Mallorca: Cala Rajada 1968 und heute

Bella Playa
Bella Playa

Ein blaues Heft, eine orange-farbene Sonne, „Bertelsmann Flugreisen 1968“ steht auf dem Titelblatt. Ich finde diesen Reisekatalog auf dem Speicher meines Opas und stelle schnell fest: Mallorca war schon Ende der 60er Jahre ein beliebtes Reiseziel. Ab 329 Mark Mark kostete eine Zweiwöchige-Reise mit Flug und Vollpension beispielsweise nach Cala Rajada – inklusive Busfahrt vom Flughafen. Dauer: zweieinhalb Stunden. Heute fährt man in der Regel nicht länger als eineinhalb Stunden. Aus Neugierde gebe ich die Namen der vorgestellten Hotels im Internet ein – und ich werde fündig: Das Hotel Serrano heißt jetzt Palace Hotel Serrano, das Bella Playa hat seinen Namen behalten. Keine Frage: Das müssen wir uns näher anschauen!

Das Bella Playa hat sich von außen kaum verändert. Es gibt ein Dach über dem Haupteingang, aber man erkennt es noch. Der ältere Herr hinter der Rezeption schmunzelt, als ich ihm die Bilder zeige. Ja, das Hotel sei schon älter als 50 Jahre. Und ja, die Zimmer habe man natürlich renoviert. Doch den Pool gebe es noch: Er hat noch immer seine abgerundeten Ecken, ist aber größer geworden. Das Palace Hotel Serrano dagegen hat eine neue Form. Kein Wunder, denn es wurde 1996 restauriert. Unter anderem hat man die Terrasse höher gelegt, erklärt uns die junge Dame hinter der Rezeption, die voll Begeisterung unseren Reisekatalog betrachtet und sich eine Farbkopie der entsprechenden Seiten macht. Sie will sie den Inhaberfamilien zeigen. Mit schnellem Blick stellt sie fest, dass zwei weitere Hotels ebenfalls noch existieren. Eines, das Pension Gill, ist direkt schräg gegenüber an der Bucht, die damals noch etwas leerer aussah als heute.

Schönes altes Schätzchen auf Opas Speicher gefunden! #bertelsmann #flugreisen #mallorca

Ein von Bettina Blass (@kuechenzuruf) gepostetes Foto am

An der Uferpromenade gehen wir entlang zur Pension Ca’s Bombu. Die Frau an der Rezeption stößt vor Entzücken einen kleinen Schrei aus, als sie unseren Katalog sieht und eilt damit zu ihrem Bruder. Der erklärt uns, dass man das Haus rechts neben der Pension heute nicht mehr sieht, weil sie es gekauft hätten. Man habe es abgerissen und stattdessen das Schwimmbad gebaut. Er zeigt uns auch, wo innen umgebaut wurde: Die Bar und die Rezeption beispielsweise sind umgezogen, aber der charakteristisch schwarz-weiß gekachelte Fußboden ist noch da, ebenso die Glasvitrine in der heutigen Vorhalle und die hohen schwarzen Ledersessel in der Bar.

Er sei der Inhaber in fünfter Generation, erzählt er, und die Pension sei die älteste in Cala Rajada, eine der ältesten auf Mallorca überhaupt. Keiner wusste, warum man hier eine Pension braucht, erzählt er, genau so wie keiner wusste, warum eine Tanksäule wichtig sein könnte. Beides hat ein visionärer Geschäftsmann ins Leben gerufen: Wer mit einem der weniger Autos von Palma nach Cala Rajada kam, der musste tanken, so dachte er. Und für die Arbeiter, die er beschäftigte, und für Geschäftspartner benötigte er ein Gästehaus. So hat er den Ur-Ur-Großvater der heutigen Inhaber gefragt, ob sie nicht ein solches Haus in nächster Nähe zu seinem Anwesen eröffnen und führen wollten. Und da auch der Ur-Ur-Großvater visionär genug war, eröffnete man das Ca’s Bombu. Die besten Jahre der Pension mit Platz für 92 Gäste, so erinnert sich der Inhaber, waren in den 60er Jahren. Doch auch heute steigen dort noch viele Gäste ab. Kein Wunder: Das Ca’s Bombu liegt zentral – und vor allem hat es im Vergleich zu vielen anderen und gesichtslosen Unterkünften seinen spanischen Charme zumindest in den Räumen im Erdgeschoss behalten.

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