Ein Wochenende in Wolfsburg

Autostadt Wolfsburg von oben
Autostadt Wolfsburg von oben

Es gibt Städte, an denen scheiden sich die Geister. Wolfsburg gehört dazu. Dort kannte ich bisher nur den Hauptbahnhof – und zwar vom Umsteigen. Vom Bahnsteig aus sieht man das Produktionsgelände von VW und daneben in einer Grünanlage Autos, die extreme Steigungen hinauf und hinunter fahren: die Autostadt. Sie war letztlich Auslöser für meine Entscheidung, auf dem Rückweg von einer Geschäftsreise nach Berlin in Wolfsburg auszusteigen, um mir die Stadt an einem Wochenende näher anzusehen.

Als ich meinen Freunden in der Hauptstadt davon erzählte, sagten sie, Wolfsburg sei hässlich und uninteressant. Ganz anders Bekannte aus Köln. Jürgen, 53, war schon vier Mal dort:

„Ich gehe in Wolfsburg gerne ins Kunstmuseum. Am besten hat mir bisher die Ausstellung von Henry Cartier-Bresson gefallen. Ich schätze an Wolfsburg aber auch die kurzen Wege: Vom Bahnhof geht man zu Fuß ins Museum. Auf dem Weg hin oder zurück kann man in der Stadt noch einkaufen, oder im Designer Outlet am Bahnhof. Und gutes Essen gibt es in Wolfsburg auch.“

Als wir da sind, wird gerade die Ausstellung von Jeppe Hein eröffnet. Unter der Beschreibung auf der Internetseite des Kunstmuseums kann ich mir nicht viel vorstellen. Umso mehr gefällt mir, was ich sehe und höre: An Seilen fahren Kugeln in einer Schiene an der Decke entlang. Immer wieder stoßen sie dabei gegen Klangschalen und kombinieren so visuelle Kunst mit Tönen. In einem Labyrinth kann man mit einem Bügel auf dem Kopf gegen unsichtbare Wände laufen – sie erkennt man an einer Vibration des Bügels an der Schädeldecke. Und wer sich in der Ausstellung setzt, muss mit Überraschungen rechnen: Mal bewegt sich die Bank samt Sitzendem, mal lässt der Hocker so richtig Dampf ab. Die Ausstellung geht noch bis 13. März 2016 und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Nur noch bis Januar kann man die Ausstellung über lateinamerikanische Kunst besuchen. Auch sie fand ich sehr gelungen, denn hier geht es um ganz moderne Exponate, die wenig mit der Folklore zu tun haben, die man in Lateinamerika selbst oft sieht. Ich habe die Ausstellung übrigens nach Vorlage des Presseausweises kostenlos besucht.

Autostadt, Phaneo und Shopping

Auch Marion, 47, war schon dreimal in Wolfsburg: Immer, um ihr neues Auto bei VW in der Autostadt abzuholen. „Dort gibt es jedes Mal neue Attraktionen“, sagt sie. „Da ist es nie langweilig“. Einmal hat sie auch das Spezialpaket für Abholer gebucht und im Ritz Carlton in der Autostadt übernachtet. Dort haben wir auf Einladung der Autostadt nur zu Mittag gegessen – einen Lachs-Burger und Spekulatiuseis, nachdem uns eine Tourleiterin das ZeitHaus und den Porsche-Pavillon gezeigt hat, wir eGolf gefahren waren und die Autostadt aus dem Turm von oben betrachtet haben.

