5 Dinge, die ich nicht über Leipzig wusste

Leipzig: An der Nikolaikirche
Leipzig: An der Nikolaikirche
Irgendwie hat mich in den letzten Jahrzehnten nichts nach Leipzig geführt. Zwar besuchte ich mit dem Deutsch-Leistungskurs 1989 bei einer DDR-Rundreise die Stadt. Und ich erinnere mich noch genau an die traurigen Augen meines Deutschlehrers, als er Auerbachs Keller sah – der damals etwas heruntergekommen war. Allerdings ist das unfassbare 26 Jahre her. 26 Jahre, in denen Leipzig sich verändert hat. Umso positiver war ich jetzt von der Stadt überrascht. Denn der Zufall bescherte mir hier einige Stunden.

Ich stelle schon bei der Ankunft fest, dass ich nahezu nichts über Leipzig weiß, nicht einmal, dass sich die Stadt mit Halle den Flughafen teilt, so wie Köln mit Bonn. Wir nehmen die Bahn in die Stadt, landen aber zunächst auf dem falschen Bahngleis, denn leider haben die Flughafenverwaltung und die Deutsche Bahn versäumt, an den Rolltreppen zu den Gleisen Hinweisschilder anzubringen, wo die Züge nach Leipzig fahren. Zweite negative Überraschung: Es gibt genau einen Fahrkartenautomaten auf dem Gleis, davor steht eine Schlange von acht Reisenden, und es sind noch fünf Minuten, bis die Bahn kommt. Kurz entschlossen kaufen wir über die Bahn-App ein IC-Ticket, das mit Bahncard 50 drei Euro kostet, und hoffen, uns damit bei einer Kontrolle ausreichend ausweisen zu können. Am Hauptbahnhof steigen wir aus, gehen auf einen kleinen Park zu, biegen rechts ab – und stehen mitten in der Altstadt an der Nikolaikirche, also der Kirche, die in den aufregenden Monaten bis zum Mauerfall eine wesentliche Rolle spielte. Von jetzt kommt eine Überraschung nach der anderen.

Hättet Ihr das gewusst?

  1. Leipzig ist eine sehr junge Stadt. Mir kommt es so vor, als ob wir unter all den jungen Menschen den Altersdurchschnitt heben würden. Kein Wunder, denn hier studieren über 28.000 Studenten. Sie sitzen in Grüppchen und Gruppen in der Sonne im Park, einige stehen an den Straßenecken, machen Musik und hoffen auf eine finanzielle Unterstützung.
  2. In Leipzig gibt es auffallend viele Punks. Sie sitzen in Gruppen am Park vor dem Hauptbahnhof oder in der Fußgängerzone. So viele Punks wie in Leipzig habe ich zuletzt in den 1980ern gesehen.
  3. In Leipzig gibt es außerdem auffallend viele Luxusgeschäfte wie Uhr- oder Delikatessläden. Das spricht dafür, dass die rund 530.000 Einwohner hier und im Umfeld ganz gute Verdienstmöglichkeiten haben.
  4. Leipzig ist eine ausgesprochen musikalische Stadt: Richard Wagner ging hier zur Schule, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy lebten hier genau so wie Clara Schumann. Wer sich für Musik interessiert, kann mehr über die Künstler und ihre Werke bei einem musikalischen Stadtrundgang erfahren.
  5. Leipzig ist eine sehr gepflegte Stadt mit wunderbar restaurierten Gründerzeithäusern, die den zweiten Weltkrieg überlebten, und heute herrliche Fotomotive abgeben. Und ganz abgesehen davon ist sie viel sauberer als beispielsweise Köln

Leider habe ich nicht erfahren, wie Leipziger Kohlrouladen schmecken. Die Bedienung in dem von uns gewählten Restaurant legte zwar größten Wert darauf, Speisekarten zu ordnen und Kissen zurechtzurücken. Unsere Bestellung wollte sie jedoch wohl nicht aufnehmen. Wir sind darum weitergezogen in eine Pizzeria und haben dort Salat gegessen. Keine lokale Spezialität – aber trotzdem gut.

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