Genusswochenende im Ahrtal: Sterneküche, Wein und Wandern

Auf dem Rotweinwanderweg

„Das Gute liegt so nah“, sagt der Volksmund. Und er hat Recht – zumindest wenn es um ein Wochenende im Ahrtal geht. Denn mit dem Regionalexpress ist man mit einmal umsteigen in etwa eineinhalb Stunden in Bad Neuenahr-Ahrweiler, also schon in Rheinland-Pfalz.

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Wem der Name bekannt vorkommt: Das ist genau dort, wo 2021 die Flutkatastrophe Menschenleben kostete und Brücken sowie Häuser zerstörte. Und ja: In Bad Neuenahr sieht man zumindest derzeit noch ziemlich viele Flutschäden. Das Kurviertel beispielsweise ist noch eine große Baustelle. Die Innenstadt von Ahrweiler ist dagegen überwiegend wieder hergestellt. Hier muss man schon sehr genau hinsehen, um noch Flutfolgen zu sehen – zumindest in der Altstadt. An der Ahr selbst sieht es teilweise noch wüst aus: Der Friedhof, eine Schule, Behelfsbrücken – es gibt noch viel zu tun. 

Nach der Flut im Ahrtal freut man sich umso mehr über Gäste

Unvorstellbar scheint so oder so die Hochwassermarke, die man beispielsweise in Ahrweiler weit über meinem Kopf sieht. Aber auch in Heppingen zeigt an einem privaten Haus eine Marke an, wie hoch im Sommer 2021 das Wasser stand. Auffallend ist dort, dass die Häuser an die Hauptstraße, die vom Bahnhof Heimersheim in den Ort führt und unter Wasser stand, gesäumt ist mit frisch verputzten Häusern mit neuen Fenstern. Spricht man mit den Leuten dort über diese dramatische und traumatische Nacht, hört man viele schlimme Geschichten. Von Menschen, die sich auf die Dächer ihrer Häuser retteten und um ihr Leben fürchteten. Und von Weingütern, die kurz vor der Ernte nichts mehr hatten. Keine Zangen, keine Eimer, keine Pressen – nichts, um die Trauben zu ernten und daraus Wein zu machen. Und die es irgendwie trotzdem geschafft haben.

So schlimm dieser Sommer 2021 war, so wichtig ist es der Region, dass wieder Tourist*innen kommen. Denn viele Familien leben von Gästen im Ahrtal. Und auch wenn man die Flutschäden noch sieht, so kann man dort trotzdem wieder eine gute Zeit verbringen. Um es genau zu sagen: sogar eine äußert genussvolle Zeit. Denn wenn die Ahrwinzer eines können, dann ist es, guten Wein zu machen. Der Blanc de Noir aus dieser Region ist ziemlich bekannt. „Illusion“ soll der erste seiner Art hier gewesen sein, sagt man uns in einem Restaurant. Doch heute haben nahezu alle Winzer*innen an der Ahr den Weißwein aus roten Trauben im Verkauf.

Weinprobe und Übernachtung auf dem Weingut

Genauso wie viele Winzer*innen Weinproben anbieten und Unterkünfte vermieten. Wir waren eher durch Zufall auf das Weinquartier Burggarten in Heppingen gestoßen. Denn die Winzerfamilie kooperierte zu den Fine Food Days in Köln 2023 mit dem Restaurant Der Vierte König im Gottesweg. Dort hatten wir uns zu einem Essen angemeldet und waren von den Weinen sehr angetan. In einem Nebensatz erwähnte der Vertreter von Burggarten dann, dass man eben auch ein kleines Hotel auf dem Gelände habe, und so kam eins zum anderen.

In unser Genusswochenende sind wir entsprechend im Schatzkammer, der Verkostungsstube des Familienbetriebs gestartet. Acht Weine von weiß bis rot, ein Dessertwein und eine Führung durch den Weinkeller füllten unseren Freitagabend. Dazu gab‘s eine Brotzeit mit Käse, Schinken, Blutwurst und mehr. Das Frühstück schloss an dieses Vesper an, allerdings mit einer größeren Auswahl an Wurst- und Käsesorten. Natürlich gibt‘s auch den hauseigenen Traubensaft, der in Weinflaschen abgefüllt schnell mit der Alkohlvariante verwechselt und darum morgens gemieden wird. Ich fand sensationell, dass sich die Mädels im Service merkten, dass ich einen Cappuccino lieber mag als Kaffe, und dass mein Mann eher hartgekochte statt weichgekochte Eier isst.

Durchs Ahrtal wandern

Die Regionalbahn brachte uns samstags nach Ahrweiler. Die zehn Kilometer zurück nach Heppingen sind wir zu Fuß gegangen – erst an der Ahr entlang, dann über den Rotweinwanderweg, der im Sommer bestimmt schöner ist als im November. Trotzdem war das ein netter Spaziergang mit viel Fernblick. Und dabei haben wir das Schönste gar nicht gesehen. Denn alle Einheimischen sagten uns, Marienthal und den Rotweinwanderweg bei Mayschoss müsse man einmal gesehen haben. So haben wir zumindest einen guten Grund, in dieses kleine Paradies in der Nähe von Köln zurückzukehren.

Tipp: Wenn ihr einen Kaffee trinken wollt, solltet ihr das in Ahrweiler machen. In Bad Neuenahr ist wenig Auswahl – zumindest an einem Samstagmittag.

Was ich nicht in Heppingen erwartet hatte, war ein Zwei-Sterne-Restaurant. Das Essen kostet dort etwas so viel wie ein Menü im Ein-Sterne-Restaurant in Köln. Dafür liegt das Steinheuers eben auf dem Land. Von außen sieht man dem Restaurant nicht an, welche Delikatessen innen serviert werden. Vielmehr macht das Gebäude den Eindruck, einen Landgasthof zu beherbergen – was auch richtig ist. Es gibt nämlich zwei Gasthäuser unter einem Dach. Eines bietet einfache Küche an, das andere Restaurant gehört zu den besten in ganz Deutschland – und das seit Jahrzehnten. 

Unser Abend dort war wunderbar, selten habe ich einen so aufmerksamen Service erlebt und eine solche Flexibilität bei einem Sterneessen. Grundsätzlich gibt es nämlich zwei Menüs, aus denen man aber kreuz und quer seine Favoriten zusammenstellen kann. Die Wahl hat man zusätzlich zwischen vier, fünf und sechs Gängen. Wir hatten unter anderem St. Pierre Fisch, Gänseleber, Eifeler Rehrücken und eine Kombination aus Quitte, Birne und Quark. Klingt wie ein perfekter Abend? War es auch! Darum werden wir dort sicherlich irgendwann erneut einkehren.

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