Nachhaltigkeit, Preise, Covid: Was mir in New York besonders aufgefallen ist

New York City und ich, das ist eine komische Beziehung. An meinen ersten Aufenthalt 1995 habe ich überhaupt keine Erinnerung. 1996 fand ich es nicht besonders beeindruckend. 2012 war ich zwei halbe Tage dort – und war total geflasht. In diesem Jahr nun habe ich sechs volle Tage in New York City verbracht. Ich bin tiefer in die Stadt eingestiegen als je zuvor – und habe trotzdem nur an der Oberfläche gekratzt. 

Was ich alles gesehen, und wo ich gegessen habe, erfahrt Ihr bald in einem weiteren Artikel. Heute geht es mir nur um Dinge, die ich in der Stadt auffallend fand. Vieles davon hängt mit Wirtschaft, Nachhaltigkeit und der Corona-Pandemie zusammen:

New York City ist verdammt teuer

Als Tourist*in merkt man schnell, dass man in der Stadt sehr viel Geld ausgeben kann. Zwar gibt es auch viel, was man sich ansehen kann, ohne auch nur einen Cent ausgeben zu müssen. Times Square oder die Wall Street, der Central Park oder der Broadway beispielsweise. Wer ein Mehrtagesticket für den ÖPNV hat, kann auch kostenlos mit der Schwebebahn nach Roosevelt Island fahren. Die Fahrt ist zwar kurz, aber die Perspektive auf halber Höhe zwischen den umliegenden Häusern ist interessant.

Aber wer auf einen der Wolkenkratzer hinauffahren möchte, muss locker um die 50 Euro zahlen. Auch Essen und Getränke sind ziemlich teuer. Ein Sandwich beispielsweise kostet gut zwischen 13 und 24 Euro. Hinzu kommt dann noch die Tax, also die Steuer. Und der Tip, also das Trinkgeld – üblicherweise in Höhe von 20 Prozent.

Als Tourist*in fragt man sich da schon, wie die Bewohner*innen der Stadt sich das Leben dort leisten können. Sieht man dann, dass allein ein Parkplatz im Monat 450 Euro kostet, will man gar nicht mehr wissen, was für Wohnraum verlangt wird. Übrigens darf man für die 450 Euro nur tagsüber parken. Wer auch nachts für sein Auto keinen Parkplatz suchen möchte, zahlt flotte 100 Euro mehr im Monat, also 550 Euro im Monat.

Wer die Dienstleistungsjobs im Big Apple macht

Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch, dass man in schlechtbezahlten Dienstleistungsberufen wie als Verkäufer*innen, Busfahrer*innen, Mitarbeiter*innen bei der Bahn, Bedienungen oder Security Mitarbeiter*innen kaum Weiße sieht. Fast alle, die in diesen Berufen arbeiten, sind schwarz, haben einen asiatischen oder Latino-Hintergrund. Allerdings gibt es durchaus weiße Obdachlose und unter Drogen stehende Freaks in den Straßen. 

Apropos Freaks: ich hatte gelesen, dass Marihuana in einigen US-Staaten seit einiger Zeit legal ist. Was das aber genau heißt, weiß ich erst seit meinem Besuch: Ganz Manhattan riecht wie das Rotlichtviertel in Amsterdam nach Gras. Selbst durch unseren Hotelflur wabberte Marihuana-Geruch. Auf der Straße verkaufen überwiegend Schwarze Gras an kleinen Ständen, an fast jeder Straßenecke fragen junge Männer: „Weed? Mushrooms?“. Und an den Straßenlaternen kleben QR-Codes, nach deren Scan man beim besten Soft-Drogen-Lieferanten aller Zeiten herauskommen soll. Aber auch ein Marihuana-Bus steht als mobiler Coffee Shop und in bunten Farben lackiert am Straßenrand. 

Alles öko in New York?

Zu diesem Haight-Ashbury-Feeling mitten in Manhattan passen auch die Ökomärkte am Union Square oder in einer Straße, die zum Central Park führt: Ernsthaft gutaussehendes Brot wird dort angeboten, Käse und Wurst aus biologischer Produktion, krummes Gemüse und sehr viele Apfelsorten. In der Nähe des Central Parks steht außerdem am Sonntagmittag eine Abgabestelle für Bio-Müll: Anwohner*innen kommen mit eimerweise Kartoffelschalen, Essensresten und vertrockneten Blumen und werfen diese Reste in die großen Tonnen. Zwei Frauen stampfen den Biomüll zusammen, damit noch mehr hineinpasst.

