Köln: Druck dir deinen Dom doch selbst

3D-Druck: Dom
3D-Druck: Dom

Das Fundament steht schon, als ich am Freitagmorgen während einer Pressekonferenz in der Kölner Stadtbibliothek bis. Noch bis Sonntagmittag hat der 3D-Drucker dort Zeit, den Dom fertigzustellen. Was in echt viele hundert Jahre dauerte, geht hier verhältnismäßig schnell. Aber natürlich ist der Dom, den der Drucker hier Schicht für Schicht aufbaut, um ein Vielfaches kleiner als das Original. Eigentlich ist er sogar nur so groß, dass er in eine Handfläche passt. Denn Hannelore Vogt, die Direktorin der Stadtbibliothek, wird ihn am Sonntag dem Mann schenken, der ihr eine Urkunde überreicht: Die Kölner Stadtbibliothek ist nämlich Bibliothek des Jahres geworden, und wurde dementsprechend geehrt – unter anderem, weil sie so innovativ ist. „Da passt ein selbstausgedruckter Dom doch gut als kleines Geschenk“, sagt Hannelore Vogt.

Von wegen verstaubt und altmodisch

2,2 Millionen Besucher hat die Stadtbibliothek im Jahr, „mehr als die Kölner Museen zusammen“, betont die Direktorin. Gut 70 Prozent seien unter 40 Jahre alt. Sowohl die Besucher- als auch die Ausleihzahlen steigen weiter, heißt es. Und das, obwohl man immer hört, das Buch sei tot, Papier sei tot, und Lesen sei sowieso völlig altmodisch. Die Zahlen in Köln weisen eine andere Richtung, und vielleicht ist der Grund dafür, dass die Stadtbibliothek so jung und dynamisch daherkommt, wie man es eigentlich von einer solchen Institution nicht erwartet. Digitalien ist eben nicht der Teufel, der Papiermedien zerstört, sondern man nutzt die Möglichkeiten des Internets und der Technologie dort, wo es sinnvoll ist. Twitter, Instagram, Facebook? Na klar! Doch das ist nur der Anfang.

Die Stadtbibliothek hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, die Gesellschaft in digitalen Fragen zu schulen – aber nicht in langweiligen Kursen mit Frontalunterricht. Vielmehr sind es Junior Experts der Kaiserin Augusta Schule, die Teilnehmern beibringen, wie man beispielsweise mit Tumblr ein Blog anlegt. Den Lehrer, der hinter dieser Kooperation steckt, findet man bei Twitter übrigens unter @tastenspieler, André Spang ist sein Name.

Oculus Rift, Beeborgs und MaKey MaKey

Andi und Thies sind zwei der Junior Experts von der Kaiserin Augusta Schule. Sie gehen in die zehnte Klasse, und nebenbei unterrichten, das macht ihnen Spaß, sagen sie. Zwar sei es zunächst komisch, Erwachsenen etwas beizubringen, aber eigentlich seien die ganz nett gewesen, „ganz normale Erwachsene eben“, sagt Thies. Außerdem lernten Thies und Andi bei den Experimenten selbst auch eine ganze Menge. Und zwar so viel, dass sie für Google eine Anleitung geschrieben haben, wie Lehrer ein MaKey MaKey im Unterricht einsetzen können. Google wird diese Anleitung in die Unterrichtsmaterialien für Schulen aufnehmen. Bei einem MaKey MaKey geht es darum, dass man seinen Computer eigentlich steuern kann, mit was man möchte. So lässt sich beispielsweise auf Bananen Musik machen, oder dadurch, dass man sich gegenseitig abklatscht. Die entsprechenden Impulse werden an den Computer weitergeleitet. Schon die Kleinsten werden ans Programmieren herangebracht, und zwar mit den Beeborgs, kleinen Kunststoffbienen, die man so einstellt, dass sie auf einem Buchstabenfeld die Buchstaben des eigenen Namens in der richtigen Reihenfolge anfahren.

Alle diese Angebote gibt es im so genannten Makerspace. Dort kann man auch am Computer komponieren. Oder sich eben den Dom ausdrucken. Es gibt die Möglichkeit, Schallplatten zu digitalisieren und die Datenbrille Oculus Rift und somit augmented reality auszuprobieren. „Die Idee zum Makerspace kam auf, nachdem wir beschlossen hatten, unsere Musikbibliothek umzugestalten‘, sagt Hannelore Vogt. Man fragte sich, was man anbieten könne, damit die Bibliotheksbesucher selbst aktiv werden, und heraus kam eine Mischung aus Makerspace und Digital Lab. In diesem Zusammenhang wurde auch der 3D-Drucker gekauft, der erste übrigens, der in Köln öffentlich zugänglich war – und der Bibliothek rund 100 Berichte in den Medien brachte, darunter auch im Fernsehen. „Finanziert haben wir den Makerspace mit EU-Fördermitteln und Geld des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Stadt Köln ist daran finanziell nicht beteiligt“, sagt Direktorin Vogt.

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