8 Tipps für Norderney

Am Ostende von Norderney
Am Ostende von Norderney

Die Strandpromenade einige Male auf- und abgehen, ab und zu einen Aperol in den Kneipen trinken – und dann zurück auf dem Festland erzählen, wie schön Norderney ist. Das machten die meisten Touristen auf der Nordseeinsel so, erzählt mir Andreas. Dabei sei es doch der Osten, der die Insel eigentlich ausmacht, und nicht der Westen, in dem sich der Ort angesiedelt hat. „Im Osten“, erzählt Andreas, „da hat man eine solche Vielfalt. Meer und Sandstrand, Naturschutzgebiet und Wiesen – und eine unglaubliche Ruhe“. Als er damals zu einem Kurzurlaub auf der Insel war, da hat er sich in den Osten verliebt. Und zwar so sehr, dass er sich eine Arbeitsstelle auf Norderney gesucht hat, um hier immer zu leben.

Natur auf Norderney genießen

Ich stelle bei meinen Ausflügen zu Fuß und mit dem Fahrrad fest, dass Andreas recht hat: Der Osten ist viel unberührte Natur, zumindest im November ziemlich menschenleer, und einfach schön. Allerdings muss man schon ganz schön fit sein, wenn man ihn erkunden möchte: Vom Ortskern bis zum letzten Parkplatz sind es gut acht Kilometer. Und von dort wandert man weitere fünf bis sechs Kilometer, um den östlichsten Punkt der Insel zu erreichen, von dem aus die Häuser auf der Nachbarinsel Baltrum zum Greifen nah aussehen. Dort liegt auch das Schiffswrack, verrostetes Metall im feinen Sand.

Darum lautet mein Tipp 1: Packt unbedingt Eure Lauf- und Wanderschuhe ein, um möglichst viel von der Insel zu erleben. Ich habe meine Strecken bei Komoot hinterlegt und in einem zweiten Artikel näher beschrieben.

Wer nicht fit genug ist, um die ganze Strecke aus eigener Kraft zurückzulegen, der kann auch den Bus nehmen. Der fährt zumindest einen Teil des Weges, allerdings nicht besonders oft am Tag. Alternative: Auf der Insel fahren Taxis. Oder wer selbst mit dem Auto angereist ist, kann es natürlich nutzen, um vom Parkplatz außerhalb des Ortes zum Ostheller Parkplatz zu kommen.

Tipp 2: Ihr braucht kein Auto auf Norderney. Die Fähr- und Parkplatzgebühren könnt Ihr Euch sparen. Die Anreise mit dem Zug bis Norddeich-Mole ist unkompliziert, der Umstieg auf die Fähre ebenfalls. Auf Norderney könnt Ihr viel zu Fuß und mit einem Leihfahrrad machen.

Was man auf Norderney noch machen kann

Ich bin immer ein Freund davon, die Touristenmassen hinter mir zu lassen. Auf Norderney ist das ziemlich einfach möglich, indem man den Zentrumsbereich und die Strandpromenade meidet. Aber auch im Zentrum gibt es kleine Oasen. Da ist – und das ist Tipp 3 – beispielsweise die rote Inselkirche aus Backstein mitten im Ort. Durch die Mauern hört man Orgelmusik, obwohl kein Gottesdienst ist. Vorsichtig drücke ich die Türklinke, und bin überrascht von der rot-weißen Holzausstattung innen. Der kleine ehemaligen Friedhof ist zwar keine große Sehenswürdigkeit. Trotzdem lohnt sich der Besuch: Hier stehen Steine und Metallkreuze, die von der Zeit und vom Wetter verwittert sind. Nur auf wenigen lässt sich die Schrift entziffern: So liegt dort ein Matrose der kaiserlich königlichen österreichischen Fregatte, der 1884 auf Norderney angetrieben wurde. Oder der „Führer der Jacht seiner Majestät des Königs“, gestorben im September 1872. Man ist eben auf einer Insel.

Sonnenuntergang von der Georgshöhe
Sonnenuntergang von der Georgshöhe

Tipp 4: Der Sonnenuntergang ist auf Norderney ein wichtiges Ding. Fast jeden Abend verwandelt sich der Himmel erneut in eine Landwand für den größten Künstler überhaupt, die Natur. Viele Touristen versammeln sich dazu an der Milchbar, um das Spektakel zu verfolgen. Wer auf der Strandpromenade einige Meter weiter Richtung Osten geht, kommt zur Georgshöhe, und noch etwas weiter zu einer kleinen Aussichtsplattform. Dort sind nicht so viele Touristen, und man hat zusätzlich einen 360 Grad Blick auf den Himmel.

Im Bademuseum
Im Bademuseum

Tipp 5: Auf Norderney gibt es ein Bade-Museum. Das ist zwar ziemlich textlastig, aber trotzdem interessant. Ich war dort deutlich länger, als ich selbst erwartet hatte. Besonders fasziniert hat mich ein früher Inselbesucher, dessen Tagebuch an einer Multimediastation in Auszügen vorgelesen wird. Passend dazu werden die entsprechenden Fotos gezeigt. Als dieser Inselbesucher damals auf Norderney war, reiste er von Bremen aus mit dem Schiff an. 13 Stunden war er unterwegs, und natürlich sind alle Mitreisenden seekrank geworden. Im Museum wird auch die Bademode der vergangenen Jahrhunderte gezeigt, und das Prinzip des Badewagens vorgestellt. Unvorstellbar, dass man früher nicht einfach ins Wasser sprang, sondern einen solchen Umstand machte, und die Wagen erst ins Wasser rollte, um dann wenige Minuten zu baden, und wieder in den Wagen zurückzugehen. Theoretisch könnte man auch das Fischereihaus oder den Leuchtturm besichtigen. Bei meinem Besuch im November war jedoch beides geschlossen.

Tipp 6: Selbst, wenn es draußen schon kalt ist: Auf Norderney gibt es einige Möglichkeiten, im Salzwasser zu schwimmen. So steht am Kurplatz das Badehaus, und in einigen Hotels sind auch Gäste willkommen, die dort nicht nächtigen. Im Thalasso Hotel Nordseehaus beispielsweise gibt es auch Aquafit-Kurse, zu denen man sich anmelden muss. Damit sie stattfinden, braucht es allerdings eine Mindestteilnehmerzahl. Nachfragen lohnt sich.

Genuss auf Norderney

Tipp 7: Wie alle Nordseeinseln setzt Norderney auf Sanddorn. Den bekommt man auf dem Festland eben nicht überall. Kein Wunder, dass die Produkte bei den Gästen beliebt sind. Ich hatte Sanddorn-Grog, Sanddorn-Sprizz, Sanddorn-Kuchen und Milchreis mit Sanddorn. Einfach die Augen offen halten, man kommt an den kleinen orangefarbenen Früchten eigentlich nicht vorbei.

Damit verbunden ist auch schon Tipp 8: Auf Norderney gibt es sehr viele stylishe und doch gemütliche Cafés. Kaffee und Kuchen, ein Aperitif oder ein Digestif gehören zum Nordseeinsel-Urlaub dazu. Ob man unbedingt in die Lokale gehen muss, in die alle anderen gehen, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Ich habe zum Glück auch weniger überlaufene Örtlichkeiten gefunden.

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