In China drücken viele Fans der deutschen Nationalelf die Daumen

Chinesische Fans der deutschen Nationalelf
Chinesische Fans der deutschen Nationalelf

„Wer ist Dein Lieblings-Fußballer bei den Deutschen?“, fragt mich ein US-amerikanischer Wissenschaftler bei der Fahrt zur Chinesischen Mauer. Ich kann mich nicht entscheiden. „Manuel Neuer ist toll, weil er so viele Bälle hält“, sage ich. „Miroslav Klose mag ich, weil er schon relativ alt ist und trotzdem super spielt. Thomas Müller schießt aus jeder Position ein Tor und Lukas Podolski ist quasi Kölner. Ich kann mich nicht entscheiden.“ – „Es ist eben eine sehr gute Mannschaft, die Beste“, sagt der US-Amerikaner. „Ich mag Philip Lahm am Liebsten, weil er so ruhig und besonnen ist. Und ich denke, Deutschland wird Weltmeister.“

Einige Stunden später, im Innenhof unserer Pension in Beijing. Auf einem riesigen Flachbildschirm sendet der chinesische Sender CCTV unablässig Bilder der deutschen Mannschaft. Ich jauchze ein wenig vor Freude. Da kommt ein Pensionsmitarbeiter vorbei und fragt, woher wir kommen. „Ohoh! Germany“, sagt er und strahlt. „So guter Fußball! Deutschland wird Weltmeister, ohohoh!“ Er erzählt, dass es in China 500.000.000 Fußballfans gibt, aber keine Vereine, keine Ligen. Eine Nationalmannschaft gibt es wohl, „aber ohohoh, sie ist so schlecht!“. Der junge Mann lässt die Schultern hängen, senkt den Kopf, schaut traurig. „Wir werden nie gut Fußball spielen.“ Ich sage, dass das ganz schnell gehen kann, wie man an der Mannschaft der USA sah. Er sagt:“Die USA haben ja auch einen deutschen Trainer. Ohohoh! Deutschland wird Weltmeister! Die vielen, vielen Stars und Bay Erne Mu Nich! Dorte Munde! Ohohoh!

Im Zug nach Qingdao läuft auf den Monitoren an der Decke im Flur Fußball, immer wieder die WM, immer wieder die Deutschen. Im Supermarkt am Morgen nach dem Sieg gegen Brasilien: Fernseher, auf denen das Spiel wiederholt wird. Wir kommen gerade zu Minute 9 an, beschließen, das erste Tor abzuwarten. Drei Chinesen stellen sich zu uns. „Ja!“, juble ich nach dem Tor, „Hihihi!“, kichern die Chinesen. Nachmittags auf dem Weg auf einen Berg fragt uns ein älterer Herr, woher wir kommen. „Germany“, sage ich, er runzelt die Stirn. Ich kicke einen imaginären Ball, juble lautlos, sage:“World Cup, yesterday, Brazil!“. Er lacht laut:“Good, good, good!“, sagt er und zeigt mir mit dem Daumen ein „Gefällt mir“. Am Abend beim Street-BBQ dreht sich ein Mann zu uns um:“Germany? Soccer? Good!“. Er zeigt uns auf dem Handy ein Bild von Angela Merkel beim Besuch in Beijing. Ich lasse mir übersetzen, dass er erzählt, dass Studenten sie gefragt hatten, wie Deutschland gegen Brasilien spielen werde. Sie soll 6:0 getippt haben.

Lieber Konfuzius ...
Lieber Konfuzius …

China ist offensichtlich im Fußballfieber und für die Deutschen. Deutsche Trikots sehen wir in der U-Bahn in Beijing, in der Verbotenen Stadt, auf den Straßen von Qingdao – und dort im Bahnhof sitzt ein Schweinsteiger-Fan. Ich frage den jungen Mann, ob ich ihn im Trikot fotografieren darf. Er ist zunächst irritiert, sagt dann aber Ja und lächelt in die Kamera. „Hoffentlich gewinnen wir am Sonntag“, sage ich, und „Ohoh, jaja!“, sagt er. Seine Begleiterinnen lachen. Im Bahnhof von Suzhou spreche ich einen andren Chinesen an, der ein T-Shirt mit Namen deutscher Fußballer trägt:“Deutschland wird heute Nacht Weltmeister“, sagt er, und freut sich, weil ich sein Shirt cool finde. Eine junge Frau kommt im Trikot von Thomas Müller vorbei. Doch sie verschwindet, bevor ich sie fotografieren kann.

In einem konfuzianischen Tempel in der Altstadt von Shanghai spricht uns der Wunschkartenverkäufer an:“Seid Ihr Deutsche? Deutschland wird Weltmeister. Eure Mannschaft hat in China so viele Fans, und sie hat von Anfang an so gut gespielt – ah! Müller! Und wie heißt Euer Torwart? Neuer, ja, der ist so gut! Ihr werdet Weltmeister! Ah! Ich schenke Euch eine Wunschkarte, und Ihr schreibt den Wunsch darauf, dass Deutschland Weltmeister werden soll, ja? Ah! Deutschland wird Weltmeister! Weltmeister! Weltmeister!“

Mit dieser Unterstützung aus China, Jungs, da werdet Ihr, da werden wir doch hoffentlich das Spiel heute gewinnen? Wir werden übrigens um 2.58 Uhr den Fernseher anstellen. Mit sicherlich ganz kleinen Augen – aber mit högschder Konzentration. Deutsch Land!

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