Warum Heiligenhafen nicht ganz mein Fall ist

Ich will hier weg, ist das Erste, was ich denke, als ich in Heiligenhafen ankomme. Denn was ich sehe, ist trostlos: Hochhäuser, die mich sehr an die funktionalen Plattenbauten der DDR erinnern, viele davon – und zwar ausgerechnet dort, wo der Kursaal, das Haus des Kurgastes, Minigolf, Kinderspielplatz und einige Restaurants sind. Meine ehrliche Meinung dazu: Das muss geändert werden. Solche Bausünden mag heute niemand mehr sehen. Und das bezieht sich auch auf die nebenliegenden Hotel- beziehungsweise Appartment-Komplexe. Allerdings, erzählt mir ein Einheimischer, dass das gar nicht so einfach ist, denn die Wohnungen in diesen Bauten sind Privateigentum. Und man kann schließlich nicht einfach deren Eigentum plattmachen und neu bauen – auch wenn es noch so hässlich ist.

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Heiligenhafen: Apart-Hotels sind nicht mein Fall

Nun denn, ich bin nur eine Woche hier, und das bei einer BKK-Aktivwoche – also Augen zu und durch. Bestimmt hat der Ort auch was Schönes zu bieten. Allerdings wartet gleich die nächste unangenehme Überraschung auf mich. Denn gebucht habe ich ein Hotel. Untergebracht werde ich jedoch in einem Apart-Hotel. Das sind Ferienwohnungen, die zentral verwaltet werden, und in denen man alle paar Tage neue Handtücher und Klopapier bekommt. Nun finde ich Ferienwohnungen an sich schon schrecklich, aber wenn sie auch noch in solch einer klobigen Anlage untergebracht sind, mag ich sie schon zweimal nicht. Da helfen auch Laminat, ein weißer Tisch und Edelstahlstuhlfüße nicht mehr weiter. Spätestens beim Anblick der verstaubten künstlichen Orchideen in der Vase mit grünblauem Dekoglas frage ich mich, welche Zielgruppe man hier glücklich machen möchte. Hinzu kommt das Wetter: Wenn es regnet, ist es nirgends schön. Kein guter Start in eine Woche an der Ostsee.

In der Altstadt von Heiligenhafen

Interessant finde ich, dass Heiligenhafen ein geteilter Ort ist: Zwischen Meer und Binnensee sind hauptsächlich die Touristen, Steinwarder nennt sich dieser Teil der Stadt. Landeinwärts leben die Einheimischen. Die, so erzählt mir ein Taxifahrer, möchten mit dem Touristenzentrum am liebsten gar nichts zu tun haben und finden es auch eher schrecklich. So wie ich auch. Ganz ehrlich: Ich finde, man merkt das. Gut für Heiligenhafen ist das jedoch nicht. Schließlich lebt der Ort zumindest teilweise vom Tourismus. 

Eher landeinwärts sind übrigens auch der Hafen und die Altstadt. Zumindest werden einige Straßenzüge mit Kopfsteinpflaster und einem Marktplatz so genannt. Sie sind tatsächlich auch ganz nett. Aber: Die Attraktivität Heiligenhafens erschließt sich auch dort nicht wirklich, sondern dann doch eher am Strand.

Entlang des Strandes von Heiligenhafen – einmal links, einmal rechts

Steht man am Meer, kann man einmal links herum eine Runde laufen oder rechts ins Naturschutzgebiet gehen. Die Runde nach links hat sich schnell erledigt: Der Weg geht erst in Sandstrand über, dann in Steinstrand, dann geht man einige wenige Meter über eine Wiese und auf einen schmalen Weg – und schon steht man am Leuchtturm. Hier ist die Steilküste Heiligenhafens, die nicht im geringsten mit der auf Rügen zu vergleichen ist, sondern eher langweilig daher kommt. An ihr führt ein Trampelpfad entlang. Nach einem Rastplatz geht scharf rechts durch ein Gatter oder über einen Kuhsteg ein Wiesenweg über die Weide, auf der große Rinder stehen. Folgt man dem Weg, kommt man wieder zurück zu den Hochhäusern am Ufer des Binnensees. Das sind knapp sechs Kilometer.

