Einbeck: zwischen Fachwerk und Pferdestärken

Fachwerk in Einbeck
Fachwerk in Einbeck

Wer zum ersten Mal durch das niedersächsische Einbeck geht, staunt nicht schlecht: In der Innenstadt reihen sich bucklige und schräge Fachwerkhäuser aneinander. Viele sind restauriert, die Holzschnitzereien in den Balken mit Farben bunt bemalt. In der Stadt gibt es viele Hinweisschilder, die Interessierte über die Geschichte der Stadt aufklären. So erfahre ich beispielsweise an einer Station Einbecker Bierpfades, dass die Fachwerkhäuser nach dem Brand 1540 gebaut wurden, und dass die hohen Eingangstore ein Zeichen dafür sind, dass in diesen Häusern im Erdgeschoss gebraut wurde. Typischerweise waren darüber die Wohnräume, ein Stockwerk höher schlief man und in den hohen Dächern trocknete man das Getreide. In Einbeck ist außerdem die Bürgerinitiative Sch(l)aufenster aktiv, die den Leerstand in der Stadt verdecken möchte, damit die Einbeck weiterhin attraktiv bleibt.

Im PS Speicher

In einem der schönen, alten Häuser ist auch das Stadtmuseum und das Radhaus untergebracht. Doch als ich an einem Samstag gegen 17.30 dort ankomme, ist das Haus leider schon geschlossen. Schade, denn ich hätte freien Eintritt gehabt, da ich den Nachmittag im PS Speicher am Rand der Innenstadt verbracht habe. Dort lagerte früher Getreide, bis zu 1500 Tonnen hätte das Gebäude getragen. Heute schauen sich Besucher im ehemaligen Silo 300 Motorräder und Autos an, der Bruchteil einer privaten Sammlung. 75.000 Besucher habe man im ersten Jahr gehabt, erfahre ich bei einer Führung, die mit einem Laufrad von 1812 beginnt.

Wer sich durch die sechs Etagen führen lässt, muss eineinhalb Stunden einrechnen, und sich auf viele technische Details gefasst machen. Nötig ist die Führung nicht zwingend, denn das Museum ist interaktiv: An vielen Stellen kann der Besucher weiterführende Informationen auf Infotafeln aus der Wand ziehen oder an entsprechenden Stationen Filme und Animationen ansehen und Audio anhören. In einem der Filme erfährt man, dass ein Motorwagen, wie das Auto genannt wurde, 4075 Mark kosten sollte. Doch so recht glauben wollte man daran nicht, dass das Gefährt, ein Benz Victoria, ohne Kutscher fahren könne. An einer Station kann der Besucher mit einem Hanomag durch eine virtuelle Stadt fahren. Wenn er gegen die Verkehrsregeln verstößt, sammelt er auf dem Weg zum Ziel Strafpunkte. „Hier sollen eigentlich die Enkelkinder fahren“, sagt unser Besucherführer, „doch ich sehe meistens die Großväter mit glänzenden Augen hinter dem Lenkrad sitzen.“

Die Ausstellung wirft übrigens nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft: Es sind moderne Transportmittel ausgestellt, beispielsweise ein Fahrrad in einer Art überdimensionalem Ei. „Nicht nutzbar im Norden“, sagt der Besucherführer. „Bei einer Angriffsfläche von fast zwei Quadratmetern wirft der Wind hier oben den Fahrer schnell um“. Natürlich kann man sich auch über praktikablere Zukunftslösungen informieren: Elektroautos und vernetzten Wagen sind ebenfalls Stationen gewidmet.

Im Rennsimulator

Höhepunkt der Ausstellung ist für viele Besucher der Porsche-Rennsimulator auf einer der bekannten Strecken. Wer hier fahren möchte, benötigt einen Termin und ein zusätzliches Ticket. Wie in einem richtigen Auto tritt man aufs Gas und auf die Bremse, die Kupplung muss man nicht benutzen und auch Schalten ist nicht nötig. Das heißt jedoch nicht, dass die Fahrt einfach ist: Das Lenkrad ist sehr, sehr sensibel, und ich brauchte erst einmal Zeit, um das Auto überhaupt gerade auf de Straße zu halten. Später kommen dann noch die Kurven hinzu, die mit kleinen Pfeilen angezeigt werden – und zack hing ich das erste Mal in der Bande. Aber Spaß gemacht hat’s trotzdem.

Den PS Speicher und den Rennsimulator habe ich während eines Bloggerwochenendes auf Burg Hardenberg besucht.

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