Nur wenige Meter entfernt ist die Einkaufspassage Fünf Höfe, die alleine deswegen interessant ist, weil die Architektur sich von der anderer Shoppingtempel deutlich unterscheidet: Von der Decke hängen beispielsweise Pflanzenballen, an anderer Stelle wurde mit ungewöhnlichem Lichteinfall gearbeitet.

 

Laufstrecke vorbei an der Residenz

An dem Gebäude vorbei führt übrigens auch eine schöne Laufstrecke: Wer am Wochenende früh morgens aus Richtung Löwenbräukeller kommend über die Brienner Straße läuft, überquert einen fast auto- und menschenfreien Königsplatz, der auf zwei Seiten von trutzigen Gebäuden gerahmt wird. Kurz danach kommt man am NS-Dokumentationszentrum vorbei, einem modernen Kasten, der im deutlichen Gegensatz steht zu seiner Nachbarschaft. Von dort ist es nicht mehr weit bis zum Odeonsplatz, der U-Bahn-Haltestelle für alle, die auf diesem Weg zur Residenz anreisen. Direkt dahinter liegt der Hofgarten, den man diagonal durchquert. Dann kreuzt man einen Weg, läuft in den Finanzgarten hinein und folgt den Schildern unter einer vielbefahrenen Straße hindurch in den Englischen Garten. Hier kann man natürlich stundenlang im Grünen laufen, oder nach einem ausführlichen Besuch im Museum auch einfach nur im Gras liegen, und die Schönheit der Natur auf sich wirken lassen.

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