Stippvisite in Hildesheim

Gerade als ich denke, Hildesheim sei einer der wenigen Orte, in denen es überhaupt nichts Schönes gibt, komme ich auf den Rathausplatz. Dort habe ich den Wow-Effekt, denn rund um diesen Platz stehen Fachwerkhäuser, schön restauriert, nach dem Krieg wiederaufgebaut. Doch auch wenn dieser Platz ein echter Blickfang ist, so kann er doch nicht vertuschen, was man als Tourist sonst so in der Innenstadt sieht: Leerstand. Überall. Wo früher ein Restaurant war, ein Nagelstudio, ein Friseur, ein Tabakladen – überall hängen Schilder „Zu vermieten/zu verpachten“. Ich habe das auf Instagram mit einem Foto thematisiert, und Kommentare von henna_hildesheim und Traumwaffel bekommen. Beide stimmten mir zu, monierten aber auch, dass die Mietpreise trotzdem für viele Unternehmen noch zu hoch seien, und darum der Leerstand nicht weniger werde. Hildesheim müsse dringend etwas tun, lautete ihre Forderung. Obwohl ich nur als Tourist wenige Stunden dort war, finde ich das auch. Einbeck beispielsweise schafft es, den Leerstand ganz gut zu vertuschen, vielleicht könnte das Konzept dieser ebenfalls niedersächsischen Stadt auch für Hildesheim passen.

Weltkulturerbe mal zwei

Dabei hat Hildesheim gleich zwei wichtige Sehenswürdigkeiten: Die Kirche Sankt Michaelis und den Mariendom mit Rosenstock. Zwei UNESCO Weltkulturerbestätten in solch einer kleinen Stadt sind zwar eine Auszeichnung, aber sie alleine reichen nicht aus, um Hildesheim wirklich attraktiv zu machen. Auch die S-Bahn-Anbindung an die Messestadt Hannover ist nur ein kleines Mosaiksteinchen, um Gäste dorthin zu locken: Schließlich sind die Übernachtungspreise in Hildesheim deutlich geringer als in Hannover. Doch Messegäste lassen kaum Geld vor Ort in Museen und Restaurants, ganz einfach, weil sie selten lang genug vor Ort sind.

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Allerdings wird es Touristen in Hildesheim auch nicht leicht gemacht wird: Bei meinem abendlichen Rundgang durch die Stadt suche ich recht lange nach einem netten, geöffneten Restaurant. Zuvor war ich im Mariendom mit seinem tollen Lichterkranz. Durch den Kreuzgang kam ich zum Rosenstock, der leider noch nicht blühte. Als ich im Anschluss um 17 Uhr ins Museum wollte, war es schon geschlossen. Auch die Kirche Sankt Michaelis konnte ich nur von außen bestaunen: Sie schloss bereits um 16 Uhr an dem Tag, an dem ich da war. So blieb mir nur der Blick auf den trotzigen Turm, sowie ein kurzer Blick aus dem Garten ins Innere durch eine Glaswand.

Mein Fazit: Man kann in Hildesheim schon einige nette Stunden verbringen. Allerdings muss man sich genau überlegen, zu welcher Uhrzeit man dort eintrifft, denn sonst bleibt einem nicht viel – außer dem Blick auf den Marktplatz und viele leere Schaufenster.

Anke vom Reisefeder-Blog war übrigens in der Michaeliskirche und hat dort ganz nette Fotos gemacht.

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