Marrakesch: Urlaub in einer pulsierenden Stadt

Die Moschee vorm Atlasgebirge

Die ersten Minuten in der Medina, der Altstadt, von Marrakesch sind für viele Westeuropäer eine Zumutung. Menschenströme schieben sich durch schmale Gassen, Mopeds hupen sich ihren Weg frei, Händler rufen. Lampen hängen neben Tierhälften von Wänden und Decken, irgendwo zischt Fett in einer Pfanne.

Erstaunlich schnell zeigt sich: Karten-Apps auf dem Smartphone funktionieren selbst in den verwinkelten Souks, den Märkten, erstaunlich gut. Voraussetzung ist ein entsprechender Datenpass des Mobilfunkanbieters – eine sinnvolle Investition, denn der Markt wird zum täglichen Begleiter.

Souks in Marrakesch: Der Weg ist das Ziel

Denn wer Marrakesch zu Fuß erkundet, kommt am Souk nicht vorbei. Fast jede Sehenswürdigkeit führt durch das Labyrinth der Gassen: das Haus der Fotografie mit seinen historischen Eindrücken, der „Geheime Garten“, an dem man in der langen Schlange wartet, um eintreten zu dürfen, die Medersa Ben Youssef oder der Bahia-Palast. Selbst auf dem Weg zum Yves-Saint-Laurent-Museum läuft man zeitweise durch das Marktgewirr bis zum Jardin Majorelle, einem der bekanntesten Gärten der Welt. 

Yves Saint Laurent und sein Lebensgefährte kauften ihn 1980. Heute wachsen dort Pflanzen aus allen Kontinenten. Wer den Jardin Majorelle besuchen möchte, sollte Tickets weit im Voraus online buchen – spontane Besuche scheitern oft an ausverkauften Zeitfenstern. Gibt es auf der offiziellen Seite keine Tickets mehr, sollte man bei GetYourGuide nachsehen. Dort sind die Tickets zwar etwas teurer, aber wir haben lieber mehr gezahlt, als eine der Hauptsehenswürdigkeiten nicht zu sehen. Aber Vorsicht: Das Ticket muss wie ein PDF im Din-A4-Format aussehen, den mobilen GetYourGuide–Voucher haben die Kontrolleure im Januar 2026 nicht akzeptiert. Ärgerlich für das italienische Paar vor uns, denn zusammen hatten sie 100 Euro bezahlt. Unser PDF kam per Mail.

Djemaa el Fna: Marrakeschs wandelbare Bühne

Nachts auf dem Djemaa el Fna
Nachts auf dem Djemaa el Fna

Der Djemaa el Fna ist während eines Aufenthalts in Marrakesch ebenfalls allgegenwärtig. Der Platz verändert sich im Tagesverlauf radikal. Morgens wirkt er leer, am Nachmittag rollen Händler auf riesigen Handkarren alles heran, was die Garküchen des Nachtmarktes benötigen.

Flötenspieler beschwören Klapperschlangen, Frauen bieten Henna-Tattoos an, Souvenirverkäufer preisen Mini-Tajines und Moschee-Nachbildungen an. 

So großartig ich Marrakesch und speziell den Djemaa el Fna finde – dort hatte ich auch zwei Erlebnisse, die ich unerfreulich finde: Auf dem riesigen Platz könnte man überall essen. Vor nahezu jedem Stand stehen junge Männer mit laminierten Speisekarten, deren Aufgabe es ist, Gäste hereinzuziehen. Ein freundliches, aber klares Nein – etwa weil man bereits gegessen hat oder sich bewusst für einen anderen Ort entscheidet – wird leider nicht immer akzeptiert. Stattdessen kippt der Ton mitunter abrupt. Einige reagieren aggressiv und laut, auf Deutsch, mit groben, teils extrem vulgären und absolut nicht angemessenen Beleidigungen. Ein junger Mann schrie zwei jungen Frauen hinterher „Ey du Arschloch! Du Fotze!“. Mich beleidigte ein junger Mann mit „Scheiß Frau!“. Das ist keine gute Werbung für Marrakesch. Viele Deutsche werden sich durch ein solch inakzeptables Verhalten an die Kölner Silvesternacht von 2015 erinnert fühlen. 

Die pragmatische Empfehlung lautet trotzdem: Blick geradeaus, nicht diskutieren, nicht erklären, weitergehen. Der Platz bietet genug Alternativen. Niemand muss sich beschimpfen zu lassen, weil er nicht in einer speziellen Garküche essen möchte.

Marrakesch mit GetYourGuide

Aber zurück zu dem, was die Stadt so erlebenswert macht: Einen guten Blick auf das Gewusel auf dem großen Markt hat man von den Dachterrassen umliegender Cafés und Restaurants. Wer dort nichts konsumieren möchte, kann den Kellner meist mit einem Euro besänftigen. 

Apropos Euro: In Marrakesch wird der Euro häufig als Zahlungsmittel akzeptiert, Kartenzahlung ist ebenfalls in vielen Museen, Geschäften und vor allem Restaurants möglich – auf dem Markt allerdings selten. Trotzdem ist es sinnvoll, in einer der Wechselstuben Euro gegen marokkanische Dirham zu wechseln.

Wir haben über GetYourGuide übrigens eine Street Food Tour durch die Medina gebucht. Drei Stunden hat uns ein junger Mann durch die unterschiedlichen Ecken der Stadt geführt. Linsensuppen, gegrillte Spieße, Schnecken oder Süßigkeiten, Nüsse und Oliven sowie einen der überall erhältlichen Smoothies standen auf der Speisekarte.

