Köln: Was man im Alltag gerne übersieht

Einfach so vorbeigegangen. An einer Plakette, einem Denkmal, einem Brunnen oder einer Skulptur. Dabei haben diese meistens einen Sinn. Sie erinnern an etwas oder jemanden. Um die Erinnerung wach zu halten, muss man darüber berichten, denn sonst werden viele Dinge vergessen. Weil man sie im Alltag eben übersieht. Diese Liste wird fortwährend ergänzt werden.

Rosa-Winkel-Mahnmal am Rheinufer

Ich finde ja, das Rosa-Winkel-Mahnmal steht etwas versteckt am Rheinufer in Köln, und schmutzig ist es auch. Kein Wunder, dass viele im Alltag achtlos daran vorbeigehen. Das Mahnmal erinnert an die schwulen und lesbischen Opfer des Nationalsozialismus – und es steht am Rhein schon seit 1995. Das rosa Dreieck wurde im Nationalsozialismus benutzt, um Schwule zu kennzeichnen. Sie wurden aufgrund ihrer sexuellen Neigung in Konzentrationslager gesperrt und ermordet.

Wo die Synagoge in der Körnerstraße in Ehrenfeld stand

Köln: Was man im Alltag gerne übersieht
Gedenktafel an die niedergebrannte Synagoge

In Köln-Ehrenfeld gab es einst eine Synagoge. Sie stand in der Körnerstraße und wurde 1938 in der Reichspogromnacht zerstört. 2007 brachte man dem Gebäude, das heute am Platz der Synagoge steht, eine Gedenktafel an. Sie ist nicht sehr auffällig, teilweise verborgen hinter einem Busch, und das darunter stehende Gedenklicht samt Blumenstrauß ist nicht besonders ansehnlich. Falls Ihr sie sucht: Die Gedenktafel hängt an dem Haus direkt neben dem Hochbunker.

Gedenken an die Aids-Toten

Wer in der Altstadt unterwegs ist, hat sicherlich schon einmal die Pflastersteine gesehen, in die Männernamen graviert sind. Diese Kunstinstallation “Namen und Steine” ist denjenigen gewidmet, die in den vergangenen Jahrzehnten an Aids gestorben sind.

Bierbrunnen in der Schildergasse

Den Brunnen in der Schildergasse habt Ihr sicherlich alle schon gesehen. Manche denken bei seinem Anblick an einen Vibrator. Die Granitsäule heißt aber auch “Bierbrunnen” – und zwar weil tatsächlich unterirdische Leitungen zu einem Bierwagen in einer Nebenstraße führen. So konnte man zumindest früher dort zu bestimmten Festen Bier aus dem Brunnen zapfen. Im übertragenen Sinn soll der Brunnen an das ehemalige Zunfthaus der Bierbrauer erinnern, das früher dort in der Nähe stand.

Köln: Was man im Alltag gerne übersieht
Wasser statt Bier kommt aus der Granitsäule in der Schildergasse

Edith Stein, Nonne, Philosophin, Frauenrechtlerin

Am Börsenplatz, also mitten in Köln, steht das Denkmal, das Edith Stein gewidmet ist. Sie war Philosophin, Frauenrechtlerin und Nonne und wurde in Auschwitz ermordet.

Wo August Horch am Audi gearbeitet hat

Kennt Ihr die Sparkasse auf der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld? Bestimmt! Möglicherweise habt Ihr dort sogar schon einmal am Automaten Geld abgehoben. Aber habt Ihr jemals einen Blick auf die goldene Tafel geworfen, die rechts am Haus einige Meter über Eurem Kopf hängt? Solltet Ihr mal machen, da steht nämlich, was in diesem Haus 1899 passierte:

August Horch
August Horch

Ein Mann mit Namen August Horch entwickelte hier Pläne für ein Auto. “Horch” – wo sind die Lateiner? Genau, hier ist das Geburtshaus des Audi. Mitten in Köln-Ehrenfeld. Und täglich gehen und fahren tausende Menschen an diesem Haus, an diesem Schild vorbei, ohne es zu bemerken. Sie übersehen es einfach. Das hat sich hoffentlich durch diesen kleinen Beitrag für immer geändert – zumindest bei dir.

Der Artikel wurde zuletzt im Juli 2020 aktualisiert

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