Blindverkostung: Kaviar und Sekt

Kaviar auf Salat
Kaviar auf Salat

Natürlich, Kaviar haben wir alle schon gegessen: ein Häufchen auf hartgekochten Eiern oder über den Salat gestreut beispielsweise. Uns aber auf den Kaviar pur zu konzentrieren, das ist neu für uns fünf Frauen. Wir treffen uns ungefähr einmal im Monat, mal in einem einfachen Restaurant, mal in der Cocktailbar und einmal sogar, um Sterneküche zu genießen. Diesen Monat hatte ich die anderen vier zu uns nach Hause eingeladen, und zwar zur Kaviar-Sekt-Blindverkostung.

Wir hatten sechs verschiedene Kaviar-Gläser vor uns stehen: Zwei gefüllt mit dem schwarzen Rogen vom Seehasen, drei mit Keta-Lachskaviar und ein Gläschen mit Forellenkaviar. Die Preise pro Glas lagen alle zwischen etwa sechs und acht Euro für 100 Gramm. Den Keta-Lachskaviar hatte ich über drei verschiedene Online-Händler gekauft, den Forellenkaviar und ein Glas Seehasenrogen bei Rewe, und das zweite Glas Seehasenrogen hatte eines der Mädels aus dem Fischfachgeschäft mitgebracht. Welcher Kaviar von welchem Händler kam, sahen wir jedoch nicht, weil die Marken abgeklebt waren.

Die Unterschiede beim Kaviar

Ein bisschen aufgeregt waren wir schon: Würden wir Unterschiede feststellen? In Farbe, Geruch, Konsistenz und Geschmack? Oder ist Kaviar einfach Kaviar? Das Ergebnis überraschte uns selbst: Unterschiedlicher hätte es nämlich nicht ausfallen können. Oder anders gesagt: Es gab kein eindeutiges Ergebnis, aber viele Erkenntnisse. Geschmäcker sind eben verschieden. So schmeckt der Seehasenrogen beispielsweise sehr viel salziger als der Forellen- oder der Keta-Lachskaviar. Obwohl ich viel nachsalze, war er mir zu salzig, schnitt bei den Mädels aber besser ab, als die anderen Sorten. Der Forellenkaviar dagegen sieht perliger aus als die anderen: Während die sehr kleinen schwarzen Seehasenrogen fast schon an eine Paste erinnern, ist der Keta-Lachskaviar viel schleimiger. „Das kommt, weil der Forellenkaviar viel kleiner ist als der Keta-Lachskaviar“, sagt Ali Sepehr Das, Inhaber der Firma Sepehr Dad Caviar in Gauting bei München. Je kleiner das Korn, desto weniger Flüssigkeit ist drinnen. Werden Kaviarkörner beim Einfüllen und Transport beschädigt, tritt Flüssigkeit aus – beim Keta-Lachskaviar eben mehr als beim Forellenkaviar. Und das, so Sepehr Dad, sei der Schleim. „Grundsätzlich gilt jedoch: Je größer die Körnung, desto höher die Qualität“, sagt der Kaviar-Experte.

Trotzdem: Das perlige Aussehen des Forellenkaviars kam in unserer Blindverkostung allgemein sehr gut an. Dafür fand seine Konsistenz weniger Anklang: Die Kaviarkügelchen wurden als zu fest im Mund empfunden. Hier schnitt der Keta-Lachskaviar besser ab. Was den Geruch angelangte, waren wir uns übrigens einig: kein Geruch ist genau so schlimm wie ein penetrant fischiger Geruch. Wir hatten sowohl Kaviar, der fischig roch, als auch Kaviar, der nach gar nichts roch.

Was den Geschmack beeinflusst

Ich hatte mir extra für die Blindverkostung Perlmutt-Löffel gekauft, denn normale Teelöffel können anlaufen und vor allem den Geschmack negativ beeinflussen. Eine Rolle spielt aber auch, wie man den Kaviar isst. So schmeckt er beispielsweise ganz anders, wenn er auf Blinis gegessen wird, also auf den kleinen russischen Pfannkuchen, oder auf salzigen Crackern. Wir hatten Cracker in unterschiedlichen Salzstufen – von neutral über leicht salzig bis stark gesalzen. Die Blinis waren mir persönlich zu neutral, bei den Mädels waren sie jedoch sehr beliebt. Außerdem spielt eine Rolle, ob man den Kaviar mit oder ohne Sauerrahm isst: Der neutralisiert den Geschmack nämlich gewaltig. Ich hatte zusätzlich etwas Keta-Lachskaviar über meine Salatportion gestreut, und auch das schmeckte nochmals anders als auf den Crackern. Übrigens sollte man vorsichtig sein, wenn der Kaviar von sich aus sehr salzig schmeckt:“Es gibt Anbieter, die mischen mehr Salz als nötig unter, um das Gewicht zu erhöhen“, sagt Ali Sepehr Dad.

Welche Rolle spielt der Sekt dabei

Natürlich isst man Kaviar am besten mit Champagner oder mit Wodka. Unter der Woche war uns Wodka aber zu hart, und Champagner einfach zu teuer. Darum hatten wir fünf verschiedene Flaschen Sekt gekühlt. Der günstigste lag bei 2,49 Euro und war vom Billig-Supermarkt. Der teuerste war ein Perlwein aus einer Weinhandlung in der Südstadt und lag bei neun Euro. Natürlich sind wir mit ihm in die Blindverkostung eingestiegen, und ich mochte ihn sogar lieber als Sekt zum Kaviar, eben weil er ruhiger war. Die zweite Flasche war ein trockener Sekt, die dritte ein Rosé, der eine leicht fruchtige Note hatte und ebenfalls gut zum Kaviar passte, wie ich finde. Zu den beiden günstigsten Flaschen haben wir es leider nicht mehr geschafft.

Fazit: Mein persönlicher Favorit ist Keta-Lachskaviar mit einem Tupfer Sauerrahm auf leicht gesalzenen Crackern als kleiner Snack zu einem Glas Perlwein – oder zur Verfeinerung von einem gemischten Blattsalat. Meine Freundinnen hatten andere Favoriten, und Einigkeit herrschte eigentlich nirgendwo. Darum lautet mein Tipp: Guter Kaviar muss gar nicht so teuer sein, wie man immer denkt. Nach Fisch schmeckt er übrigens in aller Regel auch nicht. Und wenn Ihr Euren Lieben mal etwas Besonderes auftischen wollt, streut die schönen orange-roten Kügelchen über das Essen. In sehr vielen Fällen wird das dem Gericht eine ganz spezielle Note geben.

Sepehr Dad Caviar hat unsere Blindverkostung mit Produkten für 33 Euro unterstützt.

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