Israel: Städtetrip nach Tel Aviv

Tel Aviv-Skulptur
Im Hafen von Tel Aviv findet sich diese Skulptur, hier gelingt das perfekte Erinnerungsfoto.

Als großer Fan des Eurovision Song Contest (ESC) stand für meine besten Freunde und mich nach Nettas Sieg letztes Jahr fest: Wir fahren nach Israel. Stand auch schon lange auf meiner Bucketlist. Der ESC sollte zunächst in Jerusalem ausgetragen werden, letztlich wurde es Tel Aviv. Also ging es für uns Mitte Mai ins Heilige Land. Ein paar allgemeine Sachen zu Israel habe ich bereits in diesem Beitrag aufgeschrieben und es gibt eine Podcastfolge zu Tel Aviv und eine zu Jerusalem.

Die lebendige Großstadt Tel Aviv

Tel Aviv ist nicht die größte Stadt Israels und nicht die Hauptstadt. Beides ist Jerusalem, auch wenn letzteres politisch Ursache vieler Probleme ist. Dafür ist Tel Aviv eine unglaublich lebendige und vor allem junge Großstadt. Das Flair hat mich an Barcelona erinnert. Viel Leben findet auf der Straße statt. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass dieses Leben auf der Straße recht laut ist.

Strand in Tel Aviv
In der Sonne liegen – kein Problem am kilometerlangen Sandstrand.

Die Lage am Mittelmeer ermöglicht entspanntes Liegen an den kilometerlangen Sandstränden und Spaziergänge auf der Promenade. Hier ist man umringt von extrem sportlichen Menschen, die an den vielen Trimm-Dich-Geräten unter freiem Himmel ihre fast schon perfekt trainierten Körper weiter stählen. 

Gaybeach in Tel Aviv
Tel Aviv ist DIE LGBT-Metropole im Nahen Osten. Hier am Hilton Beach treffen sich überwiegend die schwulen Sonnenanbeter.

Tel Aviv ist außerdem DIE Metropole in Israel und quasi im ganzen Nahen Osten für LGBT. Nicht nur in den unzähligen Szenebars, sondern an vielen Cafés, Restaurants und Geschäften weht die Regenbogenfahne. Schwule und lesbische Paare waren zumindest während des ESC zum Teil in der Überzahl.

Herumkommen in Tel Aviv

Leihräder
Wie in vielen Metropolen auf der ganzen Welt gibt es auch in Tel Aviv Leihräder und Elektroroller, wenn es zu Fuß mal zu weit ist.

Durch die Stadt bewegt man sich am besten zu Fuß oder auf zwei Rädern. An jeder Ecke stehen Leihfahrräder und Elektroroller. Es gibt überall hervorragende Radwege, nur in der Altstadt wird es etwas eng. Taxen sollten eigentlich Taxameter nutzen, aber wenn man endlich eins hat, zahlt man eben den Preis, den der Fahrer nennt, auch wenn dieser möglicherweise höher ist. Zumindest war er nie übertrieben hoch. Anders als bei uns ist das Licht im Taxischild übrigens nicht aus, wenn das Taxi besetzt ist. Man kann sich Taxen auch über Apps bestellen: Uber ist vorhanden, in ganz Israel kann man GETT benutzen und auch mit Yango sind wir das eine oder andere Mal gefahren. 

Fahrradweg in Tel Aviv
Die breiten Boulevards außerhalb der Altstadt bieten zum großen Teil super Fahrradwege.

Und selbstverständlich gibt es auch einen öffentlichen Nahverkehr in Tel Aviv mit Bussen, eine Straßenbahn wird gerade erst gebaut. Doch die Busse haben einen Haken: Sie fahren nicht am Schabbat, also von Freitagabend bis Samstagabend. Ausnahme sind Sammeltaxen, die vorgegebene Routen fahren. Der Nahverkehr im ganzen Land funktioniert bargeldlos mit der Rav Kav-Guthabenkarte, die es schon am Flughafen zu kaufen gibt. 

Strandpromenade in Tel Aviv
Für jede Art von Freizeitgestaltung geeignet ist die rund 5 Kilometer lange Strandpromenade in Tel Aviv.

