Besuch beim Baudezernenten: Köln könnte künftig richtig schön werden

Das Stadtmodell
Das Stadtmodell

Köln wächst. Ob in den nächsten 25 Jahren 100.000 oder 200.000 Einwohner dazu kommen – oder vielleicht auch viel mehr, das weiß jedoch keiner so genau. Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle – beispielsweise auch, wie viele Flüchtlinge in den kommenden Jahren kommen und vor allem bleiben werden. Sicher ist nur, das Köln wächst. Und das hat Konsequenzen – für den Wohnraum, den öffentlichen Nahverkehr und die gesamte Infrastruktur einer Stadt. Mit der Kölner Journalistenvereinigung haben wir den Baudezernenten Franz-Josef Höing besucht.

„Das ist kein reines Schaumodell“, sagt Höing und weist auf das weiße Modell von Köln im Spanischen Bau des Rathauses. Hier hat man die Stadt im Blick mit dem Dom und dem Rhein und den Brücken. Man verschiebe hier schon ab und zu Gebäude, schaue, ob etwas in Planung vielleicht zu hoch für das Stadtbild werden könnte. So schnell wie sich das Modell verändern lässt, so schnell verändert sich auch die Innenstadt, täglich nämlich, wie der Baudezernent betont. Nicht alles, was passiert, ist gut: Beispielsweise wird die Stadt immer teurer, so dass viele Bewohner sie sich nicht mehr leisten können. Eineinhalb Stunden Pendeln ist in der Zwischenzeit normal, etwa 300.000 Menschen nehmen solche und andere Zeiten nach Köln täglich auf sich. Trotzdem wohnen in der Kölner Innenstadt noch gut 140.000 Menschen, in Hamburg beispielsweise sind es nur noch 14.000, sagt Höing.

Wie sich das Wohnen in Köln verändert

Man rechnet mit 200.000 Neu-Kölnern in den kommenden 25 Jahren, Köln braucht also neuen Wohnraum, 75.000 zusätzliche Wohnungen müssen gebaut werden, möglichst schnell, und klar ist, dass sie nicht alle in die Innenstadt passen werden. 15.000 Wohnungen kann man dort vielleicht zusätzlich schaffen, doch es ist jetzt schon eng. Man muss also an die Stadtgrenzen gehen, und das wird ökologische Folgen haben. Außerdem soll der Wohnraum günstig sein, denn man will beispielsweise auch junge Familien in der Stadt halten. Darum verkauft die Stadt Grundstücke jetzt nicht mehr zum besten Preis, sondern an denjenigen, der ein gutes Konzept vorweisen kann. Auch darum erkennt man jetzt schon eine Tendenz zu kleineren Wohnungen, denn diese sind bezahlbarer. In München hat eine Drei-Zimmer-Wohnung zum Beispiel nur gut 75 Quadratmeter, in Köln sind es noch eher 90 Quadratmeter. Es ist also Luft nach unten.

Trotzdem geht es nicht um irgendwelche Wohnungen: schön sollen sie sein, Wohnraum, Lebensqualität, Heimat will man mit ihnen in Verbindung bringen. Die Situation ist also schwierig. Zwar würde jeder Bürger sich sofort für bezahlbaren und zusätzlichen Wohnraum einsetzen – aber bitte nur, wenn man selbst durch die Auswirkungen nicht betroffen ist. So gab es beispielsweise mit Anwohnern in Ehrenfeld Probleme, die ihre Parkplätze für ein neues Studentenwohnheim hergeben sollten. Anderes Beispiel: Im Süden fehlt das Verständnis für ein Park-Ride-Parkhaus und eine Straßenbahn. Doch eine wachsende Stadt braucht auch eine erweiterte Infrastruktur, Kindergärten und Schulen beispielsweise sowie oft eine geänderte Straßenführung.

Dombaustelle, April 2014
Dombaustelle, April 2014

Hinzu kommt: Die Kölner altern. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Bürger, die 80 Jahre und älter sind, überdurchschnittlich ansteigen. Auch darauf muss eine Stadt eingestellt sein. Es muss ausreichend Pflegeheime geben, aber auch Pflegepersonal. Bereits in die Jahre gekommen sind die Bestandsimmobilien aus der Nachkriegszeit. Um ein attraktives Stadtbild zu bekommen, muss darum saniert werden. Rund um den Dom hat man angefangen, doch auch dort ist noch viel zu tun: Das Domhotel wird umgebaut, der Kurt-Hackenberg-Platz gestaltet, die 750 Meter zu Sankt Maria im Kapital, die so genannte Via Culturalis soll aufgewertet werden. Und dann noch die Brücken! Sowohl die Mühlheimer als auch die Deutzer Brücke müssen für viel Geld saniert werden – und das bei laufendem Verkehr. Eine schwierige Aufgabe.

Platz lassen

Hinzu kommen neue Arbeitsplätze, die ebenfalls Platz brauchen. Darum wird beispielsweise gegenüber des Mediaparks ein neues Bürogebäude gebaut, am Rudolfplatz ebenfalls und in Deutz entsteht bald zwischen dem Bahnhof und der Messe ein ganzes Büroviertel. Umgedreht wurde aus den Häusern des Gerling-Konzerns ein Wohnquartier und auch die ehemaligen Cloud-Werke werden zu 1000 Wohnungen umgebaut. Eine ehemalige Baumwollspinnerei in Holweide wird zu 300 Wohnungen – und dabei wird sogar der Denkmalschutz der Gebäude noch beachtet. Ähnliches soll mit dem ehemaligen Ehrenfelder Güterbahnhof geschehen. Der Deutzer Hafen mit der Aurora Mühle soll umgebaut werden, und in Mühlheim sucht man noch eine Lösung für die Industriearchitektur, die dort ganze Straßenzüge prägt. Der Großmarkt weicht der Parkstadt Süd. Und weil es beim Bauen auch ums Freilassen geht, wie Höing sagt, soll dort der Grüngürtel bis an den Rhein gezogen werden. In Zukunft soll er außerdem in Deutz weitergeführt werden, so dass sich der Kreis vielleicht eines Tages schließen wird. Außerdem will Baudezernent Höing die Stadt aufräumen: mehr Bäume und schöne Plätze, weniger Autos. Eine gute Idee, wie ich finde.

Eine Idee, die übrigens auch in Chorweiler gut ankommt: Dort überlegt man derzeit gemeinsam mit den Bürgern wie der Pariser und der Liverpooler Platz sowie die Lyoner Passage schöner werden könnten. Das nächste Treffen findet am 3. November statt.

Neuehrenfeld wächst mit bis zu 9,5 Prozent übrigens unterdurchschnittlich. Das kann natürlich auch daran liegen, dass unser Veedel sowieso schon so voll ist.

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