Herford: Zwischen Leckerbissen und versteckter Kunst

Keine alltägliche Architektur
Keine alltägliche Architektur

Das Parkhaus ist mein erstes Ziel in Herford. Und das, obwohl ich mit dem Zug aus Bielefeld angereist bin. Das verwundert mich ein bisschen, allerdings führe ich in Köln auch gerne Gäste in die Tiefgarage unter dem Dom, denn dort gibt es Reste aus der Römerzeit zu bestaunen. Die finden wir in Herford im Parkhaus nicht, aber wer auf dem obersten Deck weit genug geht, hat plötzlich, nach einer Baumkrone, den vollen Blick auf das Museum Marta. Der Name steht für Museum – Art – Ambiente, und dass diese Kombination einen Frauennamen ergibt, ist durchaus passend für die Stadt im Teutoburger Wald, die sich selbst „Stadt der starken Frauen“ nennt. Hier gab es nämlich unter anderem zwei Fürstäbtissinnen, die zu ihrer Zeit den männlichen, weltlichen Stadtführern die Stirn boten.

Das Marta war ursprünglich als Ausstellungsort für Möbel konzipiert worden. Zwar spielen diese noch immer eine feste Rolle im Konzept des Museums, doch die Kunst steht heute im Mittelpunkt. Wer sich das Gebäude von Architekt Frank Gehry vom Deck des Parkhauses anschaut, sieht, dass die Kunst nicht erst im Inneren beginnt: Hier gibt es keine rechten Winkel, dafür ein Dach, das mit Techniken aus der Luftfahrt gebaut wurde. Im rechten Teil, der Dom genannt wird, sind die Ausstellungen untergebracht, über dem Eingang ist ein Stück Dach, das man Rutsche nennt. Die Kunst beginnt also schon außerhalb der Gebäudemauern, und dass man den besten Blick aufs Museum vom Parkhaus hat, das muss man wissen.

Simone Janson von Berufebilder hat sich ausführlicher im Marta umgesehen.

Wo in Herford Kunst versteckt ist

Wer Herford nicht so gut kennt, sollte mit jemandem durch die Stadt spazieren, der das weiß. In meinem Fall ist das Angelika Bielefeld. Ohne sie würde ich vermutlich kein einziges der vielen versteckten Kunstwerke hier entdeckt haben. Allein im Umfeld des Museums gibt es davon nämlich vier weitere:

  1. Ein Hubschrauber steht hinter einem Baum auf einem Sockel. Seine Rotorblätter drehen sich zu Ausstellungseröffnungen.
  2. Vor dem Museum steht auf einer Säule die Figur des Rappers 2Pac. Die Säule wird in regelmäßigen Abständen von Künstlern neu besprüht.
  3. Hinter dem Museum fließt die Aa. Dort hinein führt auf der anderen Flussseite eine Art Schwimmbeckenleiter. Und auch sie ist ein Kunstwerk.
  4. Gegenüber des Marta ist das Elsbachhaus. Dort ist im Treppenhaus eine Kunstgalerie untergebracht.

Ähnlich gut versteckt ist eine Hexentreppe über der Aa, die so filigran ist, dass man sie kaum erkennen kann. Sie erinnert daran, dass zu Zeiten der Hexenjagd hier Frauen der Wasserprobe unterzogen wurden und dabei sehr oft starben. Schließlich gibt es noch gegenüber des Frühherrenhauses ein unscheinbares Häuschen mit heruntergelassenen Rollläden. Sie werden am späten Nachmittag geöffnet, und dann läuft dort ein Film. Leichter zu erkennen sind die spiegelnde mannshohe Kugel „La Palla“ auf der Straße zwischen Elsbachhaus und Marta sowie der zugehörige und dorthin führende Boulevard der Künste, auf dem ein Rilke-Gedicht steht.

