Ein Sonntagnachmittag in Mannheim

Mannheimer Schloss
Mannheimer Schloss

Ein Nachmittag in Mannheim! Das war nicht von langer Hand geplant, hat sich aber so ergeben. Wir werfen einen Blick auf die Tourismusseite der Stadt, und entschließen uns, das Barockschloss und das Technoseum zu besichtigen. Das Barockschloss im Stadtzentrum ist zu unserer Überraschung riesig. Schon während man den großen Hof überquert, um zum Museumseingang zu kommen, fühlt man sich klein. Im Schloss selbst mit seinen vielen Flügeln und Räumen potenziert sich das Gefühl. Im Museum bekommt man Audioguides. Für meinen Geschmack sind die Geschichten zu den einzelnen Stationen etwas zu lang und detailliert, doch spannend ist schon, was man über das Leben der Kurfürsten von Baden erfährt. Mich hat die Essenstafel mit dem guten Tafelsilber am meisten beeindruckt. Was für eine Arbeit muss es gewesen sein, das 130-teilige Badische Hofsilber so blank zu polieren? Hier ließ der Großherzog von Baden übrigens ab und zu öffentliche Abendessen veranstalten. Das muss man sich so vorstellen: Am Tisch schaufelten die Adligen das Essen in sich hinein, das ihnen auf silbernen Tellern und in ebensolchen Schüsseln kredenzt wurde. Und auf den Stühlen an der Wand durfte das einfache Volk sitzen und sich diesen Prunk ansehen. Möglicherweise hungrig, vielleicht auch mit der Frage im Kopf, wie man die Kinder in den nächsten Tagen ausreichend mit Nahrung versorgen könnte. Übrigens durfte auch nicht jeder beim Schauessen zuschauen. Eine Voraussetzung war beispielsweise, dass man sauber sein musste.

Weiter ins Wissenschaftsmuseum

Wir fühlen uns nach dem Besuch des Museums ein wenig erschlagen von den vielen Informationen und schlendern durch die Straßen-Qudrate Richtung Wasserturm. Es sind erstaunlich wenig Leute an diesem Sonntagmittag auf der Straße. Viele Cafés in den Seitenstraßen sind geschlossen, die Stadt wirkt fast ausgestorben. Der Wasserturm und der Park dahinter sollen einer der schönsten Flecken des Jugendstils in Deutschland sein, doch im Winter ist er eher trist: Vertrocknete Ranken unter den Lampen, wo im Sommer Wasser fließt, spielen Jugendliche Ball und skaten. Wir nehmen die Straßenbahn der Linie 6 und fahren bis zum Luisenpark. Es ist einer der ersten schönen Frühlingstage, kein Wunder also, dass Menschenmassen in den Park strömen. Wir gehen trotzdem auf die andere Seite der Straße, und zwar ins Technoseum. Hier geht es um die Industrialisierung der Gesellschaft. Weil es viele Stationen für Selbstvesuche gibt, ist das Museum bei Familien sehr beliebt. Ich fühle mich ein bisschen diskriminiert, denn auch ich würde mithilfe der Technoscouts gerne einiges ausprobieren, doch sie sprechen gezielt nur Kinder an. Schade.

Auf eigene Faust bauen wir darum einen Torbogen und lassen ihn wieder einstürzen, wir lassen Kugeln um die Wette laufen, spazieren durch die Vergangenheit des Buchdrucks und der Medizin, schauen uns an, wie viel Hitze wir abgeben und staunen über alte Autos und Mopeds. Auch zum Thema Ernährung gibt es einiges zu sehen im Technoseum – beispielsweise wie viel Energie das Essen liefert: Von einem virtuellen Tablett nehmen sich die Gäste Pizzastücke, Nudeln, Möhrenscheiben, Reis oder Schokolade. Rechts neben ihrem virtuellen Teller bekommen sie dann Informationen darüber, was die Nahrung kostet, wie viel Kalorien sie hat, wie viel Wasser dafür aufgewendet werden muss und wie hoch der damit verbundene CO2-Ausstoß ist.

In einem anderen Teil der Ausstellung geht es auch darum, wie viel Energie Lebensmittel haben – und wie viel für ihre Herstellung aufgewendet wird. Auf einer Schautafel wird das am Beispiel Apfel verdeutlicht: sein Nährwert hat fünf Watt. Kommt er von einer regionalen Streuwiese, wird dafür ein Watt aufgewendet, kommt er aus dem fernen Neuseeland, sind es dagegen zwölf Watt. Ein Argument, warum man Lebensmitteln aus der Region bevorzugen sollte. Schwierig wird das allerdings, wenn man beispielsweise gerne Ananas und Bananen isst, die schließlich nicht auf heimischem Boden gedeihen. Übrigens habe ich für das Technoseum keinen Eintritt bezahlt, sondern bin mit einer Pressekarte kostenlos durch die Räume geschlendert.

Wo ich in Mannheim übernachtet habe

Normalerweise sind wir selten länger als eine Stunde in einem Museum. Doch sowohl im Schloss als auch im Technoseum verbringen wir eine lange Zeit. So dämmert es schon, als wir aus dem Museum kommen. Wir fahren darum zurück zum Hauptbahnhof, denn dort haben wir im Intercity Hotel ein Zimmer gebucht. Da ich morgens früh los muss, hat es die optimale Lage – ich bin in wenigen Minuten auf dem Bahngleis. Vom Hotel selbst bin ich angenehm überrascht: Das Zimmer hat an zwei Wänden Fenster bis auf den Boden und ist darum sehr hell. Da die Fenster gut schallisoliert sind, hört man die Straßenbahnen und Züge draußen kaum. Außerdem ist das Zimmer erfreulich modern gestaltet. W-Lan ist kostenfrei und eine ÖPNV-Karte gibt’s zusätzlich.

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