Meine erste Kreuzfahrt: der Einschiffungstag

Rettungsring
Rettungsring

So ein Einschiffungstag kann verdammt lang sein: Um 20 nach 3 morgens klingelt in Düsseldorf im Maritim Hotel unser Wecker. Zehn nach vier stehen wir am SAS-Schalter. Eine Stunde später ist Boarding, kurz nach sechs fliegen wir los, um halb acht sind wir in Kopenhagen. Unser Gepäck verspätet sich, so dass wir nicht pünktlich den Sicherheitsbereich verlassen, und darum dort sehr bald von einem Royal Caribbean Mitarbeiter gesucht werden. Um 8.30 Uhr werden wir mit anderen Reisenden in einen Bus gesetzt, gegen neun sind wir am Fährterminal, eineinhalb Stunden später beginnt der Eincheck-Vorgang. Dann sind wir an Bord der Serenade of the Seas.

Schon vor dem Einchecken bekommen wir Informationen, was wir an Bord alles tun sollen, bevor wir unsere Zimmer beziehen können: Die Gelddruckmaschinerie läuft an.

Gelddruckmaschine Kreuzfahrt

So gibt es beispielsweise Getränkepakte: Zwölf Ein-Liter-Flaschen Wasser kosten 49 US-Dollar. Wer das nicht nimmt, kann sich zwar auch kostenlos mit Wasser versorgen, aber immer nur becherweise, und indem man längere Strecken auf dem Boot mit elf Stockwerken zurücklegt. Will man mehr als Wasser, gäbe es auch ein Soft-Drink-Paket, ein Kaffee-Paket oder auch ein Rundumsorglos-Paket. Die Preise liegen zwischen 22 und 65 US-Dollar pro Tag und Passagier. Da muss man schon sehr viel trinken, damit sich das lohnt.

Das Unternehmen bietet auch Landausflüge in den Häfen an: 100 Euro pro Person ist man schnell los. Wir beschließen, in Bergen, Alesund und Stavanger auf eigene Faust die Orte zu besichtigen, aber für den Geirangerfjord buchen wir einen zweistündigen Trip. Auch Trinkgeld verteuert die Fahrt: Eigentlich sollte es durch die Tagespauschale von etwa zwölf Euro pro Tag und Person abgegolten sein, die jeder Passagier zahlen muss. Doch wer Kaffee oder ein Glas Wein ordert, hat trotzdem ein freies Trinkgeldfeld auf der Rechnung. Da komme ich mir etwas ausgenommen vor, bin aber zu gutherzig, um nicht jedes Mal trotzdem einen Dollar Trinkgeld zusätzlich zu geben. Geld kann man auch in den Geschäften an Bord ausgeben, für spezielle Aktivitäten wie beispielsweise eine Massage oder Klettern an einer entsprechenden Wand oder indem man in einem so genannten Spezialitäten-Restaurant isst und auf seine im Preis inklusive Mahlzeit verzichtet.

Der Rest des Tages

Nachdem das Wasser-Paket geordert und der Landausflug gebucht ist, kommen wir gerade rechtzeitig zur Öffnung in eines der Restaurants ans Buffet. Bloß nicht schon am ersten Tag in die Fettfalle treten, denke ich mir, und verzichte auf Pizza. Ich esse aber eine kleine Portion Nudeln und viel Salat. Am Dessert-Buffet kann ich leider nicht vorbeigehen, ohne zumindest das Limonenmousse zu probieren. Wir trinken einen Kaffee, sitzen auf dem Hubschrauberlandeplatz in der Sonne – alleine. Als ob das Boot leer wäre. Dann können wir unser Zimmer beziehen. Auch wenn ich es nahezu unverschämt finde, für eine Kabine mit Fenster 400 Euro mehr zu bezahlen als für eine ohne Tageslicht: Ich würde es wieder tun! Mit Fenster fühle ich mich nicht so eingesperrt.

Das frühe Aufstehen fordert sein Tribut, ich schlafe ein. Dann lese ich und langweile mich etwas bis das Schiff ablegt. Um 17 Uhr ist eine Party an der Poolbar, um uns von Kopenhagen zu verabschieden. Ich bin überrascht, wie wenig Leute dort sind. Aber dann bin ich auch schnell wieder weg, denn eigentlich tanzt dort nur eine Gruppe Animateure mit einigen wenigen Gästen. Um 17.30 Uhr soll eine Getränke- und Essensausstellung im Zentrum sein. Gezeigt werden dort die Menükarten der Spezialitätenrestaurants und je ein beispielhaftes Gericht. Hatte ich mir spannender vorgestellt. Letztlich will man damit Appetit machen auf die Spezialitätenrestaurants. Wer dreimal auf sein Inklusivgericht verzichtet und dafür im Restaurant isst, bekommt übrigens einen Rabatt.

Das Abendessen

Vor den Mahlzeiten hatte ich die meiste Angst – und meine Befürchtungen haben sich bewahrheitet. Obwohl die Besucher auf mehrere Restaurants und Uhrzeiten verteilt werden, steht um kurz vor sechs eine Menschentraube vor der Tür zu unserem Restaurant. Dicht an dicht stehen Tische und Stühle, kaum kommt man hinter der Servicekraft her, die uns zu unserem Tisch begleitet. Wir teilen ihn mit zwei anderen Paaren. Die Auswahl des Essens ist allerdings groß. Und die Qualität des Essens ist super. Nur die Atmosphäre ist nicht besonders entspannend.

Später gehe ich eine Stunde ins Fitnessstudio. Es ist groß, gut bestückt, kaum benutzt. Vier Runden drehe ich zusätzlich auf der rund 500 Meter langen Laufstrecke, die außen am Boot entlang geht. Ganz wunderbar – den Wind in Nase und Haar, immer wieder dem Sonnenuntergang entgegen.

Fazit des ersten Tages: Die Serenade of the Seas ist für meinen Geschmack ein hässliches Schiff. Zwar ist sie erst seit 2013 unterwegs. Doch die Farben erinnern an die 1980er: psychedelische Teppichmuster, Polstermöbel in schrillen Farben, überall Spiegel und Gold. Und es schwankt bei Wellengang, oh ja, aber nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Obwohl ich die Essensatmosphäre schrecklich finde, kann ich der Gesamtsituation Kreuzfahrt durchaus einen Reiz abgewinnen. Wer sich etwas antizyklisch bewegt, kann durchaus Ruhe und Entspannung finden.

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