Münster: eine Stadt voller Skulptur Projekte

Anderer Einblick
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Eigentlich bin ich meinem Kunden dankbar dafür, dass ich am Donnerstagmorgen um 7 Uhr bei ihm in Münster, etwa vier Kilometer vom Hauptbahnhof sein soll. Denn um das zu schaffen, müsste ich mitten in der Nacht den Zug in Köln nehmen – oder am Vortag anreisen. Ich habe mich für letzteres entschieden, und bei der Vorbereitung zufällig entdeckt, dass in Münster noch bis zum 1. Oktober die Skulptur Projekte sind. Das Besondere an dieser Kunst-Aktion: Sie findet seit 1977 nur alle zehn Jahre statt. Ich habe also wirklich Glück, dieses Mal dabei sein zu können.

Allerdings bemerke ich schon als ich den Hauptbahnhof verlasse, dass ich nicht die Einzige bin, die sich für die Skulpturen, die in der ganzen Stadt aufgestellt sind, interessiert: Am Info-Stand gegenüber des Bahnhofs drängt sich eine Menschenmenge. Ich bringe darum erst mein Gepäck ins Hotel und gehe dann los Richtung Altstadt. Denn eine Karte im Netz hatte mir gezeigt, dass in der Aegidiistraße und der Pferdegasse einige Skulpturen stehen.

Kunst ist, was man so nennt

Peles Empire sehe ich zuerst, Vorlage ist, so entnehme ich meiner Karte, ein Schloss in Rumänien. Mich erinnert es an eine Ruine. Von hier gehe ich weiter zum LWL-Museum. Dort übersehe ich fast die große Wasserwaage über mir. Doch da sich darunter gerade eine der vielen Besuchergruppen über den Sinn oder Unsinn des Kunstwerks auslässt, hebe ich gerade noch rechtzeitig den Kopf. Jetzt, so scheint es mir überhaupt, bin ich im Zentrum des kollektiven Kunstwahnsinns angekommen: Niederländer fahren in Gruppen auf dem Rad von Skulptur zu Skulptur, Frauen in Sicherheitswesten halten sie und andere Radfahrer davon ab, vor der Rettungszufahrt zu parken – doch andere freie Plätze für Fahrräder gibt es nicht mehr. Asiatinnen laufen mit Sonnenhut und Faltplan quer durch die Innenstadt. Senioren schieben in der Gruppe ihre Rolllatoren, während sie den Ausführungen der Tourführer lauschen und Schulklassen sind mit vielseitigen Fragebogen unterwegs, um während einer Stadtralleye viele Antworten auf Fragen rund um Münster und die Kunst zu finden.

Nach kurzer Zeit bin ich so im Skulpturenrausch, dass ich unschlüssig bin: Die schwarze Matte, die an den dünnen Baum gelehnt ist, ist sie Kunst oder kann sie weg? Steht das rot-weiße Tor in der Gasse beim Prinzipalmarkt da schon lange oder ist es neu? Erkenne ich das Geheimnis der Skulpturen im Lichthof des LWL-Museums besser, wenn ich durch die beiden vorgestanzten Löcher in der Abhängfolie schaue? Und gehört der Drahtbügel mit dem Flatterband im Flur noch zur Skulptur oder nicht? Wenn das Ziel der Skulptur Projekte ist, dass man sich über Kunst im öffentlichen Raum unterhält und darüber nachdenkt, dann hat das bei mir bestens geklappt. Schön, dass ich die Chance hatte, mich in Münster umzusehen.

Übrigens ist die Stadt auch einen besuch wert, wenn es gerade keine Skulpturen gibt, die man ansehen könnte: Ein Nachmittag in Münster. Was mir im Zentrum jedes Mal auffällt: Es gibt nicht so viele Ketten wie in anderen Städten – und trotzdem oder gerade deswegen kann man dort ganz gut einkaufen. Noch ein Pluspunkt: die Franchise-Filialen passen sich dem Stadtbild besser an als beispielsweise in Köln, wo die Einkaufsstraßen überladen und stillos wirken.

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