Essen in Sankt Peter-Ording: Wie ich verzweifelt nach bezahlbaren und guten Fischgerichten suchte

Frühstück
Frühstück

„Um die Ecke ist ein griechisches Restaurant. Vielleicht bekommen Sie da noch eine Platz“, ruft mir die Dame an der Theke hinterher. „Vielleicht“, das klingt nicht gut, denke ich leicht beunruhigt an einem Samstagabend gegen 19.30 Uhr im schleswig-holsteinischen Sankt Peter-Ording. Nachdem ich den ganzen Nachmittag am Strand entlang gegangen war, würde ich mir jetzt gerne den Weg in den Ort sparen. Doch in der nächsten Gaststätte bei meinem kleinen Hotel gibt’s kein Essen. Nur um die Ecke, da ist der Grieche. Der setzt mich kurzerhand an einem großen Tisch zu zwei Frauen, denn alle anderen Tische sind besetzt oder reserviert. Ich nehme mit: Abends besser vor 19 Uhr Essen gehen, ist eh gesünder.

A propos gesund: Da ich zur Aktivwoche an der Küste bin, habe ich den Vorsatz, kein Fleisch zu essen, maximal Fisch. Doch das ist nicht so einfach, wie man hier denken sollte: Am Mittag hatte mir der Hotelinhaber mit auf den Weg gegeben: „Gehen Sie auf dem Damm nach rechts, da kommen Sie bei Gosch vorbei und können sich ein Fischbrötchen kaufen“. Das passte mir gut, denn ich hatte kein richtiges Frühstück und war hungrig. Doch als ich nach einem guten Kilometer bei Gosch ankam, stand die Selbstbedienungsschlange einmal über die Terrasse und noch weiter. Also habe ich auf mein Fischbrötchen verzichtet und bin stattdessen über den Steg auf den Strand gegangen, und dort im Pfahlhaus ins Restaurant Arche Noah. Man lässt sich die Lage bezahlen, stelle ich nach einem Blick in die Karte fest. Und entscheide mich mit leicht schlechtem Gewissen für eine Waffel mit Eis, Sahne und Kirschen und einen Rhasecco – kostet rund 15 Euro.

Einmal das Vegetarische

Beim Griechen kosten Fleischgerichte ab 12 Euro aufwärts. Ich entscheide mich, meinem Vorsatz folgend, für ein vegetarisches Gericht: Feta in Teig gebacken mit Salat. Das fällt mir alleine deswegen leicht, weil es kaum Fischgerichte gibt. Etwas peinlich ist mir allerdings, dass die Bedienung mir das Essen mit einem lauten „Einmal das Vegetarische“ serviert. Ich habe das Gefühl, alle halten kurz inne und schauen mich an. Auf ihren Tellern türmen sich im Wesentlichen Fritten, garniert mit kleinen Stücken Fleisch. Fast möchte ich rufen „Ich bin gar kein Vegetarier, ich mag nur auch fleischloses Essen“, doch was hätte das gebracht? Ich werde diese Menschen vermutlich nie mehr sehen. Sollen sie also denken, was sie wollen.

Die nächsten Tage esse ich in der DRK Klinik Goldener Schlüssel zu Mittag: Für sechs Euro gibt es für die Teilnehmer der Aktivwoche eine Tagessuppe, eine Hauptmahlzeit, Salat vom Buffet und einen kleinen Nachtisch. Da wir im Ernährungsworkshop gelernt haben, wie wichtig Fisch ist, denke ich, es müsse dort doch ein entsprechendes Angebot geben. Aber selbst hier ist es schwierig: Am Dienstag und Donnerstag wird bei vier Gerichten kein Fisch angeboten. Also entschied ich mich jeweils für die vegetarischen Varianten. Immerhin gab es in der Klinikkantine an einem Tag Fischfilet mit Salzkartoffeln und Kräutersoße. Ich bin überrascht, wie vielfältig die Grundsubstanz der Soße hier eingesetzt wird: Sie gab es am Vortag schon über meinem mediterranen Auflauf, aber auch zum vegetarischen Bratling eines Kollegen und zum Fleisch meiner Sitznachbarn. Die erwähnten übrigens ein Restaurant im Ortsteil Dorf. Auf meine Frage, ob das Essen dort gut war, bekam ich die Antwort, es sei eine Riesenportion gewesen. Das ist ein Phänomen, das ich häufig beobachte: Geht es um Essen, wird oft die Quantität mit der Qualität verwechselt.

