Hongkong: Tagesausflug nach Macao

Zweisprachige Straßenbilder in Macao
Zweisprachige Straßenbilder in Macao

Nur rund 50 Kilometer von Hongkong entfernt liegt Macao. Der Ort ist, wie Hongkong auch, eine chinesische Sonderverwaltungszone. Unterschied: Hongkong war früher britisch, Macao portugiesisch. Noch heute ist Portugiesisch eine Amtssprache dort, und die Straßen heißen beispielsweise Avenida do Infante Dom Henrique oder Travessa Aterro Novo. Die Straßenschilder sind zweisprachig – chinesisch und portugiesisch.

Große Teile Macaos sehen auch portugiesisch aus: Am Largo do Senado kuscheln gelbe und rosa Häuschen im Kolonialstil aneinander, der Boden ist schwarz-weiß-wellenförmig angelegt mit eingelassenen Fischen, Booten und Ankern, Hinweise auf die einst großen Seefahrernation Portugal. In Kombination mit chinesischen Schriftzeichen und Neonschildern und fast ausschließlich asiatischen Gesichtern in der Menschenmenge ist Macao ein Schmelztiegel der Kulturen. Als ob das noch nicht genug wäre, liegt zwischen Außenhafen und Innenstadt noch das Hotel-Casino-Viertel mit vergoldeten Glasfassaden und dem Grand Lisboa in Form einer Blume. Eine unrealistische Kulisse für eine besondere Auszeichnung: Das historische Zentrum von Macao ist UNESCO Weltkulturerbe.

Das hat zur Folge, dass rund um den Largo do Senado alles farbenfroh, hübsch und gepflegt ist. Wer jedoch die den Platz auf einer Seite begrenzende Avenida de Almeida Rebeiro überquert und in das Straßen-Geflecht der Altstadt eintaucht, sieht ein anderes Macao: Häuser, die dringend einen neuen Anstrich und Verputz benötigen, verrostete Balkongeländer und Fenstergitter, schmutzige Hausflure und Innenhöfe, Müll auf der Straße. Hier sind nur wenige Touristen unterwegs. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass viele Ladenlokale leer stehen und Rollläden geschlossen bleiben.

Hinzu kommt, dass es vom Fährhafen in die Altstadt ein ordentliches Stück Weg ist. Laufen kann man die Strecke nicht, bleibt nur der öffentliche Bus – oder man schmuggelt sich in einen der kostenlosen Casino-Busse ein und geht das letzte Weg zu Fuß. Bei einer gefühlten Temperatur jenseits der 40 Grad ist das jedoch eine schweißtreibende Angelegenheit und nicht jedermanns Sache. Falls man es doch bis ins Zentrum schafft, gibt es kaum einen Grund dafür, sich verfallende Häuser anzusehen, wenn ein Teil der Stadt so bilderbuchschön aufpoliert wurde. Oder doch und gerade deswegen? Kleine Hoffnung: Vielleicht wird Macao schon in wenigen Jahren überall so hübsch sein wie im Zentrum. Schließlich haben die UNESCO-Auszeichnung und die damit verbundenen Auflagen auch aus weiten Teilen Havannas in kurzer Zeit eine Perle gemacht. Möglicherweise gelingt dieses Wunder in Macao ein weiteres Mal.

Cover: eBook China
Cover: eBook China
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