Nachhaltigkeit, Preise, Covid: Was mir in New York besonders aufgefallen ist
Ökomarkt am Union Square

Im krassen Gegensatz dazu stehen die nach wie vor irren Einwegmüllberge: Kaffee, Burger, Fritten. Alles, was to go ist oder als Street Food angeboten wird, ist in Pappe, Papier und Plastik gehüllt. Aber immerhin muss man beim Einkaufen jetzt für Papiertaschen eine Umweltabgabe bezahlen. Plastiktüten habe ich in Läden nicht mehr bekommen.

Zu diesem Nachhaltigkeitstrend passt auch, dass es in New York City jetzt Fahrradspuren und Leihfahrräder gibt. Zwar habe ich nicht viele Fahrradfahrer gesehen, aber immerhin ist ein Anfang diesbezüglich gemacht.

Und wie ist das in New York City mit Covid-19?

New York war stark von der Corona-Pandemie getroffen. Das wissen wir alle aus den Medien. Trotzdem waren wir etwas verunsichert: Wie würden sich die Menschen in der Stadt im Februar 2022 verhalten? Welche Regeln gelten? Ich habe dazu nicht viel im Vorfeld herausgefunden. Um in die USA zu reisen, benötigte man im Februar 2022 aber immerhin ein Impfzertifikat und einen aktuellen Bürgertest. Im Flughafen von Newark war dann Maskenpflicht. Das galt auch für die Bahn nach New York City und den ÖPNV in der Stadt.

Ich war ziemlich erleichtert, als ich auf die Straße trat und sah, dass wir nicht die einzigen Menschen mit Maske waren. Etwa die Hälfte der Menschen in den Straßen trugen Masken – obwohl ich zumindest keine entsprechenden Hinweise an oder auf den Straßen gesehen habe. 

Außerdem gab es an vielen Straßenecken mobile Testmöglichkeiten. Was ein Test dort kostet, habe ich auf den ersten Blick aber nicht herausgefunden. Weil wir für den Rückflug keinen Test brauchten, habe ich mich darum auch nicht weiter gekümmert.

Ziemlich überrascht war ich übrigens, als die Begegnungsmitteilungen-Funktion auf dem Handy mich am Morgen des zweiten Tages fragte, ob ich nicht vielleicht von der deutschen Corona-Warn-App auf die New Yorker Tracking-App wechseln wollte. Ich hätte nämlich bereits eine Risikobegegnung gehabt. Habe ich dann auch gemacht. Aber als vollständig Geimpfte hatte das keine weiteren Konsequenzen.

Corona und die Gastro

Beim Betreten von Sehenswürdigkeiten und Restaurants mussten wir übrigens fast immer unser Impfzertifikat samt Reisepass vorzeigen. Dabei spielte es keine Rolle, ob man den digitalen QR-Code auf dem Smartphone vorzeigte, den gelben Impfpass oder das EU-Zertifikat. Üblicherweise waren die Kontrolleure zufrieden, wenn sie irgendwo „Covid“ gelesen haben und der Name auf dem Zertifikat mit dem im Personalausweis Ähnlichkeit hatte. Manchmal dachte ich, hätte man einen positiven Befund vorgezeigt, wäre das auch als Impfzertifikat durchgegangen.

In Zusammenhang mit Covid-19 gibt es noch eine weitere interessante Änderung: New York City ist nämlich seit der Pandemie voll mit Außengastronomie in den Straßen und Parks. Das gab es so früher nicht. Jetzt sieht es dort aus wie in vielen europäischen Städten mit liebevoll aufgehängten Lichterketten, Sonnenschirmen und Bistrotischchen. Ein Grund dafür ist wohl, dass auch in New York die Gebühren für die Außengastro in den vergangenen beiden Jahren erlassen wurden. Wie sich das in Zukunft entwickeln wird, muss man sehen. Letztlich hat Außengastro ja auch ganz viel mit Stadtflair und Lebensgefühl zu tun. Das bemerkt man selbst in Köln, wo es seit Beginn der Pandemie so viel mehr Bürgersteigrestaurants gibt.

Mein Fazit: New York hat sich seit meinem letzten Besuch ziemlich verändert. Es hat sich gelohnt, für dieses Update wieder einmal dort vorbeizuschauen.

Wer schreibt hier? Bettina Blass

Bettina Blaß ist Bloggerin, Buchautorin und Verbraucherjournalistin. Sie gibt Seminare und Workshops rund das Internet wie beispielsweise "Personal Branding" oder "Online publizieren". 2021 hat sie das Buch "Zu Fuß durch Köln" herausgebracht.

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