Fisch in Sankt Peter-Ording

Am zweiten Tag klappte es schließlich mit Fisch, und zwar bei einem Italiener: Spaghetti mit Riesengarnelen im Arcobaleno auf der Terrasse. Ganz lecker, nette Bedienung. Aber warum die Garnelenköpfe als Dekoration im Essen stecken, erklärt sich mir nicht wirklich. Zwar sieht es so aus, als ob man sechs Garnelen bekäme, spätestens wenn man sie aber vom Tier trennen möchte, stellt man fest, dass sie Dekoration sind, es also nur drei Garnelen gibt. Einen weiteren Anlauf starte ich einen Tag später bei Da Gigi, ebenfalls im Ortsteil Dorf. Dort gibt es Pizza und Pasta mit Fisch, Garnelen oder Krabben. Aber ich hatte in den Tagen zuvor schon Pizza und Pasta und entscheide mich darum für den Lachs in Drei-Pfeffer-Soße. Die Bedienung fragt, ob ich Rosmarin- oder Bratkartoffeln möchte. Rosmarin, sage ich. Was mir zum Fisch geliefert wird, ist definitiv ohne Rosmarin, und für Bratkartoffeln nicht knusprig genug. Dem Fisch fehlt deutlich Salz, dafür ist er ertränkt in der Pfeffersoße. Zur Rechnung bringt mir der Kellner einen Kurzen: Sambuca sagt er. Ich könnte schwören, es war Amaretto. Aber was soll’s?

Ich starte einen zweiten Anlauf bei Gosch im Laufe der Woche, möchte dort abends aber nur eine Kleinigkeit essen. Das Restaurant ist groß – und ziemlich voll. Ich finde ein kleines Plätzchen an einem großen Tisch, die Büsumer Krabbensuppe soll 6,80 Euro kosten – ein guter Preis. Nach einigen Minuten, in denen immer wieder Bedienungen an mir vorbeilaufen, registriere ich, dass ich mein Essen an der Theke bestellen und direkt bezahlen muss. Bar übrigens, Karten werden nicht genommen. Dann bekommt man einen Pieper, der anzeigt, wenn man sein Essen abholen kann. Och nö, denke ich. Erstens habe ich keine Lust, mich um Getränke und Essen selbst zu kümmern, zweitens ist das etwas schwierig, wenn man alleine unterwegs ist. Denn einen Platz freihalten, die Wertsachen bei sich haben, und gleichzeitig an unterschiedlichen Stellen Suppe und Getränk besorgen, das muss nicht sein. Besonders nicht, wenn es immer voller und voller wird.

Nur wenige Meter entfernt ist ein Restaurant in einem Hotel. Draußen hängt eine Karte, selbst die Vorspeisen sollen deutlich über zehn Euro kosten. Da ist das Menü im Vergleich deutlich günstiger: Drei Gänge kosten 39 Euro. Das hatte ich dann in Begleitung einige Tage später – und es war vorzüglich. Allerdings ohne Fisch. Weil ich an diesem Abend aber nur eine Kleinigkeit will, gehe ich weiter. „Die Insel“ sieht gemütlich aus, ein Plätzchen finde ich auch. Burger kosten um die 16 Euro. Das ist mir sowieso zu viel. Ich möchte etwas Kleines, unter zehn Euro soll es kosten, gerne mit Fisch. In der Fischsuppe ist leider eine Zutat, die ich nicht vertrage, also entscheide ich mich schweren Herzens für die Kartoffelsuppe.

Guter Fisch in Sankt Peter-Ording

Gut, dass es zum Frühstück im Eulenhof immer Krabben, Lachs und Matjes gab, sonst wäre ich bis zum Ende der Woche wahrscheinlich nur schwer auf die Fischportionen gekommen, die ich mir vorgenommen hatte. Allerdings habe ich ab Mitte der Woche doch noch etwas mehr Glück mit Fischgerichten gehabt: Mittwochs war ich im Bistro Schulz, da gab’s Krabbensuppe mit Sahnehaube. War lecker, und in der Suppe schwammen sogar echte Krabben. Am Donnerstag aß ich schräg gegenüber im Fischgeschäft Räucherscheune ein köstliches Lachsfrikadellenbrötchen. Dort kaufen übrigens auch Einheimische ein. Und nur einige Meter entfernt ist das Fisch Bistro: Auch dort gab’s ein lecker Fischbrötchen mit Krautsalat. Und im Strandgut gab’s am Samstagsbuffet einen Fischteller als Vorspeise, der auch sehr lecker war.

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