Ausflug nach Wilhelmshaven

Wilhelmshaven, Marinemuseum
Wilhelmshaven, Marinemuseum

Es liegt wie ein großer brauner Wal im Wasser, hinter einem ausgemusterten Zerstörer der deutschen Marine. Mein Blick bleibt daran hängen, als ich die Kaiser-Wilhelm-Drehbrücke in Wilhelmshaven überquere. Sie wird mehrmals am Tag geöffnet, damit große Schiffe und solche mit hohen Masten die Brücke auf ihrem Weg in die Nordsee passieren können. Überhaupt, Schiffe: In Wilhelmshaven dreht sich viel um sie, denn hier ist seit 2012 der einzige Tiefseehafen Deutschlands, der Jade Weser Port. Und der größte Standort der deutschen Marine, der zweitgrößte überhaupt der Bundeswehr.

Kein Wunder also, dass hier auch das Deutsche Marinemuseum beheimatet ist. Neben vielen Details zur deutschen Marinegeschichte vor den beiden Weltkriegen, während dieser Zeit und danach, gibt es ein Außenareal, in dem die Besucher drei Schiffe erkunden können: das Minensuchboot Weilheim, den Zerstörer Mölders und das U-Boot U10 – das ist der große braune Wal, den man schon aus der Ferne sieht. Mich beeindruckt bei allen dreien die Enge. Ich kann mir schwer vorstellen, wie 334 Besatzungsmitglieder auf der Mölders lebten und arbeiteten, noch weniger, wie das auf den wenigen Quadratmetern Platz in der U10 möglich war. Die Rundgänge durch die drei Boote sind meine persönlichen Highlights in Wilhelmshaven. Ich habe für den Besuch des Museums übrigens nach Vorlage des Presseausweises keinen Eintritt bezahlt.

Boote und maritimes Leben der Gegenwart sieht, wer die große Hafenrundfahrt für rund 11 Euro macht. Sie geht in den warmen Monaten täglich mehrmals am Helgolandkai los und dauert etwa eineinhalb Stunden. Von hier fährt man in den Jade Weser Port, dorthin, wo riesige Sauger LKW-Ladungen aus Frachtschiffen ziehen und Containerschiffe be- und entladen werden – und das in einer Geschwindigkeit, als ob die Container das Gewicht eines Wattebausches hätten. Auch an den modernen Marinebooten der Bundeswehr fährt man vorbei – und an vielen kleinen Segelbooten, die sich neben den Großen wie Nussschalen ausmachen.

Zwischen Marinemuseum, Helgolandkai und der Jadeallee erstreckt sich an der Wasserseite der Wilhelmshavener Südstrand mit Strandkörben, kleinen Restaurants und Hotels, manche neu gebaut, andere renoviert. Hier zeigt sich Wilhelmshaven von seiner besten Seite. Auch das Wattenmeer-Besucherzentrum ist hier angesiedelt – schließlich ist die Region UNESCO Weltnaturerbe, und das muss entsprechend gewürdigt werden.

Bummel durch die Fußgängerzone

Weniger reizvoll ist dagegen die Wilhelmshavener Innenstadt entlang der Marktstraße. Zwei Mode-Boutiquen haben genau so geschlossen, wie der Goldschmuckladen oder der Fotofachhandel. Am Ende der Haupteinkaufsmeile stehen sogar drei Ladengeschäfte nebeneinander leer. Ein Porzellanladen macht Räumungsverkauf, ebenso ein Outdoor-Laden und noch einige mehr. Als wir am Feiertag hier einen Kaffee suchen, sind alle Geschäft geschlossen, nur in der Passage am Hauptbahnhof hat ein Café geöffnet. Am Samstag drängen sich zwar die Menschen in der Fußgängerzone, doch das macht ein Gefühl der Trostlosigkeit nicht wett. In den umliegenden Straßen hängen grellgrüne Zettel in vielen leeren Fenstern: Man sucht Mieter, provisionsfrei natürlich. Der Quadratmeterpreis ist etwa halb so hoch wie in Köln. Ein Imbissbesitzer sucht einen Nachmieter, der Bio-Supermarkt hat längst geschlossen. Selbst der Sex-Shop ist nicht mehr da – aber immerhin in ein größeres Ladenlokal umgezogen.

Die Verlängerung der Fußgängerzone ist gesperrt, auf einem Flohmarkt verkaufen Wilhelmshavener Cassetten, Porzellan, Bücher und Kleidung. Eine Frau, schätzungsweise jenseits der 70, hat eine Decke vor sich liegen: fünf Tassen bietet sie zum Kauf, ich hoffe, sie kann vom Erlös die Standgebühr bezahlen und es bleibt noch etwas für Sie übrig. Ich fürchte, sie kann es gut gebrauchen. 2014 lebten etwa 78.000 Menschen in Wilhelmshaven, rund 25 Prozent sind älter als 65, die Arbeitslosenquote lag bei 12,8 Prozent. Zum Vergleich: in der Bundesrepublik ist die Arbeitslosenquote derzeit etwa halb so hoch.

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