Die Kommunikation mit den Guides läuft– auch bei den Tagesausflügen – meist per WhatsApp. Treffpunkt und Uhrzeit werden oft erst am Vorabend mitgeteilt und können sich auch kurzfristig noch ändern. Flexibilität gehört in Marrakesch dazu.

Tagesausflüge ab Marrakesch: Küste, Atlas, Wüste

Wer mehr als vier Tage in Marrakesch bleibt, plant meist mindestens einen Tagesausflug. Gruppenfahrten, etwa nach Essaouira an der Atlantikküste, kosten häufig nur 15 bis 20 Euro pro Person. Der etwas abseits gelegene Hafen lohnt sich dort besonders: Fischer, Möwen, frischer Fisch direkt aus dem Meer – zu Preisen, die in Deutschland undenkbar sind.

Die Altstadt von Essaouira wirkt im Vergleich zu Marrakesch fast geordnet: breite Straßen, weiße Häuser mit blauen Türen, Geschäfte mit Kunst, Kleidung und Gewürzen.

Ein Ausflug ins Atlasgebirge zeigt eine ganz andere Seite Marokkos: karge Landschaften, Berberdörfer, Terrassenfelder, schneebedeckte Gipfel in der Ferne. Der Ablauf dieser Touren ist straff organisiert, der Fahranteil hoch. Allein ist man nie, denn Marrakesch beziehungsweise Marokko ist längst kein Geheimtipp mehr. Wir haben beide Tagesausflüge trotzdem sehr genossen.

Übernachten in Marrakesch: Warum Riads den Unterschied machen

Wer Marrakesch besucht, übernachtet häufig in einem Riad. Diese traditionellen Wohnhäuser liegen verborgen hinter schlichten Türen und entfalten ihren Charme erst im Inneren: Innenhof mit Brunnen, Mosaike, gedämpftes Licht, dicke Mauern, oft eine Dachterrasse mit Blick über die Stadt.

Der Kontrast ist krass: draußen gefühltes Chaos, drinnen Ruhe. Riads sind meist klein, individuell geführt und stärker auf Atmosphäre als auf Effizienz ausgelegt. Kleine Fenster zum Innenhof, schmale Treppen – klassischer Hotelkomfort steht hier nicht im Vordergrund.

Frühstück im Riad Marraplace
Frühstück im Riad Marraplace

Wer eine authentische Unterkunft in der Altstadt sucht und Marrakesch zu Fuß erleben möchte, wird den Aufenthalt im Riad schätzen. Reiseportale wie Expedia bieten Flug und Riad häufig als Paket an.

Gut zu wissen: In den Riads ist Alkohol häufig verboten. Wein und Bier gibt es auch längst nicht in jedem Restaurant. In der Altstadt gibt es jedoch die Jazz Bar im Le Bistro Arabe im Riad Monceau mit Signature Drinks und marokkanischem Wein.

Was man vor der Ankunft wissen sollte

Bei der Einreise am Flughafen müssen alle einzeln vortreten. Der Mensch, der darüber entscheidet, ob man sich im Land aufhalten möchte, fragt nach dem Namen und der Adresse der Unterkunft. Beides sollte man parat haben. In meinem Fall war der Herr ziemlich unwirsch und ungeduldig. Außerdem wird man bei der Einreise nach seinem Beruf gefragt.

Wir hatten über unsere Unterkunft, Riad Marraplace, ein Taxi gebucht. Die Kommunikation mit dem Taxifahrer lief über WhatsApp.

Mein langer Weg nach Marrakesch

Seit ich 1998 den Film „Marrakesch“ mit Kate Winslet gesehen habe, wollte ich diese Stadt besuchen. Irgendwie hat es sich aber nie ergeben. 2018 hat man mich auf eine Pressereise nach Marokko eingeladen – zweimal. Leider konnte ich aus wirklich wichtigen Gründen nicht. 2019 wurde ich nochmals eingeladen. Ich sagte zu – und dann sagte mir der Veranstalter telefonisch ab: Die Reise habe abgesagt werden müssen.

Farbenfrohes Marrakesch
Farbenfrohes Marrakesch

2022 wurde ich erneut eingeladen. Ich habe einen Nachsorgetermin, der seit einem Jahr in meinem Kalender stand, dafür verschoben. Dem Veranstalter bot ich im Gegenzug an, auf meinem Blog über die Reise zu berichten. Es gab auch zwei Kundinnen, für die das Thema interessant gewesen wäre, ein digitales Verbrauchermagazin und eine Zeitschrift für einen Berufsverband. Herr S., der damals mein Ansprechpartner war, fand das aber nicht ausreichend. Ich solle das Thema doch Lokalzeitungen anbieten. Ich habe ihm darauf zurückgeschrieben:

„Ich könnte Sie jetzt anlügen und sagen, dass ich versuchen werde, Marokko in irgendwelchen Tageszeitungen und Zeitschriften unterzubringen. Ich will Sie aber nicht anlügen. Ich habe gut zahlende Kund*innen, ich brauche keine weiteren – und entsprechend werde ich auch keine anderen Medien kontaktieren. Falls Sie meine Kund*innen nicht als gut genug erachten, ist es halt so“. 

Was soll ich sagen? Ich war bei dieser Reise nicht dabei, und ich wurde nie mehr auf eine Reise nach Marokko eingeladen. Letztlich haben Marrakesch und ich aber auch so zusammengefunden. Und ich bin sicher, dass ich mir noch weitere Teile dieses spannenden Landes in der Zukunft ansehen werde – ganz ohne tagefüllendes Pflichtprogramm in der Großgruppe.

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