Tipp: Zur Orientierung bietet sich die breite Strandpromenade an. Sie beginnt nördlich der Altstadt und führt rund 5 Kilometer nach Norden. Alle paar hundert Meter gibt es eine Strandbar, öffentliche Toiletten und Duschen sowie Sitzgelegenheiten. Am Strand sind die Preise reglementiert. So darf in den Strandbars ein Wasser nur 2 Euro kosten, genauso wie die Miete eines Sonnenschirms für einen Tag. Snacks kosten 4 Euro. 

Was genau ist Tel Aviv?

Tel Aviv selbst ist eine Großstadt mit etwa 450.000 Einwohnern. Offiziell heißt sie aber Tel Aviv-Jaffa. Jaffa ist dabei der ursprüngliche Name der Hafenstadt, der seit Jahrhunderten verwendet wird. Tel Aviv wurde außerhalb Jaffas zu Beginn des 20. Jahrhunderts als jüdische Stadt gegründet. Erst nach der Gründung des Staats Israel wurden beide Städte verbunden. Jaffa beziehungsweise Jafo ist heute die Bezeichnung für die mittelalterliche Altstadt. Mit den benachbarten Städten leben in der Region rund um Tel Aviv fast vier Millionen Menschen und somit mehr als die Hälfte der Israelis.

Sehenswürdigkeiten in Tel Aviv

Meiner Meinung nach hat Tel Aviv gar nicht so viele Sehenswürdigkeiten im Sinne von: „Ich darf die Stadt nicht verlassen, ohne xy gesehen zu haben.“ Tel Aviv gilt wegen der Bauhausarchitektur mit ihren weißen Gebäuden als „weiße Stadt“ und davon gibt es in der Tat jede Menge zu sehen. Das kann man alles ganz entspannt auf ausgedehnten Spaziergängen an den Boulevards auf sich wirken lassen.

Brutalismus in Tel Aviv
Brutalismus in Tel Aviv

Dann gelangt man automatisch zu großen Plätzen mit riesigen Bauten der Brutalismus-Architektur und man denkt kurzzeitig, man sei in einem Staat der ehemaligen Sowjetunion. Neben einem recht einheitlichen Baustil der Wohnhäuser in den normalen Stadtvierteln, wird die Skyline Tel Avivs mit teils spektakulären Hochhäusern immer höher.

  • Ein Bummel durch die Altstadt Jaffa gehört natürlich genauso dazu wie der Spaziergang durch die verschiedenen Stadtviertel rundherum, die alle ihren eigenen Charakter haben, so wie Florentin oder Neve Tzedek. Die geschichtsträchtige Altstadt hat verwinkelte kleine Gässchen, Flohmärkte sowie unzählige Restaurants und Cafés für jeden Geschmack. Dort habe ich zum Beispiel die kleine Galerie von Iris Eshet Cohen entdeckt. Die Kunstwerke hätte ich stundenlang betrachten können. Die Altstadt empfiehlt sich wegen der satten Farben und Kontraste sowohl tagsüber als auch wegen der stimmungsvollen Beleuchtung bei Nacht. 
  • Mir persönlich hat der alte Bahnhof am Rand der Altstadt gut gefallen, der restauriert und mit Restaurants, Cafés und Geschäften belebt wurde.
  • Sehr sehenswert ist auch der Carnell Markt, eine lange Straße ähnlich einem Basar, auf der es neben mega-günstigen – weil gefälschten – Christian Dior-Handtaschen jedwede Souvenirs, Obst, Gemüse, Gewürze und Haushaltswaren gibt.
  • Auch das restaurierte Sarona, eine alte Kolonie der Templer, mit der Markthalle ist hübsch anzusehen, auch wenn sie wesentlich moderner und hipper ist als so ein richtiger Markt wie der Carnell Markt.
  • Kulturell Interessierte kommen im Tel Aviv Museum of Art auf ihre Kosten. Hier ist vorrangig die Kunst des letzten Jahrhunderts vertreten. Vieles stammt aus privaten Sammlungen, es gibt Bilder von Liebermann, Monet, Klimt und Kandinsky zu sehen. Zeitgenössische Kunst aus Israel findet ebenfalls ihren Platz. Neben dem alten Hauptgebäude, dass den Charme der 1970er Jahre beibehalten hat, gibt es einen Neubau mit einer riesigen, beinahe kathedralenartigen unterirdischen Halle, in der Sonderausstellungen gezeigt werden.
  • Ganz im Norden am Ende der langen Promenade gibt es mit dem Hafen ein Ausgehviertel direkt am Wasser mit vielen Restaurants, Bars, Clubs und Cafés. Hier lässt sich auch ein ideales Erinnerungsfoto schießen.
Hafenpromenade in Tel Aviv
Cafés, Bars, Clubs, Shopping und vieles mehr gibt’s im Norden am Hafen.

