Köln: Das Ende einer Brücke

Risse in der Leverkusener Brücke
Risse in der Leverkusener Brücke

Autofahrer hassen die Leverkusener Brücke, denn dort steht man regelmäßig im Stau. Schuld daran sind die Geschwindigkeitsbeschränkungen: Die Brücke hat Risse und kann große Belastungen nicht mehr ertragen. LKW über 3,5 Tonnen dürfen darum die Brücke gar nicht mehr befahren. Die Lösung für das Nadelöhr liegt in der Zukunft: Bis 2020 soll es eine neue Brücke geben, bis 2024 eine zusätzliche zweite. Die Leverkusener Rheinbrücke wie wir sie kennen, hat ausgedient, denn sie kann nicht mehr repariert werden. „Das wollten wir am Anfang nicht wahrhaben“, sagt Hans-Dieter Jungmann, der als Ingenieur für die Brücke zuständig ist. „Aber so ist es. Wir können hier nur noch eine Art Sterbebegleitung für die Brücke leisten.“

Gebaut wurde die Verbindung zwischen Köln und Leverkusen in den 1960ern, zu einer Zeit, als Stahl sehr teuer war. Weil gespart werden musste, entschied man sich für einen Entwurf, in dem dementsprechend möglichst wenig Stahl verwendet wurde. „Es wurde also viel geschweißt, wenig genietet“, sagt Hans-Dieter Jungmann. Das sei grundsätzlich kein Fehler, allerdings sind Nietverbindungen dynamischer und können so besser auf Belastungen reagieren, während Schweißnähte eher brechen. Die Belastung auf der Leverkusener Rheinbrücke hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen, und so ist es eigentlich kein Wunder, dass die Brücke dem heutigen Verkehr nicht mehr gewachsen ist.

So klingt es in der Leverkusener Brücke

Damit der Verkehr nicht ganz zum Erliegen kommt, sind täglich vier bis sechs Prüfer auf, in und unter der Brücke unterwegs, um Risse zu finden, 30 Schweißer sind in Höchstzeiten pro Schicht aktiv, um diese zu schließen. „Doch wenn ein harter Winter mit minus 10 oder minus 15 Grad Celsius kommt, dann haben wir ein Problem“, sagt Hans-Dieter Jungmann. Diese Temperaturen lassen nämlich geradezu sprunghaft Risse entstehen. Auch LKW, die verbotenerweise die Brücke passieren, sind eine große Belastung. Man habe ein System installiert, das bei jedem großen Lastwagen eine SMS aufs Handy der Verantwortlichen schickt, sagt Hans-Dieter Jungmann. Es kommen sehr viele SMSen an – und nach jeder muss die Brücke erneut kontrolliert werden.

Ich war mit der Kölner Journalistenvereinigung auf, in und unter der Leverkusener Brücke. Mehr Bilder gibt es in diesem digitalen Fotoalbum:

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