Das Elsbachhaus in Herford

Das Marta liegt übrigens im so genannten Bügelviertel. Der Name kommt erstens von der Straßenführung, die an einen Kleiderbügel erinnert, zweitens wurde in diesem Teil der Stadt früher Wäsche hergestellt. Das Elsbachhaus, genau gegenüber vom Marta, war einst das größte Wäschehaus Europas. 1938 wurde das 1844 gegründete Unternehmen arisiert, denn die Besitzer waren Juden. Fast die ganze Familie konnte nach Montevideo fliehen, doch Käthe, eine geborene Elsbach, und ihr Mann, die in Hamburg lebten, wurden in Auschwitz ermordet. Bevor sie deportiert wurden, hatten sie ihren Kindern in England noch einen Teil ihrer Bibliothek geschickt. Sie ist heute zur Erinnerung an die Familie und das Unrecht, das ihr angetan wurde, zumindest teilweise im Elsbachhaus in einem mehrere Stockwerke hohen Schrank ausgestellt.

Was man sich in Herford noch ansehen sollte

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  • In der Straße Holland steht der ehemalige Firmensitz der Firma Poggenpohl. Der Tischlermeister Friedemir Poggenpohl lebte hier in einem Schieferhaus und startete seine Karriere mit Jugendzimmern und Särgen. Poggenpohl gehört heute zu den ältesten Küchenmarken in Deutschland.
  • Die Johanniskirche hat ein Chorgestühl, das zum Teil aus dem Jahr 1650 stammt. Hier hatte jede Zunft ihren festgelegten Sitzplatz. Das kann man heute noch an den Wappen erkennen. Die Kirche wird allerdings nur noch in den Sommermonaten und an Weihnachten für Gottesdienste genutzt, weil sie so schwer zu heizen ist.
  • Die Fußgängerzone ist eine der ältesten in Deutschland, und sie verbindet die Marktplätze.
  • Rund um den Rathausplatz gibt es neben dem schlossartigen Rathaus das Münster, schräg gegenüber das zweitälteste Fachwerkhaus Westfalens und einige hübsche, alte Häuser.

Leckereien in Herford

Dir ist das zu viel Kunst und Geschichte? Dann kannst du Herford auch kulinarisch erleben. Bekannt ist das Herforder Pils, das nicht nur während des Hoeker-Festes in Strömen fließt. Leckereien gibt es jedoch auch hier:

  • Das Café Kettler ist ein Traditionscafé, sagt mir Angelika Bielefeld. Dort werden Herforder Pralinen hergestellt, und im Café kann man jemandem anonym einen Kaffee ausgeben, der nicht genügend Geld dafür hat.
  • Nicht weit davon ist das Kontor Café. Dort wird der Kaffee selbst geröstet.
  • Am Alter Markt gibt es Föge, eine Kneipe. Das Besondere an diesem Platz: Hier war seit 400 Jahren immer ein Gasthaus, seit etwa 1900 in dem heutigen Gebäude.
  • Im Stadtteil Radewig gibt es die Eis Bar Kurz mit ungewöhnlichen Eissorten. Ich hatte Eis mit gerösteten Hanfsamen.
  • Schräg gegenüber wird Schokolade von Ludwig Weinrich verkauft. Das Familienunternehmen gibt es in der vierten Generation. Es wurde 1895 gegründet.

Herford soll noch schöner werden

Wer über einen Besuch in Herford nachdenkt: Das lohnt sich noch mehr ab 2019. Denn in der Stadt wird gerade viel geplant und gebaut. So soll die Aa mehr ins Stadtleben eingebunden, und der Wilhelmsplatz verschönt werden. Ähnlich wie in Köln wird es am Flussufer künftig breite Stufen geben, die zum Sitzen einladen sollen. Außerdem entsteht eine Markthalle gegenüber des Rathauses. Dort soll es nicht nur Verkaufsstände geben, sondern auch Gastronomie und eine Showküche. Auch in der Stadt wird viel gebaut – ein Zeichen dafür, dass etwas passiert.

Als Journalistin halte ich mich an den Pressekodex des Presserats. Ich war in Herford während der #TeutoBloggerWG von Teutoburger Wald Tourismus unterwegs. Die Kosten für die Anreise, die Unterbringung, Verpflegung und die Stadtführung durch Herford wurden vom Veranstalter und seinen Kooperationspartnern getragen.

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