Lichterfahrt durch den Hafen im Hamburg

Lichterfahrt durch den Hamburger Hafen
Lichterfahrt durch den Hamburger Hafen

Viertel vor elf an einem Freitagabend, noch zu früh fürs Bett, aber ganz sicher zu spät für mich um noch zu arbeiten. In anderen Branchen ist das nicht so. Dort, wo Zeit noch mehr Geld ist als in meinem kleinen Büro. Beispielsweise im Hamburger Hafen. Hier fahren um diese Zeit noch nahezu synchron Greifer an Metallschienen nach vorne, senken sich, und heben einen der Container aus grün-, weiß- oder orangefarben lackiertem Metall in die Höhe. Das sieht leicht aus, aber die Container sind gute 2,50 Meter breit und 6 oder 12 Meter lang. Ihre Ladung kann alles Mögliche sein – vom Auto über Tiere bis zu verderblichen Lebensmitteln. Im Hafen in Hamburg werden sie auf Schiffe geladen, die sie quer über die Meere in andere Länder bringen.

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Hamburger Hafen auf Platz 3 europaweit

8,9 Millionen Containern mit gut 100 Millionen Gütern werden hier verladen, Flüssiggüter wie Rohöl oder Schüttgüter wie Korn, Kohle oder Erz. Der Hafen der Hansestadt ist somit der größte in Deutschland, nach Rotterdam und Antwerpen der drittgrößte in Europa. Bevor die Schiffe das offene Meer erreichen, müssen sie allerdings noch gut 80 Kilometer auf der Elbe zurücklegen. Kein Wunder also, dass Hamburg seinen Hafen und sich selbst als Tor zur Welt versteht.

Obwohl der Hamburger Hafen so weit vom Meer entfernt ist, prägt ihn dessen Rhythmus, lerne ich bei einer Lichterfahrt: Denn Hamburg hat einen Tidehafen – fünf Stunden läuft das Wasser ein, sieben Stunden läuft es aus. Ebbe und Flut machen sich also auch hier bemerkbar, und haben damit Einfluss auf die Hafenrundfahrten. Wer eine Lichterfahrt am Abend machen möchte, sollte sich also vorher erkundigen, um wie viel Uhr sie startet. Zusätzlich ist sie auch noch vom Einbruch der Dunkelheit abhängig, denn ohne Nacht kein Licht.

Lichterfahrt mit Industrieromantik im Hafen in Hamburg

Unsere Tour startet um halb zehn mit einer kurzen Runde durch die Speicherstadt – das geht jedoch nur mit den Barkassen und nicht mit den großen Booten. Pünktlich zur blauen Stunde erreichen wir dann den Hafen. Die Lichter an den Kränen, die ihre schlanken Hälse in den Nachthimmel strecken, und die beleuchteten Schiffe spiegeln sich im Wasser. Das hat etwas Wundersames an sich, einen Hauch von Industrieromantik – dabei verbirgt sich trotz aller Automatisierung schwere Arbeit hinter diesem Anblick, und großes Wirtschaftspotenzial.

Faktor Wirtschaft im Hamburger Hafen

Die Schiffe werden übrigens immer größer – nicht immer zur Freude der Firmen im Hafen. Denn liegt ein Terminal hinter einer Brücke, die für die modernen Schiffe zu niedrig ist, dann kann es technisch noch so gut ausgerüstet sein: Es wird immer wertloser, weil die Schiffe es nicht erreichen. So ist es mit dem Terminal in Altenwerder: Die Köhlbrandbrücke ist alt und entsprechend niedrig. Sie wird so zur Schranke, die keine modernen, hohen Schiffe mehr passieren können. Das Beispiel zeigt, wie viele kleine Rädchen funktionieren müssen, damit Wirtschaft funktionieren kann. Ein anderes Beispiel ist ein Mehrzweckfrachter, an dem wir bei unserer Lichterfahrt auch vorbeikommen. Er hat nämlich praktischerweise seine eigenen Kräne an Bord. Das ist wichtig für Fahrten, die beispielsweise zum afrikanischen Kontinent führen. Dort ist die Infrastruktur nämlich oft nicht so gut wie in Deutschland. Mit einem Kran an Bord können Waren schneller entladen und an Bord genommen werden, die Liegezeit sinkt, und damit auch die Kosten.

Die Brücke als Verbindung und Schranke
Die Brücke als Verbindung und Schranke

Hamburger Hafen als Tor zur Welt

Während der Lichterfahrt durch den Hamburger Hafen denke ich darüber nach, wie das mit den Meeren eigentlich so ist: Trennen sie Länder oder verbinden sie sie? Das kann man so oder so sehen: Wer in Marokko am Ufer der Straße von Gibraltar steht und nicht genügend Geld hat, um sie an der schmalsten, nur 14 Kilometer breiten Stelle zu überqueren, wird sich getrennt fühlen vom europäischen Kontinent. Wer ausreichend Geld hat, kann eine Kreuzfahrt von Genua nach Dubai buchen. Dann werden die Meere zu einer von Schiffen befahrenen Straße, die Kontinente verbindet. Auch hier geht es also wieder um Wirtschaft. Darum geht es auch, wenn asiatische oder europäische Schiffe die Fischbestände vor der Küste des afrikanischen Kontinents leerfischen, und den dort lebenden Menschen eine Existenzgrundlage entziehen.

Mein Fazit nach 90 Minuten des Nachdenken während der Barkassenfahrt: Wer beim Thema Meere und Häfen nur an die große Freiheit denkt, an den Salzgeruch in der Luft und pinkfarbene Sonnenuntergänge, hat ausgelutschte Klischees im Kopf, die zwar auch heute noch ein kleiner Mosaikstein im Gesamtbild sein mögen. Aber Meere sind heute so viel mehr als nur ein Ort um einen all-inclusive Urlaub im Vier-Sterne-Ressort zu machen. Sie sind ein Wirtschaftsfaktor – zu dem auch der Tourismus beiträgt. Und sie sind Politikum. Das sollte man nie vergessen – schon gar nicht, wenn man ans Meer fährt, um dort die schönste Zeit des Jahres zu verbringen.

Diesen Artikel habe ich Rahmen der Blogparade Europa und das Meer unter dem Schlagwort #DHMMeer geschrieben.

Ein Gedanke zu „Lichterfahrt durch den Hafen im Hamburg

  • 23. Juli 2018 um 15:11
    Permalink

    Vielen herzlichen Dank, dass du nach #SchlossGenuss nun auch bei #DHMMeer mitmachst – eine klare Bereicherung. Wir hatten schon zwei Kreuzfahrerblogger zum Thema, und einen Kritiker dazu sowie Anja mit dem Seerecht. Aber noch keiner schrieb über den Hafen als Wirtschaftsfaktor, so glaube ich. Ich verliere langsam den Überblick, da es bislang schon 83 famose Beiträge gibt, die mich einfach nur sprachlos machen. Ich habe nicht mit so einer positiven Annahme der Blogparade gerechnet.

    Antwort

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