Heiligenhafen: Raus zum Naturschutzgebiet

Geht man am Meer stehend den Weg nach rechts, kommt man ins Naturschutzgebiet. Dort steht ein futuristisch anmutender Turm, von dem man Vögel beobachten kann. Zugegeben, ich hatte mir das Naturschutzgebiet eher so wie auf Norderney vorgestellt: Relativ menschenleer und kilometerweit quer durch die Dünen führend. In Heiligenhafen führt erst ein gepflasterter, später ein geteerter Weg Richtung Turm in Graswarder. Nur am Ende ist der Weg unbefestigt, aber auf der linken Seite stehen Häuser und wohnen Menschen. Das Meer sieht man also kaum. Weil ich auf dem Stadtplan von Heiligenhafen gesehen hatte, dass eine Laufstrecke am Strand entlang führt, bin ich bei der ersten Möglichkeit auf dem Rückweg abgebogen – um im Nichts zu enden. Und weil man die privaten Grundstücke nicht überqueren darf, musste ich also am Strand wieder einige Minuten zurückgehen. Bei strömendem Regen.

Warum Heiligenhafen nicht ganz mein Fall ist
Blick über den Binnensee zum Kurzentrum

Eine alternative Strecke führt übrigens am Yachthafen vorbei einmal um den Binnensee. Im Sommer kann man am See auf Holzliegen relaxen, im kalten Herbst bietet sich das weniger an. Wenn man die Strecke schnell geht, braucht man etwa 45 Minuten. Wer Lust auf mehr Training hat, hält sich am Yachthafen eher links. Dann kommt man automatisch auf den Weg, der zum gut versteckten Leuchtturm in Strandhusen führt. Von dort kann man über den alten Bahndamm zurück in den Ort kommen. Vom Kurhaus aus sind das hin und zurück ungefähr elf Kilometer. Die Runde ist allerdings eher eintönig.

Touristenattraktion in Heiligenhafen: Seebrücke und Marina

Außerdem habe ich auf dem Rückweg an der Seebrücke kurz gestoppt. Sie ist blitzförmig angelegt und gilt als besondere Attraktion. Das mag bei gutem Wetter gelten. Dann sind die hölzernen Liegen auf dem Steg bestimmt begehrt. Und sicherlich mögen Kinder auch die Spielplätze auf dieser Brücke. Ich könnte zugegebenermaßen darauf verzichten. Allerdings wundere ich mich über die beiden Angler, die bis fast zur Brust im Wasser stehen, wo ich längst vermutet hätte, dass man keinen Kontakt mehr zum Boden haben kann. Das Wasser am Strand scheint also seicht zu sein.

An die Seebrücke schließt die Marina an. Sie ist modern und stylish. Hier gibt es Restaurants, Bars, Imbissbuden und einen Tante Emma Laden in Bio-Qualität. Wenn ich schon eine Ferienwohnung habe, dann möchte ich mir auch Tee kochen können, denke ich mir, und kaufe einzelne Beutel mit so schönen Namen wie „Peace“ und „Love“.

Warum Heiligenhafen nicht ganz mein Fall ist
Am Strand

Meine BKK Aktivwoche in Heiligenhafen

Sportlich betrachtet war die BKK Aktivwoche schon in Ordnung. Das Team von Baltic fit hat sich viel Mühe gegeben, auf jeden Teilnehmer so einzugehen, dass er etwas aus der Woche für sich mitgenommen hat. Da das Wetter schlecht war, waren wir allerdings die meiste Zeit im Fitnessstudio – und haben dort mit Langhanteln und Faszienrollen gearbeitet. Ich habe die Woche durch drei Laufrunden angereichert. Ein zweites Mal würde ich dort trotzdem nicht mehr hingehen: Heiligenhafen hat einfach nicht eine so beeindruckende Natur wie Borkum oder Wangerooge, leider hat es kulturell und historisch auch nichts zu bieten. Stattdessen verbringt man die Woche im Touristenghetto aus den 70er Jahren. Die einzig positive Abwechslung des Tages führt Richtung Marina, um möglichst dort etwas zu essen. Allerdings hat auch das Tücken:

