Wochenende im Wendland

Ich gebe es offen zu: Bis vor einigen Wochen hatte ich keine Ahnung, wo das Wendland eigentlich liegt. Heute weiß ich, es ist eine sehr dünn besiedelte Region in Niedersachsen, im Grenzland zwischen den Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Kilometerweit kann man hier über die Felder schauen, ohne Häuser zu sehen. Dafür gibt es Schweine, Schafe, Kühe und Pferde. Jenseits der Landstraßen durchquert man auf einspurigen Straßen ab und zu kleine Orte. Sie heißen Tolstefanz, Quarstedt oder Rehlbeck. Irgendwann erreicht man so Bleckede und kann von dort zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto die Elbtalaue auf beiden Seiten des Flusses erkunden. Bis Schnackenburg zieht sich das Biosphärenreservat, und so gibt es an beiden Elbufern viel Natur zu sehen, aber auch Museen und Erinnerungsstücke, die die deutsch-deutsche Geschichte erzählen. Mehr über unseren Ausflug in die Elbtalaue lest Ihr auf den Seiten des Kartoffel-Hotels.

Im Kartoffel-Hotel

Das Erste Deutsche Kartoffelhotel gibt es bereits seit 27 Jahren, und der Leiter Olaf Stehr erzählt uns bei einem Kaffee und köstlichem Kartoffel-Schokokuchen seine Geschichte. Das Hotel ist übrigens Teil eines Rundlingsdorfes. Sie gibt es in dieser Region recht oft, und sie haben häufig die Form eines Kreises. In der Mitte steht ein Baum mit einer Bank, und wie Tortenstücke gehen die Grundstücke hinter den umstehenden Häusern ab. In die Rundlingsdörfer führte früher jeweils nur eine Straße, die den ganzen Tag bewacht wurde. So schützten sich die Dorfbewohner vor Feinden. Mehr über die Rundlingsdörfer lernt man auch im Rundlingsmuseum, das direkt neben dem Kartoffel-Hotel liegt. Hinter dem Hauphaus stehen viele weitere Gebäude, in denen man sich zum Leben in der Vergangenheit informieren kann: Möbelstücke, Trachten, Viehzucht – ein Museum zum Anfassen und absolut sehenswert.

Zum Weiterlesen:
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Mal anders übernachten: 1. Deutsches Kartoffel-Hotel

Das Hotel liegt in Lübeln, einem Dorf mit 200 Einwohnern. 26, so erfahren wir bei einem Abendspaziergang mit der Direktionsassistentin, sind echte Lübelner, die anderen sind zugezogen. Zwar bietet der Ort nicht viel Infrastruktur, aber Grundstücks-Quadratmeterpreise von 20 Euro sind eben kaum zu toppen. Die Straßennamen in diesem Neubaugebiet erzählen übrigens Geschichten: Auf der Swinswiete beispielsweise hütete früher der Schweinehirte die Schweine, während heute dort Einfamilienhäuser stehen. Hier wohnen auch der Installateur, der Schreiner und der Elektriker. Und der Schulbus hält zweimal am Tag, um die Kinder zum Unterricht zu bringen: Nur vier Kilometer ist das nächste Gymnasium entfernt.

Sehenswertes auf dem Weg

Knapp 40 Kilometer entfernt liegt eine ganz andere Attraktion: Der Hauptbahnhof in Uelzen wurde nämlich von Friedensreich Hundertwasser gestaltet. Selbst, wenn man nicht mit dem Zug reist, lohnt es sich, auf dem Parkplatz hinter dem Bahnhof für einige Minuten zu halten und sich das Gebäude von außen und innen anzusehen. Selbst die Toiletten sind Kunst. Im Bahnhof gibt es übrigens auch Führungen.

Weniger schön, dafür aber sehr informativ und unendlich traurig ist ein Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die wohl bekannteste dort gestorbene Jüdin ist Anne Frank. Während auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers nur noch wenige Gedenkstätten an die Vergangenheit im Nationalsozialismus erinnern, wird im zugehörigen Gebäude die Geschichte auf zwei Stockwerken aufgearbeitet. Es gibt dort viel zu lesen, viele Originaldokumente und auch Filme zu sehen, die die britischen Soldaten drehten, nachdem sie das Konzentrationslager befreit hatten. Das ist nichts für schwache Nerven, aber in Zeiten, in denen Fremdenfeindlichkeit wieder Teile der Gesellschaft prägt, ein wichtiges Zeitzeugnis und eine Mahnung.

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