Die Autostadt liegt übrigens im so genannten Bermudadreieck zwischen Outlet und dem Wissenschaftsmuseum Phaeno. Das feiert Ende November seinen zehnten Geburtstag, und ist definitiv nicht nur für Kinder ein tolles Erlebnis: Wir haben lange nicht so viel gelacht wie im Haus mit dem schrägen Boden. Auch das Outlet Center ist einen Besuch wert: Hier kaufen im Jahr über zwei Millionen Besucher aus einem Einzugsgebiet von 200 Kilometern ein, erzählt mir Center Manager Michael Ernst. Das Outlet sei 2007 das erste innerstädtische in Deutschland gewesen, sagt er, und Teil eines Masterplans für Wolfsburg, um die Stadt für Touristen attraktiver zu machen. Da die Innenstadt zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen ist, sei das Outlet Center eine Bereicherung für die Stadt: „Es bringt Publikum“, sagt Ernst. Außerdem achte man sehr genau darauf, welche Marken man im Outlet anbiete, mit der Innenstadt gebe es keine Überschneidungen. Und falls doch, so bekomme man im Outlet trotzdem nicht alles und vor allem nicht die neuste Kollektion. Wir haben ganz schön viel dort eingekauft und dabei auch zwei Gutscheine über 25 Euro und über zehn Prozent eingesetzt, die wir in unseren Informationsunterlagen fanden.

Abendessen in Fallersleben

Bettina, meine Freundin aus Berlin, hat einen weiteren Tipp für mich: Wer mit der Regionalbahn vier Minuten nach Fallersleben fährt, kann auch niedersächsische Geschichte erfahren. Die kommt ja in Wolfsburg mit seinen gerade einmal 77 Jahren etwas kurz. In Fallersleben aber kann man nach etwa zehn Minuten zu Fuß Richtung Zentrum an Plätzen Fachwerkhäuser bestaunen und Kopfsteinpflaster. August Heinrich Hoffmann von Fallersleben lebte hier, der Dichter, der auch den Text zur deutschen Nationalhymne schrieb, und ihm ist ein Museum in Fallersleben gewidmet. Direkt nebenan, in einer umgebauten Scheune, ist das Alte Brauhaus, ein Restaurant, in dem deftige Speisen serviert werden und ungewöhnliche, selbtsgebraute Biere. Wir entschieden uns für ein Limonen- und ein Apfelbier sowie die Fallersleber Brotzeit, die locker für zwei reicht. Überhaupt: Wir haben in Wolfsburg viel Deftiges gegessen.

Einen echten Hoteltipp für Wolfsburg kann ich nicht geben: In der Stadt gibt es nur wenige Hotels, darum sind die Zimmer teuer. Wir hatten über hotels.com ein Zimmer im Leonardo Hotel mit Frühbucherrabatt gebucht. Die Einrichtung war zwar neu, ebenso der Wandanstrich und der Teppich. Aber im Bad, an der Tür und den goldenen Dekoelementen im Flur sieht man deutlich, dass das Hotel schon älter ist. Hinzu kam in unserem Fall, dass im Bad die Wärmelampe nicht funktionierte, die Heizung im Zimmer nur lauwarm wurde, man aus den Nachbarräumen und vom Flur jedes Geräusch und vor allem auch viel fließendes Wasser hörte. Das Frühstück war zwar völlig ausreichend, aber nichts Besonderes (demnächst mehr). Aus meiner Sicht war der Frühbucherpreis noch zu hoch. Aber immerhin war das Zimmer günstiger als in anderen Hotels.

4 Kommentare auch kommentieren

  1. Wolfsburg sagt:

    Hotels gibt es schon genug allerdings sind die in der Woche stark frequentiert durch die vielen Geschäftsreisenden.Deshalb gibt es Rabatte oft nur am Wochenende. Ein Geheimtipp ist das Hotel Einschlaf auch nicht billig aber jeden Cent Wert!

    1. BettinaBlass sagt:

      Ja, das Einschlaf! Ich hatte mir die Homepage angesehen und es ist entzückend. Es war mir aber ehrlich gesagt zu teuer.

      1. Wolfsburg sagt:

        Dann die kleinen Hotels in der City Journal z b… Gibt noch viel zu entdecken 🙂

        1. BettinaBlass sagt:

          Danke für den Tipp, das merk‘ ich mir. Wir wollen sowieso nochmal kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld.

*

Ich stimme zu