Essen in Heiligenhafen

Heiligenhafen ist an Wochenenden ziemlich voll. Dementsprechend schwierig kann es gerade zu den Stoßzeiten werden, einen Platz in einem Restaurant oder Café zu bekommen. Kommt dann noch der Regen dazu, und können die Terrassen dementsprechend nicht genutzt werden, kann es richtig schwierig werden – zumindest wenn man nicht in jeder Spelunke einkehren will. Für 20 Euro bekommt man in Heiligenhafen in der Regel eine vernünftige Hauptmahlzeit, oft gibt es natürlich Fisch, in der Regel mit Kartoffelsalat, Bratkartoffeln oder Fritten. Für acht bis zehn Euro bekommt man üblicherweise eine Tasse Cappuccino und ein Stück Kuchen.

In Heiligenhafen sind übrigens besonders viele ältere Gäste deutlich jenseits der 60 und Familien mit Kindern. Solo-Traveller wie mich sieht man eher selten. Früher, so erzählt mir ein Einheimischer, seien nach Heiligenhafen eher diejenigen gekommen, die nicht so viel Geld hatten. Die mit Geld nämlich sind eher nach Timmendorfer Strand oder Scharbeutz gereist. Das allerdings ändere sich gerade: Es kämen vermehrt Gäste, die Geld haben und ausgegeben wollen. An sie richten sich besonders die Angebote an der Marina und im Yachthafen. Aber um ehrlich zu sein: Mir scheint, dass auch dort noch einige Restaurants beziehungsweise Mitarbeiter Nachholbedarf haben, wenn es darum geht, anspruchsvolle Gäste zufriedenzustellen.

Wo es mir in Heiligenhafen geschmeckt hat – und worüber ich mich geärgert habe

Kaffee und Kuchen in Heiligenhafen

Positiv überrascht bin ich von der Bäckerei Junge. Sie gibt es mehrfach in Heiligenhafen, beispielsweise im Aktivhus und an der Marina. Man bestellt an der Theke, wird gefragt, ob man den Cappuccino lieber kräftiger oder eben nicht so kräftig möchte, trägt sein Tablett zu einem freien Tischchen und hat eine gute Zeit. Kuchen und Gebäck ist lecker.

Im Holy Harbour Café hatte ich Waffeln mit Pflaumenkompott und Sahne. Meiner Meinung nach etwas zu teuer, aber lecker. Das Café gehört zum Beach Motel, in dem es auch ein Restaurant gibt. Dort wollte ich die ganze Woche über essen, habe es aber leider aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht geschafft. Würde ich nochmals nach Heiligenhafen reisen, würde ich vermutlich dort ein Zimmer buchen, weil mir gefallen hat, was ich dort gesehen habe – auch wenn die Preise etwas höher sind. Leckeren Kuchen und Kaffee für kleineres Geld gibt es auch im Sutsche, direkt an der Promenade.

Abendessen in Heiligenhafen

Ich habe eigentlich nie schlecht in Heiligenhafen gegessen. Trotzdem gibt es bei den meisten Restaurants ein Aber:

Spelunke: Die Spelunke ist ein Restaurant im Hotel Bretterbude an der Marina. Stylish mit großen Tischen und wenigen kleinen, mit Rudern an der Wand und Kanus an der Decke, mit einer Holzveranda, auf der geraucht werden darf, und mit einer Speisekarte, auf der unter anderem bayrische Gerichte stehen. Das ist in Heiligenhafen an der Ostsee nicht ganz mein Favorit. Also entscheide ich mich für eine zumindest saisonale Mahlzeit: Flammkuchen klassisch mit Federweißer. Dazu eine Apfelschorle und Milchreis mit Roter Grütze. Preis: mit Trinkgeld 21 Euro.

Eigentlich war ich dort ganz zufrieden. Doch als ich einige Tage später dort für Kaffee und Kuchen einkehre, bin ich enttäuscht. In frage den Kellner nach den Kuchensorten und bekomme als Antwort: „Ich habe keine Ahnung. Wir haben jeden Tag andere. Geh’ an die Vitrine und schau’ dort selbst.“ Bähm. Wie wäre es das nächste Mal mit dieser Antwort: „Ups, erwischt! Ich weiß es leider nicht, aber ich erkundige mich, was wir noch haben und komme gleich zu dir zurück.“?

