Über Weihnachten auf Kuba: Havanna und weiter

Havanna: die Altstadt
Havanna: die Altstadt

Weihnachten und Silvester auf Kuba. Wie würde das werden? Vorallem sehr anders als in Deutschland, das war klar. Tatsächlich stießen wir im Rahmen einer kubanischen Familie auf einen US-Amerikaner und diskutierten die unterschiedlichen politischen Systeme. Damit hatten wir nicht gerechnet. Doch auch das gehört dazu, wenn man nach Kuba reist.

Obwohl überall kubanische Flaggen hängen und sozialistische Monumente stehen, spürt man als Tourist wenig von der politischen Ausrichtung der Insel. Es gibt überall leckeres Essen, unser Casa ist wunderschön und hat den gleichen morbiden Charme wie der Rest dieser entzückenden Stadt, die Sonne scheint, alles ist wunderbar. Wir haben von der Camera oscura auf Havanna gesehen. Es ist krass, wie verfallen die Stadt ist. Unser heutiger Taxifahrer hat es damit erklärt, dass niemand Eigentum und zudem niemand Zugang zu Baumaterialien hat. Gibt es kein Eigentum, fühlt sich niemand verantwortlich. Und falls sich jemand verantwortlich fühlen sollte, so ist es aufgrund der wirtschaftlichen Situation schwierig, ein Haus in Stand zu halten.

Weihnachten in Havanna

Gisela und Daniel, die Tochter und der Schwiegersohn, die Enkelkinder – alle waren zu Weihnachten da und haben süßen Kuchen gegessen. Wir durften auch dabei sein, und hatten extra Sekt und Schokolade besorgt. Außer uns war ein US-Amerikaner da. Da er offiziell nicht einreisen darf, ist er zuerst nach nach Mexiko geflogen und hatte dort in einem Reisebüro einen Flug nach Kuba und zurück gebucht. Da die Kubaner keine Einreisestempel in den Pass machen, sondern ein Einreiseblatt einlegen und wieder herausnehmen, war das problemlos möglich.
Da saßen wir nun in einer sozialistischen Republik, neben uns ein Vertreter des puren Kapitalismus, wir als Deutsche in der Sonderrolle, denn schließlich hatte es einmal eine DDR gegeben. Die Kubaner unterhielten sich darüber, was wäre, wenn sie nicht länger im Sozialismus leben würden. Schließlich wagten sie, uns zu fragen, wie sich Deutschland verändert habe, seit die Mauer gefallen ist. Ob es besser oder schlechter geworden sei. Das war keine einfache Frage, denn wir wollten niemandem auf die Füße treten. Wir versuchten uns in diplomatischen Antworten, die von beiden Seiten heiß diskutiert wurden.

Eine ganz andere Weihnachtsimpression: Am Malecon, also der Uferpromenade, steht ein riesengroßes Schild, eigentlich eine Plakatwand. Darauf sind Bilder von den in Guantanamo gefolterten Irakern zu sehen. Rechts davon ein Hakenkreuz. Links davon steht „Fascistas – made in USA“. Diese Plakatwand ist nachts angestrahlt. Ich wollte sie eigentlich fotografieren. Aber genau gegenüber steht ein sehr großes Gebäude ist mit unzähligen Soldaten davor. Man darf nicht einmal auf dem Bürgersteig daran vorbeigehen, sondern muss die Seite wechseln. Vor dem Haus ist US-amerikanischer Weihnachtsschmuck. Da auf den anderen Seiten gegenüber des Gebäudes ähnliche Plakate hängen, vermute ich mal, dass das die US-amerikanische Botschaft ist. Ich habe mich darum nicht getraut, ein Foto zu machen.

Weiterreise Richtung Osten und zurück

Nach Havanna besuchten wir Cienfuegos, Trinidad und Vinales. Die meiste Zeit haben wir in Cienfuegos damit verbracht, Wäsche zu waschen. Die Besitzerin des Casa hat keine Waschmaschine, so standen wir mit einem Eimer Wasser an einem Waschstein. Es hat recht lange gedauert, alles sauber zu bekommen, aber es ging. Sehr eigen ist hier übrigens auch das Eisessen. Coppelia ist ja die bekannteste Marke, vielleicht bekannt aus dem wunderbaren Film Erdbeer & Schokolade (Werbelink zu Amazon). Derzeit gibt es aber nur die Geschmacksrichtungen Erdbeer und Banane. Trotzdem bietet die Eisdiele weiterhin alle möglichen Becher-Variationen, eben nur mit Erdbeer- und Bananeneis – dafür mal in hohen Gläsern, mal aus tiefen Tellern oder flachen Schalen.

Tipps für den Kuba-Aufenthalt

  • Wer viel zu Fuß unterwegs ist, sollte besser keine Uhr tragen. Denn die Kubaner fragen Touristen ständig nach der Uhrzeit. Ob sie daran wirklich ein Interesse haben, oder ob es darum geht, ins Gespräch zu kommen, konnte ich nie herausfinden. Ich habe zumindest sehr schnell meine Uhr abgelegt, weil ich es anstrengend fand, ständig angesprochen zu werden.
  • Wir haben immer in Privatunterkünften gewohnt, den sogenannten Casas. Unsere erste Adresse in Havanna war bei beiden Reisen das Haus von Gisela und Daniel. Beide sind Ende 70, und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie bald keine Gäste mehr aufnehmen. Der große Vorteil der Privatunterkünfte: Man kommt nah an die Kubaner heran – vorausgesetzt man spricht spanisch. Wer Zimmer an Touristen vermietet, ist außerdem in der Regel in einem Netzwerk organisiert. Reisen die Touristen weiter, besorgen die Gastgeber aus der ersten Stadt häufig für den nächsten Ort die Unterkunft. Bis auf zweimal funktionierte das bei uns reibungslos.
  • Spanisch öffnet viele Türen: Da wir ein Wochenende in Varadero von Kuba aus buchten, durften wir nicht in ein internationales Hotel ziehen, in dem Pauschaltouristen absteigen, sondern mussten in eines für Kubaner gehen. Das war sehr einfach, aber sauber. Es gibt in Varadero außerhalb der hässlichen Hotelkomplexe nicht sehr viel Infrastruktur. Wir kauften allerdings in einem kleinen Laden Wasser. Die Verkäuferin wollte gerade schließen, als wir kamen. Als wir sie auf Spanisch ansprachen, schaute sie ungläubig. „Ihr sprecht Spanisch?“, fragte sie. Und als wir bejahten, ließ sie uns noch hinein, schloss aber hinter uns die Tür zu, so dass keine weiteren Käufer mehr eintreten konnten. Es scheint wohl selten zu sein, dass Pauschaltouristen in Varadero der Landessprache mächtig sind.
  • In Trinidad gibt es die Casa de la Trova. Dort kann man auf den Treppenstufen sitzend sehr schön kubanische Musik hören und einen Cuba Libre trinken.

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