Einfach runterkommen und entspannen

Wie gesagt, man muss in Tel Aviv nicht von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten rennen. Zwischendurch mal eine Runde am Strand liegen, auf einer Bank in einem der vielen Parks ein Eis essen und dann mit dem Leihrad weiter – in Tel Aviv kann man sich treiben lassen. Es gibt überall was zu sehen und hinter der nächsten Ecke ändert sich das Bild wieder. Gleichzeitig ist Tel Aviv die ideale Ausgangsbasis für weitere Ziele in Israel wie Jerusalem. Und wer einfach nur feiern und das Leben genießen möchte, ist hier auch vollkommen richtig – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Sonnenuntergang in Tel Aviv
Jeden Abend geht im Mittelmeer die Sonne unter – überall an der Promenade kann man dieses Naturschauspiel bewundern.

Und was ist mit dem Essen?

Ja, natürlich haben wir in Tel Aviv auch gegessen. Dazu gibt es aber so viel zu sagen, dass noch ein eigener Beitrag nötig ist, der in ein paar Tagen folgt. Gleiches gilt für die Jerusalem.

Ein Tel Aviv-Krimi
Tel Aviv ist nicht nur ESC, Party und Sonnenschein – in den weniger touristischen Vierteln scheint es hart zur Sache zu gehen. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls der sehr spannende Krimi Die letzte Sünde: Kommissar Rosenthal ermittelt in Tel Aviv (Amazon-Affiliate-Link). Er handelt von einem Mord im Einwanderer-Milieu und zeigt sehr eindrucksvoll die Gesellschaft hinter der weißen Fassade. Drogen, Prostitution und Mord bestimmen das Geschehen. Für mich war er die perfekte Lektüre vor Ort.

Der ESC in Tel Aviv

Festival am Strand in Tel Aviv
Der ESC in Tel Aviv konnte auch im riesigen Fan Village direkt am Meer verfolgt und gefeiert werden.

Für den ESC gab es in Tel Aviv nur eine vergleichsweise kleine Halle. Hinzu kamen deutlich teurere Karten für die Shows als in den Vorjahren. Doch man hatte frühzeitig angekündigt, den ESC mit großen Open-Air-Veranstaltungen zu begleiten. Direkt am Meer unweit des Stadtzentrums wurde im Charles-Glore-Park das größte Eurovision-Village überhaupt aufgebaut. Übertragung des ESC auf vielen Leinwänden, davor und danach Konzerte und auf demselben Gelände ein riesiges Foodfestival mit im wahrsten Sinne des Wortes unzähligen Ständen mit Essen und Getränken. Das war jedoch auch entsprechend überlaufen, sodass man starke Nerven und eine starke Blase brauchte, um es dort mehrere Stunden auszuhalten. Die Anzahl der Dixie-Toiletten entsprach nicht wirklich der Menge der Besucher. 

ESC-Bilderrahmen in Tel Aviv
Der ESC war überall in der Stadt präsent – nicht nur mit den Bilderrahmen.

Anders als im Vorjahr in Lissabon war in Tel Aviv dafür die ganze Stadt im ESC-Fieber. Volunteers begrüßten uns schon am Flughafen und versorgten uns mit Infomaterial. Sie waren auch überall in der Stadt anzutreffen. Tel Aviv hat sich für die ESC-Fans von seiner besten Seite gezeigt.

ESC am Flughafen Ben Gurion
Schon am Flughafen wurden die ESC-Fans willkommen geheißen.

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