Warum Heiligenhafen nicht ganz mein Fall ist
Fischhalle Heiligenhafen: gut!

Die Fischhalle im Hafen. Dort bekomme ich für 17,50 Euro zwei große Stücke Lachs mit Fritten und einen großen Salat. In der Fischhalle ist Selbstbedienung. Das Essen war gut.

Tamatsu an der Marina. Mit 19,50 Euro für die Tuna Poké ist die Hauptmahlzeit hier nicht ganz günstig. Weil ich einen Rosé dazu trinke, wird es deutlich teurer. Die Tuna Poké ist viel besser, als ich erwartet hatte: Mit Rucola, ein bisschen scharf durch den Ingwer, cremig durch die Avocado, das Ganze mit Sushi-Reis auch sättigend – und dann noch der Thunfisch dazu, der nicht aus der Dose kommt. Gelungen. Ich würde sogar sagen: Das war das beste Essen in der ganzen Woche in Heiligenhafen.

Jetzt kommt das Aber: Ich verstehe nicht, warum ich an den schlechtesten Tisch im Restaurant gesetzt worden war, und dann auch noch mit Blick unter die Treppe. Gut, ich sah vom Wind zerzaust aus, hatte nicht die besten Klamotten an, war alleine unterwegs, aber das war irgendwie blöd – insbesondere, weil das Restaurant fast komplett leer war. Ich gebe zu, dass ich mich nicht beschwert habe, weil ich einfach keinen Bock hatte. Stattdessen habe ich mich einfach auf die andere Seite des Tischs gesetzt – und hatte dann einen netten Blick und nicht mehr das Gefühl, am Katzentisch sitzen zu müssen. Allerdings hat mich die Rechnung überrascht: Es fehlte beispielsweise die Steuernummer. Und eine „Info-Rechnung“ gibt es eigentlich auch nicht. Da ich mit Karte bezahlt habe, kann der Betrag zwar nicht am Finanzamt vorbei gebucht werden. Ich mag so etwas trotzdem nicht. Kunden sollten eine ordnungsgemäße Rechnung bekommen, damit gar nicht erst der Verdacht aufkommt, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

Käppen Plambeck. Das Restaurant gehört zu einem Hotel, das von außen etwas in die Jahre gekommen aussieht. Vor dem Haus gibt es ein Zelt mit Seitenwänden und Heizpilz, in das ich mich setzte. Das Essen war gut: Matjesvariation mit Bratkartoffeln und einem Beilagensalat. Mit Getränk 21,80 Euro. In dem Zelt durfte leider geraucht werden, was ich erst bemerkte, als ich es roch. Ich finde ja grundsätzlich, es sollte überall dort Rauchverbot sein, wo am Nachbartisch gegessen wird. Es ist einfach nicht schön, im Gestank zu sitzen, während man isst. In diesem Fall war ich natürlich selbst schuld: Ich hätte ja auch ins Restaurant gehen können. Dort war ich dann zum Bezahlen – und war überrascht, weil es dort ziemlich modern und gemütlich war.

Bistro Nordlicht im Aktivhus. Das war der günstigste Abend in der gesamten Woche: 15,60 Euro für Seelachsfilet im Bierteig und ein Getränk. Tatsächlich bin ich dort nur eingekehrt, weil ich es an diesem Abend etwas eiliger hatte, und andere Restaurants bereits voll besetzt waren. Auch im Nordlicht hatte ich einfach Glück, noch einen Tisch zu bekommen: Drinnen war das Bistro auch voll, aber im Gang des Einkaufszentrums war noch ein Platz – vor einem Automaten mit Flummys, an dem kreischende Kinder ihren Spaß hatten. Egal. An diesem Abend war ich froh darüber.

Osteria Rustica. Rückblickend mein Favorit. Von außen sieht der Italiener an der Promenade etwas mitgenommen aus. Innen ist der Gastraum aber hübsch gemacht – mit flackerndem Feuerchen im Ofen. Für 20,10 Euro bekam ich Pasta mit Lachs, Wasser und ein Glas Rosé. Und zum Abschluss noch einen Limoncello aus Haus.

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